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Wahrscheinlich findet The Moonband ihre eigene Musik absolut langweilig, wenn sie sie anhört - nicht, weil sei tatsächlich langweilig ist, sondern weil sie die Musik nur spüren können, wenn sie sie selbst spielen. Frontmann Eugen Mondbasis stellt fest: 'Musik lebt davon, dass man sie macht.' Und er glaubt, dass es nicht nur ihm so geht. So fürchtet er, dass auch die Hörer seiner Moonband an ihrem Debütalbum '... Open Space' schnell das Interesse verlieren könnten. Deswegen möchte er verhindern, dass sie passiv vor ihrer Stereoanlage sitzen und die Musik lediglich auf sich einströmen lassen. Um dem entgegen zu wirken, hat The Moonband im Booklet des Albums jedem ihrer Songs kleine Gitarren-Tabs und Anmerkungen angefügt, die zum Selber-Ausprobieren auffordern. Auf diese Weise sollen sich die Hörer die Musik selbst lebendig gestalten. Eugen freut sich schon auf die Ergebnisse: 'Wenn wir auch mal bei unseren eigenen Songs zuhören dürften, wäre das großartig.'
Woher Eugens Begeisterung für das Musikzieren zu Hause im stillen Kämmerlein rührt, lässt sich an den Anfangstagen der Moonband ablesen. Eine richtige Band war The Moonband nämlich zu Anfang noch gar nicht, sondern vielmehr eine Session-Runde. Seit 2005 spielen sie zusammen - anfangs allerdings noch weit entfernt von Bühnen oder Rampenlicht: 'Wir saßen in Andy [Armstrong]s oder in meiner WG-Küche zusammen und haben alte Songs von unseren früheren Bands oder auch Covers gespielt - nur für uns und vielleicht ein paar Freunde. Das ist mit Abstand die beste Abendbeschäftigung und es macht den Kopf wirklich frei. Die Entscheidung, aus der Session eine Band zu formen, kam erst 2008.'
Ihre Erfüllung suchen sie deswegen auch gar nicht auf immer größeren Bühnen. Statt der Bühnen sieht Eugen lieber das Grün um ihn herum wachsen: 'Wir sind alle wirklich gerne draußen, wir spielen im Sommer so oft wie möglich unter freiem Himmel.' Diese Leidenschaft erklärt er mit der Herkunft der Band: 'Wir sind langbärtige, bayrische Naturburschen (auch die Mädels), haben Fußsohlen aus Stahl und tragen nichts unter unseren Lederhosen.' So finden sich allerlei Natur-Motive auf ihrem Album. Besonders stark vertreten ist der Regen. Eugen erklärt, warum dieses Naturschauspiel solch eine besondere Faszination auf ihn ausübt: 'Wenn man nach einem Regenspaziergang klitschnass und verfroren nach Hause kommt, dann hat man für eine Weile einfach keine anderen Probleme.' An der frischen Luft hat er das Gefühl, die richtigen Gedanken fassen zu können: 'Der Kopf funktioniert nunmal am besten beim Gehen - idealerweise nicht im Wohnzimmer.' Er erkennt sogar einen konkreten Auslöser für diese Anziehungskraft der weiten Natur: 'Wir sind sicher keine Naturesoteriker, aber in München gibt es viel zu viele Autos, die viel zu viel Lärm machen, da ist die Sicht aus einem Baumwipfel aufs Meer wirklich befriedigend.'
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Ihre Begeisterung für das Grüne möchte The Moonband ihren Hörern aber nicht aufzwingen. Statt in ihren Texten eindeutige Interpretationslinien vorzugeben, erzeugen sie lieber einen folkigen Klangteppich und lassen die mehrstimmigen Worte, die sie darüber legen, unkommentiert. Eugen ist gespannt darauf, zu erfahren, was für die Hörer dabei entsteht: 'Wir glauben, dass der Reiz, auf Texte zu hören, vor allem in der Interpretation des Rezipienten liegt. Uns freut es deshalb umso mehr, wenn uns diese auch mitgeteilt werden.' Darin, die eigenen Ideen detailgetreu zu erläutern, sieht er eine Gefahr für die Lebendigkeit und Vielfältigkeit in Musik und Text: 'Würde jeder immer alles genau so verstehen wie es gedacht war, gäbe es vermutlich nur noch Fachliteratur und Mathcore.'
Das Stück 'The Internist' fällt textlich heraus aus dem gediegenen Rahmen, indem es auf ekelerregende Weise beschreibt, wie ein Mensch im wahrsten Sinne des Wortes auseinandergenommen wird, um seine Seele zu finden. Beispielsweise heißt es: 'Squeeze my eyeballs Until all I can see is black!' Bei diesem Titel lässt sich Eugen dazu hinreißen, ein wenig über den Hintergrund des Textes zu erzählen: 'Man kann Liebe auch über Brutalität beschreiben. So banal das ist – kein Schwarz ohne Weiss. Kapiert hab ich das bei der Ausstellung 'Loop' vor einigen Jahren. Zwei Menschen strichen dort die Wände einer riesigen Halle im Kreis. Der eine schwarz, der andere weiß - die ganze Ausstellung lang. Der Weißmaler beschwerte sich darüber, dass er den härteren Job habe. Aha!'
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Der Blickwinkel, den The Moonband wählt, ist immer der mit der größtmöglichen Entfernung zum Objekt: 'Der Zoomfaktor hat es uns angetan. Bei distanzierter Betrachtung (z.B. aus dem All) muss man sich doch an den Kopf langen und fragen: Was genau tun wir hier eigentlich? Geht es wirklich nur um Digitaluhren?' Besonders äußert sich dieser Versuch, den Blick für das Wesentliche zu entwickeln, im Schlüsselstück des Albums namens 'The Hiker', das The Moonband ganz am Ende von '... Open Space' platziert hat. 'And on top of that mountain say out your name!', singt Eugen. Damit beschreibt er seine spezielle Taktik, um sich das einfache Glück bewusst zu machen - und wieder hat es mit der Natur zu tun: 'Als Bayer ist das vielleicht einfacher zu verstehen, aber geh mal auf einen Berg, und versuch, laut Deinen eigenen Namen zu sagen. Für Motivationsgurus mag das eine irre Übung sein, für mich heißt das: Du hast ein Sau-Glück, am Leben sein zu dürfen. Und falls gerade kein Berg zu Verfügung steht, denk mal darüber nach, dass Dein Gehirn gerade darüber nachdenkt, dass es denkt.'
An ihrem zweiten Album arbeitet The Moonband bereits. In dem Zusammenhang stellt sich allerdings die Frage, inwieweit die Band ihr Konzept dafür umkrempeln muss. Denn noch sind sowohl der Bandname als auch die Nachnamen der Mitglieder mit Symbolen der Raumfahrt gespickt. Das bedeutet, dass das zweite Album entweder wieder das gleiche Thema behandeln oder aber The Moonband ihr gesamtes Schema an das vorherrschende Motiv des neuen Albums anpassen muss. Welche Richtung sie einschlagen werden, verrät Eugen Mondbasis jedoch noch nicht. Wegen des bevorstehenden Herbstes dürfen die Hörer der Moonband auf jeden Fall den momentan entstehenden Stücken zuversichtlich entgegenblicken. Schließlich werden sich in naher Zukunft die Bäume in farbenprächtige Kunstwerke verwandeln und Eugen somit ein paar inspirierende Spaziergänge verschaffen.
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