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Klar, all die wirklich griffigen Bandnamen sind vergeben, da kommt man um längere und obskurere Betitelungen nicht herum. Aber An Autumn For Crippled Children? Wieviele Drogen (und vor allem welche!) braucht es, um auf so eine Idee zu kommen und diese dann auch durchzuziehen?
'Meine Drogentage sind leider vorbei', lautet die nicht ganz ernstgemeinte(?) Reaktion. 'Ich hörte mir Ebony Lake an und dieser eine Songtitel, 'An Autumn To Cripple Children' blieb einfach als großartiger Bandname hängen. Also haben wir das ein wenig geändert und voilà: An Autumn For Crippled Children!'
Allein der Bandname erzeugt sicherlich schon einige Aufmerksamkeit. Aber überraschend ist es schon, dass man bei den Recherchen zur Band vor dem Interview praktisch keine Informationen über Bandaktivitäten vor 'Lost' findet. Wie steht es denn um die musikalische Erfahrung der Beteiligten?
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'Wir haben alle jahrelang in anderen Bands oder Projekten gespielt oder sind sogar zurzeit noch aktiv. Es gibt also keinen Mangel an Erfahrung', kommt die Erklärung des Sängers, Gitarristen und Tastenbedieners, der sich kryptisch nur MXM nennt. 'Wir haben einfach mit den Aufnahmen für An Autumn For Crippled Children angefangen und einige Tracks auf MySpace gestellt. ATMF kontaktierte uns daraufhin. Ein Demo haben wir daher nie herausgebracht.'
Der Titel des ersten Albums erscheint programmatisch, beschäftigt sich das Album doch mit allen möglichen Formen von Verlust - des Lebens, der Hoffnung, der Perspektive, der Freude. Harter Stoff für zarte Seelen und verdammt depressiv in seiner Ausstrahlung. Aber wie depressiv sind die Bandmitglieder eigentlich drauf? Oder handelt es sich bei An Autumn For Crippled Children vielleicht um einen Haufen Spaßmacher, die diese Musik nur als Katharsis verwenden?
'Ja, wir nutzen die Musik, um negative Emotionen loszuwerden', gibt mir MXM teilweise recht. 'Ich würde sagen, wir sind wie jeder andere auch: mal depressiv, mal freudvoll. Manchmal nimmt die depressive Seite etwas zu viel Raum ein. Aber ich würde nicht sagen, dass ich eine depressive Person bin; ich bin heute viel stabiler als früher.'
Wo viele andere Bands sich mit Fantasy-Themen auf abstrakte Ebenen begeben oder sich mit allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Zuständen beschäftigen, zeigen An Autumn For Crippled Children einen Ansatz, der sich mehr um intime persönliche Gedanken dreht. Führt das nicht dazu, dass man sich damit verletztlich zeigt und fühlt? Ist dies vielleicht auch einer der Gründe, warum so viele Informationen zur Band und ihren Protagonisten im Dunkeln gelassen werden?
'Vielleicht ein bisschen', meint MXM. 'Es ist tatsächlich sehr persönlich, was wir da darbieten. Deswegen gestalten wir es ein wenig abstrakt, um eine gewisse Distanz zu schaffen. Ich würde niemals die Texte mit anderen teilen. Und selbst wenn ich dies täte, würden die anderen Leute nicht wissen, was ich wirklich meine. Ich mag das so.'
Aber Lyrics braucht es auch nicht unbedingt, um die Musik auf 'Lost' auf sich wirken zu lassen. Dazu trägt vielmehr auch das Artwork bei. Wie wichtig ist der Band der bildliche Teil ihrer Darstellung eigentlich?
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'Wir haben das Album-Artwork zwar nicht selbst gestaltet, haben aber das Cover-Bild und einige Photos aus dem Booklet ausgewählt', berichtet MXM. 'Ich denke, bildliche Darstellungen können dem Hörerlebnis einen Schub geben, daher sehe ich das Drumherum als wichtig an.'
Das Album erinnert in seinem Stil an Bands wie Amesoeurs, Wolves In The Throne Room oder eine düstere Version von Alcest. Wie stehen An Autumn For Crippled Children zu diesen Bands oder auch zu Interpreten wie Shining (den Schweden) und Forgotten Tomb, die ähnlich verzweifelt klingen wie die Geheimniskrämer aus den Niederlanden?
'Wir sind alt', erwidert MXM. 'Wir können nicht die ganzen neuen Sachen verfolgen und wollen es auch gar nicht wirklich. Amesoeurs... na ja. Ich denke Wolves In The Throne Room sind okay; Alcest sind schwul; Shining oder Forgotten Tomb habe ich nie verfolgt. Ich höre lieber alte Anathema oder Chorus Of Ruin oder nicht-metallische Musik.'
Wie sieht es dann allgemein mit dem Interesse am Black Metal aus, der ja eine unüberhörbare Basis des Sounds von An Autumn For Crippled Children darstellt.
'Ich steckte mal ganz tief im Black Metal drin. Dann habe ich in den Mitneunzigern komplett das Interesse verloren als das ganze langweilig wurde und es begann von Trittbrettfahrern zu wimmeln.'
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Mit den (nicht nur) von mir herausgehörten Referenzen an alte Anathema und My Dying Bride kann auch MXM gleich viel mehr anfangen: 'Und ob! Diese zwei Bands zählen zu meinen absoluten Lieblingskünstlern. Auch wenn ihre neueren Alben nicht ganz so interessant sind', wie er zugibt. Zumindest im Falle Anathema kann ich zustimmen.
Zum Ende noch ein Blick in die Zukunft: An einem neuen Album wird angeblich schon gearbeitet. Was kann man da erwarten?
'Es gestaltet sich ein bisschen anders, aber das ist gut so! Es bringt ja nicht ein 'Lost II' aufzunehmen. Das neue Material hat immernoch das gleiche depressive Gefühl, aber es sind auch ein paar mehr erhebende Momente mit dabei. Ich denke wir waren erfolgreich darin, bessere Songs zu schreiben.'
Wenn sich dieser Eindruck bestätigt, sollte man den Nachfolger des bereits guten ersten Albums auf keinen Fall verpassen.
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