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The Peacocks - Von Blondinen, Bikern und kleinen Begebenheiten

Gel in den Haaren ist unabdingbar unter Rockabillys, da gehen die drei Herren von The Peacocks konform. Ihre Tollen stylen sie allerdings nicht mehr ganz so hoch wie noch zu Gründungszeiten der Band im Jahre 1990. Und auch sonst ist viel passiert in der Zwischenzeit, in der ihnen die heimatliche Schweiz bald viel zu eng wurde und The Peacocks per Kontrabass nicht nur Europa, sondern auch Nordamerika und Japan eroberten, als wäre nichts leichter als das. Das runde Jubiläum und oben drauf das neue Album 'After All' ist Anlass genug für uns, gemeinsam mit Sänger Hasu in Erinnerungen zu schwelgen über das, was war, eine Blick zu werfen auf das, was ist und einen Ausblick zu wagen, auf das was kommt.

Happy Birthday zum 20.! Wie geht's, wie fühlt Ihr Euch?

'Wie man sich halt fühlt mit 20: Großartig und erwachsen. Bald werd ich hoffentlich Sex haben und fang mit Rauchen und Trinken an. Ich kauf mir glaub auch ein Auto und zieh von zuhause weg. WG erstmal. Das Leben wird aufregend sein.'

Was gab's denn so an Hochs und Tiefs in den letzten 20 Jahren?

'Tiefs gab's immer mal wieder, vor allem zu Beginn. Da war die Band auch noch nicht so der Mittelpunkt unseres Lebens und paradoxerweise steckt man dann zum Beispiel Scheisskonzerte weniger gut weg. So à la: 'Für so eine Scheiße hab ich jetzt mein kostbares Wochenende hergegeben.' Heutzutage kommt gleich der nächste Gig und wischt alles wieder weg. Ausserdem ist die Chance, dass ein Gig schlecht wird, auch viel kleiner. Dazu muss ich sagen, dass es bei unserer Band praktisch ausschließlich um Musik geht: Gigs und Tourneen, Proben und Platten aufnehmen ist das Einzige was zählt. Wir haben uns nie große Ziele gesteckt und dementsprechend sind wir auch selten enttäuscht worden. Also kein 'wir müssen dies und das machen, das bringt uns weiter' und so 'ne Scheiße. Immer dran denken, was die ursrüngliche Idee war, nämlich Proberaum, nette Songs schreiben und eventuell vor ein paar betrunkenen Kollegen auftreten. Alles weitere ist Bonus.
Bei mehr als 1000 Shows passiert ja immer mal wieder was. Wir leisten uns ja auch immer noch die ganze Bandbreite von trashigen Squat-Show über Kneipengigs bis zu Stadionauftritten (selten, aber ja), wo sich zehn Leute um dich kümmern. Oder wir (ich) sind total unprofessionell besoffen und können kaum mehr (überhaupt nicht mehr, ist einmal passiert) spielen. Oder wir kommen in eine Bar rein und die White Trash-Biker erwarten eine Lynard Skynard-Band. Oder zumindest Skid Row. Oder die Leute vom Club wissen gar nichts vom Gig. Oder die Mädchen haben sich die blonden Haare schwarz gefärbt, weil ich beim letzten Mal behauptet habe, ich würde nicht auf Blondinen stehen. Oder die Bullen, ach ich hör jetzt auf.'


Stand jemals eine Auflösung, das Ende der Band zur Debatte?

 

'So ein wenig schon, vor Jahren. Aber wir machen eher Pausen. Bald hat man dann nämlich wieder Bock und muss sich auch nicht rechtfertigen. Reunion und so.'

Woher kommt der Rockabilly-Einfluss, also des Rock'n'Roll der Fünfziger, in Euren Songs? Haben Euch Eure Eltern mit der Musik ihrer Jugend infiziert oder seid Ihr später zum Rockabilly gekommen?

