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Bedingt durch immensen Stau erreichte ich die Halle am Freitag erst um 22 Uhr. Dass Bersarin Quartett Erzählungen zu Folge extrem sehenswert waren, macht die Verspätung noch etwas schmerzhafter. Immerhin tröstet ein gewohnt toller Auftritt der Kulttruppe Bohren & Der Club Of Gore ein wenig darüber hinweg. Die nahezu komplett verdunkelte Halle konnte der melancholischen Musik - die vor allem durch das hypnotische Saxophon fesselt, das jedem Film Noir entspringen könnte - nur entgegegen kommen. Mit humoristischen Ansagen, die vor Weisheit nur so strotzten ("Lasst euch keinen erzählen.") bewiesen die vier Darkjazzer, dass sie sich trotz aller Schwermütigkeit nicht zu ernst nehmen und wirkten deshalb enorm authentisch.
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Nach dem Auftritt konnte die Halle erstmals bei Licht in Augenschein genommen werden. Der Hörgenuss wurde neben reichlich Sitzgelegenheiten auch durch die erfreuliche Tatsache gefördert, dass der Getränkeausschank und Merchandise-Verkauf in einem zweiten Raum abgehandelt wurde. Zudem sollte sich herausstellen, dass die Beleuchtung (oder das fehlen einer solchen) bei Bohren keine Ausnahme war: Der Konzertraum war durchgehend abgedunkelt, was auch am hellen Tag atmosphärische Shows ermöglichte (leider aber auch für viel zu dunkle Bilder sorgte). Dies und der Bierpreis von 2€ garantierten ein stimmungsvolles Festival. An dieser Stelle sei auch das Publikum gelobt - an keinem der drei Tage wurde das Hörvergnügen in irgendeiner Form gestört, Hut ab!
Der erste (für mich leider ausgesprochene kurze) Tag endete mit dem Ambient-Künstler Thomas Köner, der ein stimmiges Set ablieferte, das durch ein surrealistisches Video unterstützt wurde. Für die später Stunde war diese Art "Musik" allerdings etwas ermüdend, so dass der Nebenraum sich zunehmend füllte und viele Besucher eher zum Bier griffen, als sich aktiv auf die arg monotone Musik einzulassen.
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Frisch gestärkt (mit einem herzhaften Frühstück und Cocktails der nahen Bar) konnte der Samstag mit Nadja beginnen. Die beiden sympathischen Kanadier sind längst eine Insititution in Sachen Drone/Doom und bewiesen, dass dieser Status keinesfalls ungerechtfertigt war. Durch eine gewaltige Soundkulisse mit schweren Gitarren und Sprachsamples erzeugten die Songs einen immensen Sog, der sich zu packenden Höhepunkten steigerte - das erste Highlight des noch jungen Tage; das zweite sollte allerdings nur eine Umbaupause lang auf sich warten lassen.
Die Polen vom Contemporary Noise Sextet waren vermutlich für viele die Überraschung des Festivals: mit ihrem schwungvollen Jazz machten sie dem Namen Swingfest alle Ehre und überzeugten durch pure Spielfreude. Die dynamischen, cineatisch anmutenden Lieder könnten geradewegs einem Film der 60er entsprungen sein und bildeten einen auflockernden Gegenpol zur meist eher schleppenden Musik der anderen Bands. Die Soundtechniker leisteten übrigens - und das gilt für alle Bands - ganze Arbeit und schafften es auch sechs Musiker perfekt abzumischen, davon sollten sich unzählige Festivals und Konzert eine dicke Scheibe abschneiden!
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Das folgende Dale Cooper Quartet konnte dagegen nicht auf ganzer Linie überzeugen. Der langsame, von einem Saxophon untermalte Darkjazz wirkte nach einer Band wie Bohren schlichtweg zu uninspiriert und konventionell, fast wie ein nicht enden wollendes Intro. Dafür glänzten die Franzosen umso mehr bei den orginelleren Stücken des im November erscheinenden zweiten Albums - diese wurden mit einem Sänger dargeboten, der über eine fantastische Stimme verfügte. Der Reaktion des Publikums zur Folge werde nicht nur ich begierig auf den neuen Release warten!
Nach einer Essenspause waren Omega Massif an der Reihe. Die Würzburger veröffentlichten vor Kurzem ihr zweites Album Karpatia, das einen würdigen Nachfolger zum überragenden Erstling darstellte, und wussten für gewöhnlich auch live zu begeistern. Der Sound war top, die Gitarren schwer und brachial, trotzdem wollte der Funke nicht richtig überspringen; vielleicht war die geradezu übermächtige Konkurrenz schuld. Dennoch handelte es sich um ein Konzert, an dem es nichts auszusetzen gab.
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Den Abschluss des zweiten Tages bildete The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble - falls sich jemand dachte "Oh bitte, nicht schon wieder eine Darkjazz-Band" so wurde er eines Besseren belehrt. Müsste ich mich für ein Adjektiv zur Beschreibung des Auftritts entscheiden, so würde ich "göttlich" wählen. Untermalt mit packenden Beat und begleitet von einem stimmigen (es gibt eindeutig zu wenig Synonyme für "atmosphärisch") Video war die Musik der Niederländer höchst hypnotisch. Neben dem fast schon obligatorischen Saxophon begeisterte vor allem der weibliche Gesang - somit war das Darkjazz Ensemble die beste Band des ohnehin starken Samstags und eines der Höhepunkte des Denovali Swingfest.
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