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Denn während es draußen knackig kalt ist, betreiben die Leute im Inneren eine Art kollektives Nesting, sind schon bei der Vorband derartig mädchenhaft euphorisch, dass man sich ernsthaft die Frage stellt, wo das enden soll. Beim Auftritt von The XX wird schließlich die optisch-akustische Reduktion, das kühle, blaue Licht auf der Bühne wunderschön von Sympathiewogen aus dem Publikum kontrastiert, irgendwann ruft jemand unvermittelt 'You Are So Great!', was die Gitarristin mit einem sichtlich gerührten 'So Are You!' kommentiert.
Die Band löst bei ihren Zuhörern scheinbar ähnliche Reflexe aus wie Tagebucheinträge, Gesprächskreise bei Pfefferminztee oder Hot-Stone-Massagen. Also in etwa das diametrale Gegenstück zu 'Sex, Drugs etcpp'. Und natürlich sind auch schon die ersten nervigen Personen am Start: Als man sich direkt vor mir eine Zigarette ansteckt, interveniert der Nebenmann mit einem nörglig, schwäbischen 'Hasch Du net die 'Rauche Verbode'-Schilder im Foier g'sehe?' Ich denke an Groucho Marx ('Sir, there's no smoking in here.' 'Well, that's what YOU say!') und überlege aus purer Opposition ebenfalls eine anzuzünden, entscheide mich dann aber dagegen und konzentriere mich lieber wieder auf die Bühne.
Wo die Londoner nicht aufhören die elegant, aurale Architektur ihres Debüts mit einem etwas kratzbürstigen Vortrag aufzurauen, Beats klingen peitschender, Stimmen fragiler und Bassläufe wackliger. Lediglich der Bühnenaufbau reflektiert die aufgeräumte Stimmung des Albums: Ganz vorne zwei gleißende XX-Leuchten, mittig ein gigantisches Pult mit Elektronik, welches ein wenig wie ein überdimensionaler Altar wirkt, davor ein einziges Becken, dessen einzige Funktion darin besteht, dass Oliver Sim beim Finale zwei Minuten lang frenetisch darauf eindreschen wird. Mehr gibt es nicht zu sehen. Und natürlich diese wunderbar spartanischen, dominant blauen Lichteffekte, die den Hörer vollends mesmerisieren und in einen tranceartigen Zustand versetzen, an welchem auch anwesende Bürger der Regierungsbezirke Tübingen oder Stuttgart nichts ändern können. Irgendwann ertönt vom Band der Remix eines XX-Stückes, das Licht geht an und die Leute taumeln benommen nach draußen, schließlich wollen die Kartenbesitzer der Zusatz-Show nicht vor den Toren erfrieren.
Kurz darauf stehe ich zusammen mit gefühlten 10000 Menschen in der Bahn und fahre über eiskalte Gleise nach Hause, wo mich ruhig flüsternde Schatten, Stille und ein freundlich lächelnder Halbmond empfangen. Und The XX (das Album) gleich nochmal so schön klingt, während die Band im Astra gerade den zweiten Gig der Nacht spielt.
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