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Die ersten zwei Überraschungen des Abends waren die fehlende Vorband und die neue Bühnenaufstellung der Anajos. Olli und Michi haben nach zehn Jahren einfach mal die Plätze getauscht. Man muss sich ja eine gewisse Flexibilität bewahren. Daher hat man auch Ingolf zum ersten Mal in der Bandgeschichte mit einem Mikro am Schlagzeug ausgestattet. Und auch gleich damit gedroht, dass er es singenderweise benutzen wird. Das Publikum im Backstage kann man durchaus mit 'typisch München' beschreiben: erst einmal abwarten, und dann sehen wir schon, ob wir uns bewegen oder weiter wie die Salzsäulen da stehen. Wo in anderen Städten spätestens bei 'Honigmelone' kein Halten mehr ist, herrschte in München noch vornehme Contenance. Allerdings schon mit dem ein oder anderen Nicken oder Wippen und diversen Sympathiebekundungen in Form von schrillen Michi-Schreien oder auch Applaus durchsetzt. So langsam liefen die Leute warm, es bleibt einem auch nichts anderes übrig, wenn auf der Bühne die Band schwitzt und ihr Bestes gibt. So wurde speziell 'Hintermünchen', sprich der hintere Teil des Publikums, aufgefordert, sich doch einmal bemerkbar zu machen. Das tat es zwar zögerlich, bei der dritten Aufforderung aber dann doch vernehmlich. 'Ich Hol Dich Hier Raus' schien dann endlich den Bann zu brechen, die ersten Reihen tanzten und sangen so gut sie konnten mit. Das Set spielte sich quer durch die Bandgeschichte, angefangen bei 'Villa Am Strand', 'Die Tränen Sind Immer Noch Meine', 'Mein Erstes Richtiges Liebeslied' über 'Herz Ass', 'Streuner' oder 'Mein Lieber Herr Gesangsverein'.
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Teilweise hat man ein wenig umarrangiert, ein bißchen mehr das Effektbrett malträtiert, so dass der Sound rockiger rüberkam. Neue Songs gab es auch zu hören, die hier und da doch ein wenig sarkastisch sind und mit den Klischees spielen, die Anajo gerne angeheftet werden. Zum Beispiel, dass sie 'Mädchenmusik' spielen. Oder einfach viel zu unpolitisch sind. Derartigen Platitüden kann man nur mit Humor begegnen. Den hatten auch Olli und Michi zur Genüge im Gepäck, denn sie lieferten sich über die ganze Show hinweg ihren gewohnt-launigen Schlagabtausch. Michi managte während Ollis Stimmpausen souverän das Publikum und freute sich sichtlich über den rosa BH, der ihm irgendwann entgegenflog, sowie über die Macht, die er mittels der Kontrolle über die superduper-Luxus-Lichterketten an Verstärkern und Bassdrum inne hatte. Nach eineinhalb Stunden und zwei frenetisch eingeforderten Zugabenblöcken war die Setlist dann endgültig zu Ende und das Publikum glücklich. Bis zum 20-jährigen Bühnenjubiläum übt ihr das mit dem Feiern aber nochmal, liebe Münchener.
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