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Der zweite Tag beginnt mit Stone Sour. Trotz des tragischen Todes seines Slipknot-Kollegen Paul Gray lässt sich Frontmann Corey Taylor nichts anmerken und absolviert routiniert diesen Auftritt, dessen Zeitslot kurz vorher mit Mother's Finest getauscht wurde.
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Von Stone Sour wechseln wir direkt rüber zur wiedergekehrten AOR-Institution Treat, die sich mit dem Album 'Coup de Grace' lautstark zurückmeldeten. Mit dessen Opener 'The War Is Over' beginnt das synthesizer-lastige Konzert, bei dem sich schwedische Fans als ziemlich textsicher erweisen. Nur das geforderte Mitsingen bei 'Catch You One The Run' geht schief. Das Quintett aus Stockholm bietet ansich eine gute Mischung aus Alt und Neu. Offenbar, um möglichst viele Songs im einstündigen Set unterzubringen, spielen Robert Ernlund (der aussieht wie Herr von Bödefeld) und Co. auch ein unsägliches Medley aus 'Changes', 'Rev It Up', 'Party All Over' und 'Too Wild'. Der Hammer ist aber die Performance von 'We Own The Night'. Willkommen zurück, Treat!
Musikalischer Sprung in die Bay Area. Bei Y&T darf man mit Fug und Recht von einer Hardrock-Legende sprechen. Das Quartett aus San Francisco blickt mittlerweile auf 36 Jahre Bandgeschichte zurück, in denen Dave Meniketti und Phil Kennemore von Anfang an Hardrock erster Klasse boten. Welchen Status Y&T in der Szene immer noch genießen, zeigt die Tatsache, dass auch der strömende Regen kaum einen der 5000 Fans an der Sweden Stage vertreibt. Mit 'Black Tiger' startet die Band einen (wie immer) exzellenten Gig, dessen Höhepunkt schon nach kurzer Zeit das gleichermaßen geniale wie melancholische Dio-Cover 'Rainbow In The Dark' ist, das Y&T ihrem alten Weggefährten ohne aufgesetzten Pathos widmen.
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Vom sehr guten neuen Album 'Facemelter' haben Y&T die besten Songs mitgebracht: 'On With The Show', 'Shine On' und 'I'm Coming Home'. Was ein gesunder Lebensstil so ausmachen kann: Im Gegensatz zu vielen seiner gleichaltrigen Kollegen ist Menikettis Stimme in exzellenter Verfassung, kaum ein Unterschied zu den alten Scheiben ist bemerkbar. Das zeigt sich insbesondere bei den gefeierten Zugaben 'Dirty Girl', 'Rescue Me' und 'Forever'.
Dem Auftritt der nächsten Band bewegen wir uns mit gemischten Gefühlen entgegen. Dänemarks Vorzeige-Hardrocker Pretty Maids sind nämlich für das ausgefallene Highlight aus Los Angeles eingesprungen: Ratt. Wegen des Leistenbruchs von Stephen Pearcy hatte die Band, die in Schweden vor zwei Jahren abgefeiert wurde, ihren Auftritt unmittelbar vorher abgesagt. Die große Enttäuschung darüber darf man natürlich nicht den Pretty Maids anlasten, die nach eigenen Angaben 'mit Freuden aus dem Urlaub zurückgekommen sind, um für unsere Freunde in Schweden zu spielen'. Mit dem brandaktuellem Album 'Pandemonium' im Gepäck ist es ohnehin erstaunlich, dass Pretty Maids nicht von Anfang an zum Lineup gehörten.
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Konsequent eröffnen die Dänen um Ronnie Atkins alias Paul Christensen auch mit dem Titeltrack ihres jüngsten Werks, das ingesamt vierfach im Set vertreten ist. Ohne ein paar Worte zu Ronnie James Dio geht natürlich auch dieser Auftritt nicht vorbei. Doch einen Song widmen Atkins und Co. dem nicht minder legendären Phil Lynott, und zwar ihr hervorragendes Cover von John Sykes' 'Please Don't Leave Me' (das damals Lynott sang). Und so werden die 'hübschen Mädels' trotz der Ratt-Enttäuschung warmherzig bejubelt. Anders kennt man es auch nicht in Sölvesborg, wo man sich nach lautstarken Zugaberufen vor der großen Bühne über das obligatorische 'Future World' sowie über 'Red, Hot And Heavy' freut. Hut ab, Pretty Maids!
