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Wer im Internet nach Wolf Hoffmann sucht, landet höchstwahrscheinlich nach kurzer Zeit auf dessen Website wolfhoffmann.com, wo fast versteckt folgende Zeilen zu lesen sind. 'Wenn Sie auf dieser Website durch eine Suche nach Wolf Hoffmann und Musik gelandet sind, dann haben Sie ihn gefunden. Ja, dies ist Wolf Hoffmann, Gitarrist von Accept, der auf allen Alben seit 1979 (Studioalben, diverse Live-Alben und DVDs) gespielt und Millionen von Alben verkauft hat. Aber auf dieser Seite geht es nicht um Musik, sondern um Fotografie. Denn damit hat sich Wolf seit 1996 beschäftigt, als die Band 'in Rente ging'.' Die Rente ist nach der kurzen Reunion 2005 nun erst mal vorbei. Accept sind wieder da. Und so telefoniere ich mit dem Mann, der in Solingen geboren ist, in Nashville lebt, in Berlin eine Wohnung hat und mich aus Bulgarien anruft.
Bereits im Vorfeld des dieser Tage erscheinenden neuen Accept-Albums 'Blood Of The Nations' kam man als Metalfan nicht umhin, eine gewisse Aufbrauchstimmung aus dem Accept-Lager wahrzunehmen. Die euphorische Berichterstattung auf der Website, die Videoclips aus dem Studio, das spaßige Musikvideo zu 'Teutonic Terror' - hier geht doch einiges. 'Absolut', freut sich Wolf. 'Wir fühlen uns irgendwie wie vor 30 Jahren, wir sind total aufgedreht, die Stimmung ist super! So viel ist schon lange nicht mehr passiert, so viel Aufregendes. Einfach super.'
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Verantwortlich dafür ist ein Mann, den viele sicher nicht mehr auf der Rechnung hatten, der Metal-Insidern aber dennoch ein Begriff sein sollte. Die Rede ist von Mark Tornillo, dem einst mit der Kombo TT Quick der große Durchbruch versagt blieb. Wer das großartige '86er-Werk 'Metal Of Honor' auf den analogen oder digitalen Plattenteller legt, der stellt schnell fest, dass eine stimmliche Ähnlichkeit Tornillos zu einem gewissen Udo Dirkschneider nicht ganz von der Hand zu weisen ist, mal abgesehen davon das TT Quick stilistisch genau so nah an Accept lagen. (Anspieltipps des Autors: 'Asleep At The Wheel' und 'Child Of Sin'.) 24 Jahre später ist der Amerikaner Mark Tornillo neuer Frontmann von Deutschlands Metal-Institution. Ein grandioser Zufall, der seinen Anfang 'in einem Kaff in New Jersey' nahm, wie Wolf sagt, der sich nicht mehr genau an den Namen des Ortes erinnern kann.
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'Das war ne ganz witzige Geschichte', erzählt der 50jährige. 'Wir haben den nur durch so einen Riesenzufall kennengelernt. Ich kannte TT Quick zwar von Annodazumal so vom Hörensagen, aber das war's schon. Und Accept gab's ja eigentlich gar nicht mehr in letzter Zeit. Wir haben ja auch alle was ganz Anderes gemacht und überhaupt keinen Sänger gesucht. Aber ich war halt durch Zufall mal beim Peter zuhause und wir haben, wie wir es bei solchen Gelegenheiten immer machen, einfach mal drauf los gedaddelt und gejammt, ein paar Accept-Songs gespielt. Und da war auch ein Freund von Peter im Studio. Einen Schlagzeuger von um der Ecke hatten wir schon, aber halt keinen Sänger. Und dann sagte Peters Freund 'Hey, ruf doch mal den Mark an. Der kennt Eure alten Songs, der kann gleich rüberkommen und macht mit.''
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'Mark wohnt witzigerweise total nah an Peter Baltes dran, aber man kannte sich vorher nicht. Und der Mark war zu dem Zeitpunkt auch kein aktiver Sänger, er war in einem ganz normalen bürgerlichen Beruf. Der kam dann einfach so rüber, weil er halt Accept kannte und auch irgendwie ein alter Accept-Fan war. Dann hat er angefangen zu singen, bei der Gelegenheit zog er sich gleich sein T-Shirt aus und ist voll eingestiegen. Und wir waren sofort Feuer und Flamme und haben gedacht 'Dieser Mann ist ja genial!' und haben uns daraufhin entschlossen, Accept wieder ins Leben zu rufen.' Es wirkt fast so, als wäre Wolf immer noch ein bisschen erstaunt. 'Ich komm auch nicht so oft dahin in die Gegend, aber als ich da zufällig mal war, da hab ich dann den Peter halt besucht, und so hat sich das dann alles zugetragen. Also wirklich so eine Geschichte, die man nie planen könnte und die ein Riesenzufall war', sagt der Gitarrist, der in Nashville rund 1400 Kilometer entfernt von seinem Bandkollegen wohnt, ungläubig.
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Auf die Frage, ob die Jungs nicht schon früher mal daran gedacht hätten, Accept ohne Udo Dirkschneider zu reaktivieren, verneint der Werbefotograf ohne zu zögern. 'Nie, nee. Das ist wirklich jetzt nur so gekommmen.' Auch an David Reece, glückloser und im Streit verabschiedeter Accept-Sänger auf dem unterbewerteten, kommerziell gefloppten 'Eat The Heat', habe man 'natürlich nicht' gedacht, entgegnet er auf meine Scherzfrage. Viel realistischer ist natürlich die Frage, ob es nach der Reunion 2005 mit Udo hätte weitergehen können. 'Ich hab es auf jeden Fall gehofft', erzählt Wolf. 'Mir hat die Reunion einen Riesenspaß gemacht und ich hätte auf jeden Fall gern weitergemacht. Aber es ging halt nicht. Udo hat ja immer andere Pläne gehabt und sich verständlicherweise um seine eigene Band gekümmert. Ich hab es zwar bedauert, aber man kann es ja verstehen, nach so vielen Jahren, die er da rein investiert hat. Das sind ja schon über zwanzig Jahre, da kann man es ihm nicht weiter übel nehmen. So sehr man sich auch wundern mag, dass einer Accept jetzt nicht mitmachen will, aber man muss es letztendlich zur Kenntnis nehmen, und das haben wir gemacht.'
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