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Die erste Hiobsbotschaft wird schon im Vorfeld von den Plakatwänden der frankfurter U-Bahn verkündet: Statt Thin Lizzy prankt ein großes 'W'. W wie Weidner. Angesichts von über 40 Euronen Eintrittsgeld ist ein solcher Qualitätseinbruch - trotz soliden Auftritts - durch den Onkelz-Ableger nahezu unzumutbar.
Nichts für ungut, aber den Platz für die Überreste der Kultband Thin Lizzy an 25% der böhsen Onkelz abzugeben, ist entweder eine Verzweiflungstat gewesen, oder schlichtweg Blasphemie.
Warum Phil Lynott und sein Fender Precision Bass in Bronze gegossen in Dublin stehen muss wohl nicht erwähnt werden. 'Der W' hingegen kann mit seinem poppigen Onkelz-Aufguss und anstrengenden Endlos-Ansagen maximal ein müdes Kopfnicken einfahren.
Ganz anders der frische Sound von Black Stone Cherry, deren Auftritt allerdings bereits der Vergangenheit angehört, als sich herausstellt, dass sich bei der unbeschrifteten Zeitangabe wohl doch eher um Spielbeginn als Einlass gehandelt ahben muss. Nähere Infos blieben trotz vorrangegengener exzessiver Internetrecherche ein wohlbehütetes Geheimnis. Schade!
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Was tut der gelangweilte Rezensent in einer solchen Situation? Natürlich, er begibt sich umgehend auf die Suche nach einem schönen, kühlen Pils. Doch am Bierstand lauert schon der nächste Supergau. Zwei Damen, wenig Zapfroutine und keine weitere Quelle für den goldblonden Gerstensaft in Sicht. 33 Minuten später ist es dann endlich soweit und der erste Tropfen geht die Kehle runter - Der vorläufige Höhepunkt des Abends.
Nachdem die Wartezeit also sinnvoll genutzt wurde und Weidner endlich seine unfassbar langatmigen Danksagungen beendet hat ist bald darauf soweit und das altvertraute
'We're Motörhead and we play Rock'n'Roll' ertönt.
Sofort stellt sich dieses wohlige, vertraute Gefühl ein und es wird schlagartig klar, dass nun alles gut wird. Und das wird es: Lemmys Stimmbänder sind Dank Whiskey and Coke in Bestform, Phil Campbell sieht blendend aus und auch Jungspund Mikkey Deey scheint sich im Dschungel-Camp prächtig erholt zu haben.
Weder die sinnflutartige Überschwemmung der Herren-Toilette, noch der miese Sound können das Trio um den Ex-Hendrix-Roadie jetzt noch aufhalten.
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Es folgt eine Setlist aus altvertrauten Gassenhauern und neueren Klassikern. Nach einigen bestimmenden Zeichen von Lemmy bekommt nun auch der Mischer den Sound in den Griff. Der dreckig-mittige Bass kommt jetzt so richtig herrlich zur Geltung. Zeitgleich kotzt ein Zuschauer am Bühnenrand erstaunlich präzise in den Bierbecher aus dem er gerade noch getrunken hat. Ein weiterer Besucher trägt stolz seinen kleinen Sohn (samt Mini-Motörhead-Kutte) auf den Schultern. Ein Blick ins Publikum, macht klar, dass Motörhead ein generationsübergreifendes Phänomen sind. Kein Wunder - 'Motörizer' ist das 19. Studioalbum, 2010 das 35-jährige Bandjubiläum und Lemmy wird an Weihnachten 65. Spätestens dann sollte Whiskey-Soda zur Feier des Tages in Whiskey-Coke umbenannt werden.
Gegen Ende des Gigs, verdunkelt sich die Bühne. Sekunden später erscheint Phil Campbell in einem Lichtkegel und gibt ein mitreißendes Gitarrensolo zum Besten. Bald darauf kommt Mikkey hinter seinem Drumset hervor und schnappt sich eine Akutsikgitarre. Was nun folgt ist der unwiderstehlich charmante Höhepunkt des Auftritts: 'Whore House Blues' von der 2004er 'Inferno'-Scheibe als raue Akustiknummer.
Spätestens jetzt ist klar: Variablen wie Bierstand, Organisation und Vorgruppen können schwanken, doch Motörhead sind eine unverwüstliche Konstante auf die man bedingungslos zählen kann.
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