Wenn schon keine schwedische Nationalmannschaft an der WM teilnimmt, dann doch wenigstens ein paar schwedische Bands beim Sweden Rock Festival. Eine dieser Bands ist in diesem Jahr wieder Sabaton, die jedes Mal größer zu werden scheinen. Die Powermetal-Könige, die fast ausnahmslos wie sonnenlichtaverse Computerfreaks aussehen, spielen erstmals auf der zweitgrößten Bühne, der Rock Stage. Dort lassen sie nichts anbrennen. Was nicht selbstverständlich ist, denn zum alles platt walzenden Opener 'Ghost Division' schießen die Stichflammen in die Höhe, knallen die Pyros auf der Bühne. Das dicht gedrängte Publikum ist schlagartig in Extase, und fast jeder singt mit.
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Sabaton-Sprechchöre schallen über das Gelände. Die Band, allen voran ihr aufgedrehter Frontmann Joakim Brodén, genießt das sichtlich. Den Schweden eilt der Ruf voraus, sie kämen nur zum Feiern auf das Sweden Rock Festival. Wenn das so ist, haben sie die Party nun endgültig auf die Bühne verlegt. Natürlich ist die Mischung aus wuchtigem Powermetal, schwermütigen Texten (mit Fokus auf dem zweiten Weltkrieg) und Partystimmung äußerst skurril, vielleicht sogar bedenklich. Aber bei Sabaton funktioniert es, vor allem, wenn man das Gehirn abschaltet und sich einfach von der Wucht der Musik mitreißen lässt. So oder so feiern Sabaton einen Heimsieg.
Und auch in diesem Jahr hat das Sweden Rock wieder eine sensationelle Premiere zu feiern. Slayer spielen zum ersten Mal in Sölvesborg. 'Prügel, prügel, prügel, prügel ...' sagt ein Kollege, da guck ich mir lieber Stryper an. Aber die White-Metaller, die vor zwei Jahren ihren Auftritt überraschend absagten, sind (auch) in diesem Jahr nicht in Sölvesborg. Und so ziehen dunkle Wolken am Himmel auf und kündigen die Thrash-Ikonen an. Mit 'World Painted Blood' startet also die 'Prügelei'. Tom Araya bedankt sich immer wieder beim Publikum, dass es trotz des mittlerweile richtig schlechten Wetters ausharrt. Doch tatsächlich ziehen Slayer auf der großen Bühne weniger Leute als erwartet an. Zu heavy für das breite Sölvesborger Publikum?
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Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Jeff Hannemann so grimmig dreinschaut, während Araya und Kerry King um die Wette gestikulieren. Bei anderen Leuten setzt die Musik ungeahnt positive Emotionen frei. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich uns der betrunkene Schwede Lars Eric vorstellt und uns ohne Vorwarnung drückt und umarmt, während er (warme?) schwedische Worte spricht. Er bittet mich (auf Englisch) darum, ihn im Artikel zu erwähnen. Ich verspreche es, um weiteren Streicheleinheiten zu entgehen. Das Versprechen ist hiermit eingelöst. Dann läuft 'Raining Blood' und auch der softeste Softrocker muss moshen. Nach 'Aggressive Perfector' erklingen untem dunklen Himmel von Sölvesborg noch die drei Zugaben 'South Of Heaven', 'Silent Scream' und 'Angel Of Death'.
Kontrastprogramm: Die Quireboys spielen nach ihrem umjubelten Auftritt von gestern auch noch einen Unplugged-Gig. Und schon wieder haben die Organisatoren den alten 'Fehler' gemacht, die hier so beliebten Jungs aus London in das kleine Zelt zu verfrachten. Das quillt natürlich buchstäblich aus allen Nähten, als Spike und Co. grinsend Liedgut wie 'There She Goes Again' und '7 O'Clock' im Akkustikgewand zum Besten geben. Allerdings mit stark übersteuertem Bass. Wem das zu voll und zu dröhnig ist, der sollte sich das Unplugged-Album 'Halfpenny Dancer' besorgen.
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Noch mehr Fotos vom zweiten Tag:
(Fotos: Philip Dethlefs)
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