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'Guten Abend, liebes Publikum! Das hier ist die Hose von John Lennon. Die hab ich mal gefunden. Dass sie John Lennon gehörte, weiß ich, weil ein Handy mit einer SMS von Yoko Ono daneben lag - was ja sehr seltsam ist, denn Yoko Ono hat ja eigentlich immer getwittert.' Ganz in schwarz und in John Lennons Hose betritt Maximilian Hecker schleichend die Bühne. Er muss die sitzende Zuschauermenge durch einen Mittelgang durchqueren und schaut nicht zur Seite. Was er mit seinen Händen machen soll, bis sie schließlich die Tasten des schwarzen Flügels bespielen dürfen, weiß er nicht so recht. Er hält sie angewinkelt vor seinen Bauch.
'Zu Anfang ein bisschen Robbie Williams? Wer von Euch mag Robbie Williams?' - Maximilian Hecker hält sich den Arm über seine Augen, um sein Publikum erkennen zu können und stellt seine Frage in ein Mikrophon, das extra zum Sprechen in Richtung des Publikums gewendet steht. Dieses sitzt am zweiten Abend des 'Pop Freaks'-Festivals im bestuhlten Stuttgarter 'Merlin' und weiß nicht so recht, was der Herr auf der Bühne möchte. Zögerlich steigen einige Hände in die Luft, um die Sympathie für Robbie Williams zu bekunden. 'Aha. Immerhin drei.' Maximilian Hecker wendet sich in Richtung des großen schwarzen Flügels, verschwindet fast vollends hinter dem Instrument, sieht nicht mehr zu den Zuschauern, sondern singt nun in das Mikrophon direkt am Flügel. Sein Blick reicht auf den Boden, auf die Tasten oder in die Luft. Meistens jedoch sieht man nichts als seine Stirn - der Rest wird verdeckt. Nur manchmal, wenn er zu hohen Tönen ansetzt, lugt sein Schopf deutlicher über den Klavierdeckel empor. Er neigt den Kopf leicht nach hinten, hat die Augen nur einen Spalt weit geöffnet und verschmilzt mit seinem Flügel.
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Er spielt 'Misunderstood'. Die Töne des Flügeln klingen klar durch den Raum, die Zuschauer sitzen andächtig auf ihren Holzstühlchen, die Frauen stützen ihren Kopf auf die Schulter ihres Partners. 'Das erste Lied war doch nicht wirklich von Robbie Williams?', wird später eine Zuschauerin den Künstler an seinem kleinen Merchandise-Tischlein fragen. Zu sehr scheint es zu Maximilian Hecker zu passen. Auch er scheint ständig mit Missverständnissen konfrontiert und sich nicht dagegen wehren zu können. Unsicher dreht er sich zwischen seinen Stücken zum Publikum, hebt wieder den Arm zur Stirn, um überhaupt etwas erkennen zu können: 'Soll ich ... soll ich noch was sagen? Oder soll ich einfach spielen? Am liebsten würde ich ja einfach nur spielen und gar nicht reden. Wenn ich irgendwann mal ganz reich bin, dann mach ich das so. Dann fällt nach jedem Song ein Vorhang und hebt sich erst wieder, wenn ich mit dem nächsten beginne. Ich hab dann meinen persönlichen Curtain Operator, der ihn immer hochzieht und fallen lässt.'
Ein Spannungsfeld zwischen seinen Liedern, in denen er sich geborgen zu fühlen scheint, auf der einen Seite und den Pausen, die zwischendurch entstehen, auf der anderen Seite baut sich in ihm auf - so, als fühlte er sich beobachtet.
Zu Beginn spielt er einige Stücke - hauptsächlich Titel seines aktuellen Albums 'One Day' - kommentarlos hintereinander. Während seine Stimme bei 'The Space That You're In' und 'Misery' recht dunkel und greifbar klingt, wechselt sie bei 'Miss Underwater' in die hohen, träumerischen Sphären. Dieses facettenreiche Wechselspiel durchbricht er lediglich durch ein abruptes, mit fester Stimme gegröltes 'Seid ihr gut drauf?' mit in den Himmel gerecktem Arm. Daraufhin setzt er jedoch augenblicklich wieder zum folgenden Song an.
Auf einmal unterbricht er sich im Intro des Liedes, hebt den Arm über die Augen, schaut zum Publikum und setzt zur Erklärung an: 'Entschuldigen Sie, verehrtes Publikum. Ich kann nichts dafür. Meine Bandmitglieder sagen mir immer, ich solle das auf jeden Fall lassen. Aber es passiert einfach wieder. Ich schaue einfach immer so, wenn ich singe. Dagegen kann ich nichts unternehmen. Ich bin eben nicht George Michael. Der hat einen guten Blick während des Singens. Der kann sowas. Ich nicht.' Das Publikum lacht. Maximilian Hecker lacht nicht. Er spielt. Das Publikum findet ihn lustig. Er meint alles ernst.
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