'Der erste Song den ich bewusst toll fand war 'Rock around the Clock' von Bill Haley. Hab ich irgendwann am Radio gehört. Später gab's ja dann so ein Revival und im Zuge dessen hat man erst Shakin' Stevens und dann Stray Cats am Radio gehört. Dann ab in den Plattenladen und gemerkt, dass gleich daneben noch andere Rock'n'Roll- und Rockabilly-Sachen stehen. Punk kam bei mir eigentlich erst spät. Hab zwar schon mit zehn oder elf die ersten Bands gesehen, im Übrigen in Begleitung meines Vaters, fand die aber Scheisse. Eine hieß Abgas und war nackt, und eine hieß Crazy und die haben sich die Pulsadern aufgeschnitten. Was soll da ein kleines Landei damit anfangen? Später hab ich dann gemerkt, dass Punk auch gut und geil und Rock'nRoll sein kann.'

Wie lebendig ist die Rockabilly-Szene der Schweiz?

'Na ja, geht so. Ein wenig überaltert und Bandtechnisch ausgetrocknet. Allerdings wieder am Aufstreben. Es tut sich was. Wir selbst sind eine Undergroundband, aber da sicher eine, wenn nicht die Bekannteste. Im Prinzip kommt man an uns nicht vorbei und es gibt auch ne gewisse Wertschätzung von allen Seiten, jung und alt. Und Szeneübergreifend.'

Wie kommt es, dass Ihr weltweit (USA, Kanada, Australien) so erfolgreich tourt? Habt Ihr es schon immer darauf angelegt, aus der kleinen Schweiz und dem alten Europa auszubrechen und die ganze Welt zu rocken?

'Da wir in Grenznähe (Deutschland) aufgewachsen sind, kam es uns schon immer ganz natürlich vor, ins Ausland zu gehen. Ausserdem haben wir ab einem gewissen Zeitpunkt, ich meine so Ende der Neunziger, oft mit ausländischen Bands zusammen gezockt und die haben uns ermutigt und geholfen beziehungsweise eingeladen. Musik kennt auch keine Grenzen. Wow, das war jetzt platt.'

 

Wie erklärt Ihr Euch Euren Erfolg in Japan?

'Also so gross ist der auch wieder nicht, aber klar, wir hatten da Hilfe von Label und Bands. Sehr professionell arbeitenden Leuten, wie wir sie, zumindest damals, hierzulande eher nicht hatten.'

Stimmt das Klischee, dass die Kids dort auf Rockkonzerten so richtig aus sich rausgehen? Eure Musik ist ja prädestiniert dafür...

'Da muss ich jetzt den Leuten, die da so eine romantisch verklärte Sicht haben, ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen. Logisch gehen die Kids ab, aber tun sie das nicht hier auch? Das ganze Klischeezeugs ruht eventuell daher, dass zum Einen die Japaner tatsächlich ein wenig gleichgeschalteter agieren und so ein Publikum kommt dann krasser wie ein kompakte Menge rüber. Zum Anderen gibt's halt schon Bands, die in Europa oder USA gar nix mehr reißen, aber drüben freuen sich die Leute darauf, die endlich mal zu sehen. Und eben diese Bands erzählen dann hier, wie toll und besser es in Japan ist. Aber für hier aktive und 'erfolgreiche' Bands ist der Unterschied kleiner. Im Endeffekt stehst du immer auf einer Bühne, hast eine Gitarre rumgehängt und unten ist das Publikum. Ob Japan oder Russland. Das Besondere oder Andere ist im Detail zu finden oder im Drum und Dran vor und nach der Show.'

Euer neues Album heißt 'After All'. Ist das eine Art Bilanz? Klingt auch ein wenig nach gelassener Altersweisheit...

'Bei uns von Altersweisheit zu sprechen, ist ein wenig hoch gegriffen. Das würde auch nicht so recht zur Musik passen. Nein, mit 'After All' geht es eher um diverse kleinere 'Begebenheiten'. Endlich kommt die Platte raus. Nach all den Jahren mal bei unserem Bruder im Studio wieder aufgenommen. Und was immer auch passiert ist die letzten Jahre, sind wir immer noch da.'

Seht Ihr es als eine Art Geburtstagsgeschenk an Euch selbst?

'Geburtstage und Jubiläümmer sind nicht so unser Ding. Sonst wird dir noch bewusst was für ein alter Sack du bist. Das geht nun mal gar nicht und wir finden wir sind immer noch jung hungrig und frisch.'

Und abschließend: Was steht für die nächsten 20 Jahre an?

'Mehr Sport treiben. Sonst alles beim Alten.'


 

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betty blue
© 03/2010 whiskey-soda.de
 


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