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Young Rebel Set - Rebellisch irgendwie, ja

Young Rebel Set, der Siebener aus Stockton on Tees und aufgehende Stern am Indie-Folk-Himmel, hat seinen Einstand auf den Berliner Bühnen gegeben. Und das mit Bravour. Auch wenn sie wirkten, als sei ihnen selber noch nicht so richtig wohl bei der ganzen Sache.

Dabei wurde die Band sowas von hofiert an diesem Donnerstagabend, dem 4. Februar 2010, im kleinen Magnet. Ihr Support Henrik Roger, seines Zeichens Kopf von Ghost Of Tom Joad, beschränkte sich mit seinem Soloset auf kurze 20 Minuten, von denen er einen nicht unerheblichen Teil darauf verwendete, Vorschusslorbeeren an die 'wunderbaren' Young Rebel Set zu verteilen. Schlacksig, ganz in Schwarz und mit seiner E-Gitarre ausgestattet gab er sich hochemotional, super liebenswürdig und mit Prenzlberg-Sprech voll integriert. In dem verkündete er zwischendurch dann auch, 'total Bock darauf' zu haben, an dieser Stelle mal seinen Lieblingssong zu spielen und intonierte prompt 'The Look' von Roxette. Wer da noch leise Zweifel äußern will, dem sei versichert, dass das Lied auch in einer verlangsamten Akustikversion nicht besser wird.

Nun denn, soviel Freiraum zur Selbstverwirklichung macht glücklich, und so bedankte sich Roger am Ende nochmal überschwänglich, für diese 'fantastische Band' gespielt haben zu dürfen. Die wirft große, viel versprechende Schatten voraus und schafft es, mit gerademal einer EP am Start und dem Debütalbum in der Ankündigung, das Magnet aus dem Stand gut zu füllen. Gespannt richten sich die Blicke zur Bühne, auf der die sieben Briten ohne jede Eile Position beziehen, Sänger Billy sich brav vorstellt und per Understatement einleitet: 'we're gonna play some songs for you, we hope you do enjoy them.'

Das taten die Berliner natürlich, waren sie doch gekommen, um den beschwingten Country-Folk made in Nordengland zu hören, mit dem Young Rebel Set vor allem live klingen wie ein modern-aufpolierter Johnny Cash. Mit Rhythmus im Blut und viel zu wenig Platz auf der Bühne spielen sich die Sieben warm. Besonders der tanzwütige Bassist, eine ganz junge Ausgabe von Paul Weller, ist in seiner Bewegungsfreiheit arg eingeschränkt, während es seinem Kollege an der Mundharmonika eher zu liegen scheint, sich dezent im Hintergrund zu halten. An der Bühnenfront zeigt man sich zumeist als ernsthafte Musiker, fast verbissen noch und sehr konzentriert, aber mit viel Spaß an der Sache. Sänger Billy wirkt zwischen den Songs manchmal gar nicht wie zum Frontmann gemacht und dem Publikum eher abgewandt, fängt aber dann doch, als die Gemeinsamkeiten mit 'Drink Problem' gefunden sind und er sich inzwischen sexy im Unterhemd präsentiert, zu erzählen an. Von 'Rosy' nämlich, die Weißwurst mag. Und zieht das Publikum dann mit dem schaurig-schönen 'Billy Died' in seinen Bann.

 

Wohl aus Platzmangel verzichtet die Band an diesem Abend auch auf die Orgel, was dem Set eine ausgeprägte, wunderbar rockige Countrynote verleiht. Das passt ja irgendwie auch viel besser zu dem etwas rauen Charme des Sängers, der, mit einem natürlichen Schmollmund gesegnet, sich gar nicht erst bemüht, bei Ansagen seinen nuscheligen nordenglischen Akzent zu verbergen. In seinen Songs aber geht er auf und verlässt sich ganz auf seine heiser-eindringliche Stimme. Das wirkt doppelt, als er für einige Solostücke allein auf der Bühne zurückbleibt und lächelnd die Aufmerksamkeit des Publikums genießt.
Wieder vollzählig, rocken Young Rebel Set dann noch einmal richtig los. Und weil es ja doch der schönste von den bisher bekannten Songs ist, geht ein deutlich zu vernehmendes 'da ist es ja endlich!' durch den Raum, als 'If I Was' als letzter Song angekündigt wird. Die beiden Zugaben werden mit gehobenen Bierflaschen und einem kollektiven 'Chears' besiegelt sowie der Gewissheit, dass man diese Band in Berlin wohl nicht wieder in so intimem Rahmen erleben dürfen wird. Kaum jemand, der nicht in voller Vorfreude auf ihren ersten Longplayer nach Hause schlitterte.


 

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betty blue
© 02/2010 whiskey-soda.de
 


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