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Dass es ein besonderer Abend werden würde, war schon klar, als die ersten sanften Schleifgeräusche, die der Besen auf der Snare hinterließ, plötzlich übertönt wurden von etwas, das wie krächzender Husten klang. Claudius, der coole Sänger von Reverende Shine Snake Oil Co., zog mit Megafon durch das noch abwartende Publikum auf die Bühne und vervollständigte dort das sich warm spielende Quartett. Intensiv war ihr Spiel vom ersten Stück an und entfaltete sich in einer Art psychedelischem Blues, bei dem alle vier Musiker nach und nach immer mehr zu entrücken, in ihre eigene Welt zu entfliehen schienen. Welche Rolle genau die junge Dame spielte, die sogleich um Claudius herumscharwenzelte, sich bald ihres roten Trenchcoats entledigte und in Shorts und halb geöffnetem Hemd übertrieben lasziv mal auf, mal vor der Bühne tanzte, wurde bis zum Ende des Sets nicht ganz klar. Tatsächlich störte sie, leicht neben sich stehend, eher das Gesamtbild der ansonsten so überzeugenden Band.
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Krasser Wechsel nach der Pause - man hatte das Gefühl, das wahre Leben kam auf die Bühne mit The Reverend Peyton's Big Damn Band, auch wenn sie ihr Erscheinen mit 'When The Saints Go Marching In' untermalten. Breezy, die mit roter Blume im Haar - farblich perfekt abgestimmt auf die auffälligen Cowboystiefel - und Schmollmund ihr Waschbrett bearbeitete. Daneben ihr Gatte im obligatorischen Holzfällerhemd, der mit schwindelerregender Schnelligkeit die Finger über die Saiten schwirren ließ und dabei noch das Publikum mit aufgerissenem Mund animierte. Und dann der neue Drummer Aaron, der wie besessen auf den Eimer einhaute und die Snare mit Sechzehnteln und Zweiunddreißigsteln bearbeitete.
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Schon war von 'Mama's Fried Potatoes' und vom 'Sugar Creek' die Rede und damit von der ausgeprägten Heimatverbundenheit der Drei aus Indiana. Fast überflüssig, dass der Reverend nochmal die Authentizität seiner Texte betonte: 'This is all about real things - things I like and things that piss me off.' Und schmetterte ein 'Sometimes I lose, sometimes I get lucky' direkt hinterher.
Noch als sich die Berliner montagslethargisch zeigten, waren die Peytons schon längst in ihrem Element – Breezy ganz genüsslich, der Reverend unterhaltsam wild. Spätestens mit der Vorab-Klatsch-Übung zu 'Clap Your Hands' hatte er das Publikum ganz auf seiner Seite, das dann auch wohlwollend sein herzerwärmendes Plädoyer für handgemachte Musik goutierte.
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Kein iPod und kein Laptop sorge hier für irgendwelche Sounds, versicherte der bärtige Sänger, verwies auf seine flinken Finger und spielte zum Entzücken aller 'Yankee Doodle' und 'Dixie' auf einmal.
Zurück zum eigenen Repertoire gaben die Peytons viel neues Material von 'The Wages' zum Besten, 'Everything's Raising' etwa, 'Sure Feels Like Rain' oder 'Born Red Corn Fed'. Und wer immer noch glaubt, dass ein Waschbrett nur die biedere Hausfrau zu zieren vermag, der muss Breezy bei Songs wie 'Your Cousin's On Cops' in action sehen. Im schwarzen Trägekleid, mit metallverstärkten Handschuhen und spätestens, wenn sie ihr Instrument bei 'Two Bottles Of Wine' in Brand setzt, metzelt sie noch jedes Klischee nieder.
Der Reverend mag ja selbiges als provinzieller Hinterwäldler pflegen. Dass das nicht heißt, dass man den verwöhnten Großstadtknilchen nicht locker das Hirn wegblasen könnte, hat der zweite Gig von The Reverend Peyton's Big Damn Band in Berlin wieder deutlich gezeigt.
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