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Als sie im Club eintreffen, hat Craig schon einiges geleistet. Er hat nämlich den Tour-Van gesteuert. Als Belastung empfindet er diese Aufgabe nicht: 'Es ist nicht stressig. Ich genieße das Fahren. Es ist zwar ermüdend, aber das ist etwas anderes als stressig - vor allem mit GPS. Heute sind wir kurz vor der Rushhour angekommen und haben gedacht, es würde ein verdammter Albtraum werden, weil es kompliziert ist, hierher zu kommen. Aber das GPS nimmt uns den Stress ab. Wir haben unsere Lehre aus dem gezogen, was wir früher gemacht haben. Wir wissen jetzt, was wir tun müssen, um es weniger stressig zu machen.' Der Weg zum 'Schocken' ist ihm noch von früheren Konzerten mit Aereogramme bekannt: 'Es ist, als ob wir einen alten Freund besuchen. Ich kann mich sehr gut an alle Straßen erinnern. Wir sind hier sogar schon auf dem Weihnachtsmarkt gewesen.' Nach dem Konzert bringt sie ein mitgereister Freund in die Herberge. Früher hat Craig auch diese Fahrten selbst übernommen.
Den Großteil der neuen Ideen, die sie für The Unwinding Hours in den vergangenen Monaten entwickelt haben, können Craig und Ian zusammen mit ihren drei Musikern auf dieser Tour noch gar nicht ausprobieren. Denn das Songmaterial befinden sich im Moment noch im Demo-Stadium. Craig stellt allerdings schon eine allgemeine Tendenz der neuen Stücke fest: 'In denen steckt mehr Uptempo. Das ist wie eine Herausforderung für uns selbst, weil ich kein Interesse daran hätte, dasselbe Album nochmal zu schreiben. Wir streben also jetzt treibendere Songs an, um herauszufinden, ob wir das schaffen - und ob wir das gut schaffen. Aber wir spielen schon nur Songs, mit denen wir auch glücklich sind.' Ian pflichtet ihm bei: 'Genau! Wir spielen keine Uptempo-Songs nur um der Sache willen.' Einen neuen Song präsentieren The Unwinding Hours aber während der Tour bereits. Was das Besondere an diesem ist, erklärt Craig: 'Diesmal haben wir etwas Neues ausprobiert. Wir haben versucht, etwas zu schreiben, das wir speziell auf die Tour mitnehmen können, um zu sehen, wie es funktioniert - wir wollten das Kind der Familie zeigen und sehen, was sie denkt. Und meistens sieht es bisher niemand als ein hässliches Kind.' Im Gegenteil zu ihrer ansonsten recht langsamen Arbeitsweise haben sie zum Schreiben dieses Songs nicht lange gebraucht. Craig hat den Grund dafür bereits ausgemacht: 'Es ist eher ein Band-Song als ein Studio-Song. Deswegen haben wir ihn schnell geschrieben.'
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Bislang spielen The Unwinding Hours mangels genug eigenen Liedern auf der Bühne noch einen Aereogramme-Song - und zwar 'The Art Of Belief' von der recht unbekannten 'White Paw'-EP. Craig erzählt, dass sie diesen Schritt zuvor auch mit den beiden anderen Mitgliedern von Aereogramme abgeklärt haben: 'Wir haben mit Campbell [McNeil, Bassist von Aereogramme] und Martin [Scott, Schlagzeuger von Aereogramme] gesprochen und sie gefragt, ob sie sich gekränkt fühlen würden, falls wir 'The Art Of Believe' spielen würden. Denn ich habe immer genossen, es zu spielen.' Ian ergänzt simpel: 'Und sie nicht.' und spielt damit Craig den Ball wieder zu: 'Genau, sie nicht. Das ist eine gute Möglichkeit, einen Song zu spielen, den sie nicht gerne gespielt haben.' Jedoch sollten Referenzen auf ihre frühere Band nicht zum dauerhaften Bestandteil des Live-Sets werden, findet Ian: 'Ich sehe die Notwendigkeit nicht. Ich denke, dass das eher aus dem Zwang heraus entstanden ist, das Set aufzufüllen. Es ist zwar schön, sich auf das zu beziehen, was wir früher mal gemacht haben. Aber wenn wir unser zweites Album beendet haben und wieder auf Tour gehen, müssen wir wahrscheinlich 'The Art Of Believe' nicht mehr spielen.' Craig fasst zusammen, wie er nun mit seiner Vergangenheit bei Aereogramme umgeht: 'Ich möchte mich auf keinen Fall von Aereogramme distanzieren. Ich bin sehr stolz auf das, was wir gemacht haben. Aber gleichzeitig können wir nicht auf die Bühne gehen und eine Auswahl der Greatest Hits von Aereogramme spielen.' Ian wäre dabei auch nicht ganz wohl zumute: 'Es wäre nicht fair gegenüber Martin und Campbell. Denn sie waren die Hälfte von Aereogramme. Ich würde die Songs nicht ohne sie spielen wollen.' Eine Reunion schließt er bei dieser Gelegenheit vorsichtshalber aber auch direkt aus.
Wegen der Ruhe ihrer Stücke sind The Unwinding Hours auf ein stilles Publikum angewiesen. Dass das nur ganz schwierig möglich ist, weiß Craig: 'Man kann nicht die ganze Zeit die Aufmerksamkeit und den Respekt von allen haben. Und genau darum gehe ich nicht ins Kino, um einen Film zu sehen - weil ich glaube, dass Menschen im Allgemeinen nicht lange genug ruhig bleiben können, um jeglicher Art von Kunst den Respekt entgegen zu bringen, den sie verdient. Es fällt Menschen sehr schwer, mal den Mund zu halten. Es ist eine menschliche Notwendigkeit, Lärm zu machen.' Ian fügt hinzu, wie schnell die Stimmung auf einem Konzert zerstört werden kann: 'Die Leute bezahlen 15 bis 20 Euro, um ein Konzert zu hören, die Musik zu genießen und sich darin zu vertiefen. Ich schätze, dass es immer einen oder zwei betrunkene Idioten gibt. Aber einer oder zwei reichen schon aus, um einen Raum voller Leute abzulenken.' Craig kann an dieser Stelle wieder auf seine Kino-Metaphorik zurückkommen: 'Es reicht eine Person im Kino, die ruft: 'Welche Chips hast Du? Ich liebe Cola! Dieser Film ist komisch!''
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