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Brett Anderson entsteigt dem Lift und fließt mit geschmeidig eleganten Bewegungen die den Kunstschaffenden erkennen lassen durch das Foyer eines großen Berliner Hotels. Er sieht mich, erkennt mich wieder, macht einen Witz ('Was war noch mal die Hauptstadt von Frankreich?') und schon beginnt dasselbe alte Spiel. Nicht, dass er unfreundlich wäre. Nur distanzierter als nötig. An der Oberfläche möchte er locker wirken aber das rhythmische Pulsieren seiner Kieferknochen verrät die Anspannung. Als ich ihm irgendwann das Cover von Suedes 'Coming Up' vorlege, legt sich seine Stirn in Falten: 'Das ist ein gutes Pop Album, ein bisschen billig vielleicht aber nicht schlecht!' Als ich zu bedenken gebe, dass es 1996 einen ganz speziellen Moment perfekt auf den Punkt brachte wird der Blick wieder kritisch, die Stimme insistierend: 'Die Produktion ist trotzdem billig!' Ein Mann und sein Kampf mit der Vergangenheit.
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Seine jüngste Kopfgeburt 'Slow Attack' findet da schon eher seine Gnade: 'Sie hat eine Menge Tiefe und egal wie oft ich sie höre, sie langweilt mich nie!' Als ich frage, ob dieser zugegebenermaßen organische Klang nicht ein wenig überraschend kommt, immerhin kokettierten die alten Werke stets mit einer gewissen Künstlichkeit, trifft mich wieder DIESER Blick. Und das leider nicht zum letzten Mal: 'Ich weiß was Du meinst aber das lag damals an der Produktion!' Na klar und da der Produzent so mächtig war musste man die Songs hinterher auf der Bühne exakt so spielen wie sie auf Platte klangen. Letzteren Satz denke ich allerdings nur während Brett schon wieder von seinen drei Solo-LPs schwärmt. Als er fertig ist möchte ich wissen inwieweit die späten Japan und David Sylvian ihre Sound-Spuren hinterlassen haben. Die Antwort kommt prompt und ist wohlwollend: 'Ich respektiere ihn total, würde aber niemals soweit gehen wie er und mich absichtlich so weit von meinem eigenen Publikum entfernen.' Und schon spricht er wieder über seine neuen Werke, denn Überraschung: 'Die Platte, an der ich gerade arbeite wird ein Rock Album! Das Beste an einer Solo-Karriere ist der Umstand, dass Du Deinen Stil jederzeit verändern kannst, was innerhalb einer Band nur sehr bedingt möglich ist, da die Leute meistens nur ein Instrument spielen. Solo kann ich mir dagegen jedes Mal neue Partner suchen, mein neues Projekt wird sehr rockig, wir improvisierten im Studio drauflos und bauten die besten Passagen zu Songs aus. Das Resultat wird wie Van Halen klingen!' Natürlich! Ich atme tief durch bevor ich einen erneuten Blick in den Rückspiegel wage und...
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