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Aus der Spitze des Raumes erschallte dann auch schon das Intro, diesmal weniger das in Köln beheimatete Musikmagazin von Linus Volkmann, als eher eine politiksinnstiftende Rede der verzerrten Stimme des (imaginären) Bezirksbürgermeisters von Berlin-Mitte über Stadtteile, Multi-Kulti und den Wedding.
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Nach Klärung der Platzverhältnisse auf dem Tisch (ganz wie früher auf der Schulbank: 'Brauchst Du den Platz wirklich?') startete der Abend. Fortan schraubten sich die Herren Volkmann und Nagel mit Lesungen aus aktuellem Roman und älterem Roman bzw. Kolumne und im September erscheinendem Roman in wirbelnde Spiralen aus bestechend scharfen Alltagswahrnehmungen, gehüllt in einen zarten Hauch Neurosenduft, der aber nie bitter zynisch schmeckte, sondern brüllend komisch. Den Spaßfaktor stockte das digitale und den ganzen Abend immer wieder zurückkehrende Foto-Daumenkino von einem tanzenden Linus Volkmann auf oder der selbstgedrehte Film von Nagel's Fahrradsturz in Kanada. Linus Volkmann konterte mit seiner so sehr an Christian Ulmen erinnernden Stimme, dass Nagel, mit neuer Brille literarisch aufgehübscht und auf dem Weg von blurry eyes zu bright eyes, auf der Tour aufgrund irgendeines komischen Sex-Fetischs immer so gerne im Kofferraum lag.
Ganz nebenbei gab es noch mehr oder weniger hilfreiche Tipps in Sachen Großstadtüberlebenskampf und die Feststellung, dass das Thema Reisen beim Speed-Dating das unverfänglichste sei, so Nagel. 'Da fällt jedem was zu ein, jeder ist euphorisch.' So lustige Spiele wie 'wir lesen uns gegenseitig sms von angefutterten Atompilzen bis zu den neuesten Flohmarktkassenschlagern vor' gab es zu bewundern oder, noch besser: Musikerbiographien-Raten. Der aktuelle Stand lag in etwa bei einem ganz knappen, meisterschaftsentscheidenden 8:3, was aber irgendwie mit der Tatsache zusammenhing, dass die Auslegung der Genregrenze 'Musikerbiographie' mit Pornodarsteller und Klaus Kinski doch weit gefasst war. Aber um das Ergebnis anzugleichen, las Linus Volkmann diesmal ganz gönnerhaft aus 'Wo Die Wilden Maden Graben', oder einfach auch deswegen, weil Nagel das nicht tat. Der packte lieber eine Passage aus dem neuen Buch 'Was Kostet Die Welt' aus, mit einer Szene im Weinkeller: unzählige Abhandlungen über Art und Konsistenz von Wein, gefühlte 297 Synonyme für Saufen - wobei man sich mindestens bis auf Seite 41 der Google-Suchergebnisliste durchklicken müsste, um auf die Anzahl zu kommen - sowie kaum weniger Phrasen, die der Protagonist des alten Winzers lieferte. Linus Volkmann las dann nochmal aus 'Endlich Natürlich' über den Morgen, als er nach einer durchzechten Nacht den Finnen nicht mehr loswurde. Dabei erfuhr man, warum Tocotronic härter aussehen als Turbonegro klingen oder warum es ratsam sein kann, sich ein zweites Streichmesser im eigenen Haushalt anzuschaffen: Das erspart so manche unfreiwillig geführte Diskussion. Die angezündete (und gerauchte!) Zigarette löste ein von der Seite eingehauchtes 'Hallo! Feuermelder!', sowie ein ebenso zurückgehauchtes 'Entschuldigung!' aus.
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Doch egal welche Texte die Beiden in ihrer zweistündigen Talk Fiction-Runde so präsentierten, sie verfingen sich doch immer wieder in den Antennen derer, für die Humor das ist was - um an dieser Stelle zu zitieren - fern des 'Mario-Barthismus' ist. Zum Schluss gab es ein Abschieds-Küßchen von Linus Volkmann für Nagel, gefolgt von der Erwähnung seines baldigen Fremdgehens, denn der ist demnächst schon wieder mit Lars Friebe auf neuer Lesereise unterwegs. Wir machen auf unserem Speed-Dating Fragebogen auf jeden Fall ein dickes Plus bei den Charaktereigenschaften Humor und Kurzweil, und ein Kreuzchen an der Stelle dicker Wiedersehens-Kandidat.
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