|
Nach Millionen verkauften Tonträgern, dem 2003er Riesenerfolg des Debütalbums 'Fallen' und dem Nachfolger 'The Open Door' drei Jahre später erscheint es zunächst verwunderlich, dass die dritte Veröffentlichung mit dem Bandnamen betitelt worden ist. Für diejenigen, die nachvollziehbarer Weise eine derartige Namensgebung nur für Demotapes oder allenfalls Debütalben sinnvoll finden, hält Amy eine Reihe einleuchtender Entscheidungsgründe parat. 'Also, dafür gibt es schon einige Gründe. Es ist das erste Mal, dass wir eine richtige Band-Zusammenarbeit gepflegt haben. Jeder in der Band war Teil des kreativen Prozesses, vielmehr des Sounds als Ganzem. Der wird wirklich getragen von den Band-Elementen, mehr als von Produktion und dem Orchestralen, sodass es rüberkommt wie ein episches Drama, das du ja unter Umständen auf einem Evanescence-Album erwartest. In allererster Linie ist es die Band, die das Album ausmacht. Es macht daher einfach Sinn, dass wir es 'Evanescence' genannt haben.'
|
|
 |
|
|
|
Ganz besonders nach den ruhigen Jahren der Releaselosigkeit mag das Auf-den-Tisch-Hauen mit dem Bandnamen wie ein wachrüttelnder Paukenschlag wirken. Schließlich möchte da ja eine Band größeren Kalibers ihre Rückkehr einläuten. Und die soll auch eine vollmundige sein, hat doch während dieser langen Zeit das musikalische Schaffen der Gruppe eine Vielzahl an modifizierenden Einwirkungen erfahren, die ihre Wurzeln hauptsächlich im Leben der 30-Jährigen haben. 'Es hat mir eine ganz neue Perspektive gegeben. Anfangs habe ich nicht mal daran gedacht, überhaupt noch ein Album zu machen. Es war ein Punkt, an dem ich einfach komplett Abstand nehmen und ein Leben führen wollte, das sich nicht nur um Evanescence dreht und darum, wie es mit uns weitergeht. Indem wir das dann taten, also absolut Abstand nahmen, Musik anderer anhörten und zu Konzerten gingen, das Leben lebten, ein bisschen absorbierend, bekamen wir das Gefühl, wirklich gut nochmal durchstarten zu können. Eine Rückkehr, ein ganz frischer Anfang - das ist auch ein Grund, weshalb das Album den Bandnamen zum Titel hat. Es war wirklich eine Art Wiedergeburt, wie ich glaube.' Auch als Einzelkünstlerin bildete Amy, die von Haus aus Pianistin ist, sich weiter - nämlich auf der Harfe, wie man bereits dort und hier gerüchteweise lesen konnte und sie es uns gut gelaunt bestätigte. 'Oh ja, das ist richtig - ich habe angefangen, Harfe zu spielen. Und das ist nicht leicht; ich bin immer noch nicht wirklich gut. Aber es macht mir Spaß. Ich liebe Musik, habe immer Klavier gespielt. Ich weiß nicht, ich hatte einfach den Lernaspekt der Musik vermisst. Nun, du lernst natürlich ständig etwas, wenn du tourst und Songs schreibst und so weiter. Aber ein neues Instrument wirklich spielen zu lernen ist das, was ich wollte. Klar, die Harfe ist ein wundervolles Instrument, und mein Mann hat auf mich gehört und mir dann Ende 2007 eine Harfe zu meinem Geburtstag geschenkt. Also bin ich zum Harfenunterricht gegangen, und habe das auch sehr ernst genommen. Am Ende habe ich die Harfe dann auch im Album verwendet, aber nur ein bisschen, nicht allzu viel, ist ja ein härteres Album.'
|
|
 |
|
|
|
Diese Weiterbildung beschränkte sich aber nicht ausschließlich auf den musikalischen Bereich. Wie sie uns eröffnet, ist die Sängerin daneben schon seit dem Schulkindalter begeisterte Malerin. 'Gemalt habe ich immer sehr sehr gern. Ich war mir aber früher nicht so sicher, was genau ich machen wollte. Ich liebte Musik, ich liebte Evanescence und die Band, und was wir machten, aber zur gleichen Zeit fragte ich mich, ob ich dem musikalischen Weg folgen sollte oder dem der visuellen Kunst.' So musikalisch und mental inspirierend die Zeit zwischen den Alben aber auch war - methodisch habe sich beim Songwriting und was die Aufnahmesituation angeht, nicht wirklich viel verändert, räumt Amy ein, die sich als Teamplayer outet und nicht, wie viele den Eindruck haben, allein die treibende Kraft hinter allem ist, das den Stempel 'Evanescence' trägt. 'Es war kein so großer Unterschied. Ich war immer eher ein Team-Mensch, es ist nicht so, dass ich all unsere Musik selbst komponiere, das stimmt so nicht. 'Fallen' habe ich hauptsächlich mit Ben (Ben Moody, bis 2003 Lead-Gitarrist bei Evanescence; d. Red.) gemeinsam geschrieben, und dadurch bekam es die nötige Reife. Der Unterschied ist hier, dass wir Ko-Komponisten sind und keine einzelnen Personen, sondern die ganze Gruppe. Schlagzeuger, zwei Gitarristen, ein Bass, und alles entwickelt sich zur gleichen Zeit. Dadurch klingt die Platte dichter. Wir programmieren immer noch viel mit Software, und es funktioniert gut und ist auch jetzt noch Bestandteil des neuen Albums, die meisten Stücke klingen aber nicht so danach, sondern echt und lebendig. Und das macht für mich die Andersartigkeit des Klangs aus. Es ist immer noch vollkommen Evanescence-typisch, aber ich denke auch, daran ist das Spannende, dass die menschliche Energie auf diese Weise spürbar wird.'
|