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Wobei - Station machen ist falsch, denn Berlin war das erste Date auf der diesjährigen Tour und keine Station zwischendurch. Der erste Tag einer Tour - das kann Fluch und Segen sein. Entweder man weiß noch nicht, wie es läuft und ist nervös oder man freut sich endlich wieder on the road zu sein und ist noch frisch, unverbraucht und ... nüchtern. Besonders das letztere ist bei Amorphis eminent wichtig.
Ich gebe zu, ich habe Amorphis in den letzten Jahren Amorphis sein lassen. Eigentlich schon seit ungefähr 2001. Zu schlecht waren häufig die Konzerte, mauer Sound, breiig und die Band so besoffen, dass sie kaum gerade stehen konnten. In 99% aller Fälle wurden die tollen Songs der Band auf der Bühne zerstört, und das muß man sich ja nicht geben.
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Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen kann an dieser Stelle zu Amoral nichts gesagt werden, aber beim Hören einer Unterhaltung unter einigen Gästen der gut besuchten, aber nicht annähernd ausverkauften Halle kam etwas herüber wie 'war ganz ok'. Before The Dawn dagegen waren weit mehr als 'ganz ok'. Kaum eine Band passt stilistisch so gut zu Amorphis, auch wenn ihnen eben das Quäntchen fehlt, was Amorphis zum Headliner macht. Die Jungs sind auf CD häufig eintönig, live war das ganze sehr sehr gut. Sogar eine Ballade mit nur Gesang und einer akustischen E-Gitarre haben die Herren sich getraut zu interpretieren, und es war großartig. Stimmig vom Gesamteindruck und mit äußerst herzlichem Applaus unterstützt und am Ende verabschiedet - Before The Dawn sind auf dieser Tour am richtigen Platz.
Von der ersten Sekunde des Auftrittes von Amorphis war klar - es ist alles anders als früher, trotzdem irgendwie gleich, bloß besser. Die Jungs legten eine solche Spielfreude an den Tag, dass das Publikum von der ersten Sekunde an mitgerissen wurde. Achja, das Publikum. Wenn das der Nachwuchs des Metal ist, stehen ihm glorreiche Zeiten bevor. Ein Großteil der Anwesenden war unter 25 oder höchstens unter 30 Jahre alt, keine 45-50jährigen Altrocker, die man normalerweise in der Überzahl hat. Noch dazu war mindestens 50% der Fans weiblich (eine Quote, die klassisch bei Metalkonzerten die 18% normalerweise nicht sprengt) und noch dazu höchst gutaussehend. Wenn das bei Metalkonzerten immer so sein wird - Hut ab!
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Dementsprechend enthusiastisch war die Stimmung. Sänger Tomi ist ein Energiebündel, wer es schafft mit kniekehlenlangen Dreadlocks (!!) so zu bangen wie er muß ein Ausnahmetalent sein. Das gilt im übrigen auch für seine Stimme. Der cleane Gesang sitzt perfekt bei jedem Ton, und das Growlen ist so tief und gut wie es sein Vorgänger nie hinbekommen hat. Dieser Frontmann ist eine absolute Offenbarung! Das durfte er dann auch bei jeder Menge älterer Stücke beweisen, auch wenn das Gros der Songs von 'Skyforger' kam. Die neuen Lieder sind allesamt livetauglich, egal ob nun 'Sky Is Mine', 'From the Heavens' oder auch der Titeltrack 'Skyforger'. Im Gegensatz zu anderen Konzerten wurde das neue Material mit fast ebensoviel Begeisterung wie die alten Songs angenommen, auch wenn es natürlich die Klassiker sind, auf die die Fans warten. Mit 'The Castaway', 'Against Widows' und dem den regulären Set abschließenden Fanfavoriten 'My Kantele' waren die am lautesten bejubelten Stücke jedenfalls dann doch alle älteren Datums. Am meisten Begeisterung löste danach das Zugabenpaket aus 'House Of Sleep' sowie dem von den Fans von de ersten Sekunde an geforderten und als abschließende Krönung dargebotenen 'Black Winter Day' aus. Die gesamte Songauswahl beschränkte sich auf die Gassenhauer, die live besonders gut funktionieren, das progressiv-psychedelische wurde komplett aus dem Programm genommen - richtig so!
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Bis auf einen 2minütigen Tonausfall des Mikros am Anfang war der Sound sauber, das Riffing präzise, die Spielfreude extrem hoch. Amorphis haben mal wieder gezeigt, dass sie es richtig gut können. Einziges Manko des Abends war, dass noch während der letzte Ton verklang die Band wortlos von der Bühne verschwand, das Licht anging und die Backgroundmusik noch in die letzten Seufzer der Gitarre hinein loslief. Das muß nicht sein, ist aber wohl weniger der Band zuzuschreiben. Trotz des abrupten Endes ein durch und durch begeisternder Auftritt.
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