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Nocte Obducta - 'Verdammt mies gelaunt und stern-ha-gel-voll'

Entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Viel mehr Zwischenschritte scheint es bei der deutschen Ausnahmeformation Nocte Obducta nicht zu geben. Schon immer polarisierten sie mit ihrer unkonventionellen Art, die Dinge anzupacken. Fehlende Akzeptanz gehörte dann auch zu den Gründen, dass sich die Band anno 2006 eine Auszeit gönnte, um sich anderen Projekten zuzuwenden. Nun sind die Mainzer aber wieder mit vollen Rängen und gestärkter Motivation zurück, um ihr neues Album "Verderbnis - Der Schnitter kratzt an jeder Tür" der ausgehungerten Anhängerschaft vorzulegen.

Marcel, seines Zeichens Bandkopf, Instrument-Allrounder und Traumschänder, hat sich netterweise die Zeit genommen, um uns ein paar Fragen zu beantworten, wie es denn derzeit um die Band und die Zukunft steht. Um aber in die kommenden Tage zu blicken, benötigt man das Wissen der Vergangenheit. Darum soll rückblickend noch einmal erläutert werden, was genau zum vorläufigen Arbeitsstopp der Band geführt hat. "Wir waren zu diesem Zeitpunkt als Band komplett ausgebrannt und es lief auch mit den Leuten, mit denen wir zusammenarbeiteten, ziemlich mies. Dazu kam, dass es innerhalb der Band Leute gab, die sich quasi aus dem Bandleben komplett zurückzogen. Privat lief es an allen Ecken und Enden auch nicht gerade rund, und so war schlichtweg die Energie raus. Als wir dann merkten, dass wir unsere musikalische Offenheit wohl nicht würden ausleben können, weil wir schlichtweg keine riesige Fanschar haben und so auf Konzerten immer auch vor sehr viel Laufpublikum würden spielen müssen, war die 'akute Frustration' noch größer. Ich war schon lange nicht mehr auf der Bühne, aber das Metal-Publikum ist nicht unbedingt das toleranteste, und vor dem Hintergrund des Geschilderten will man dann einfach mal eine Weile komplett seine Ruhe. Wir haben deshalb ja auch lediglich von 'auf Eis legen' gesprochen, nicht von einer Auflösung. Zu einer Auflösung kam es dann ja auch nie, lediglich zu einer Umbenennung. Und erst im Zuge der weiterhin verschleppten Produktion und Veröffentlichung von 'Sequenzen einer Wanderung' und wirklich völliger Frustration, sah es dann auch wirklich nach einem endgültigen Ende des alten Namens aus, was sich aber intern schon Ende 2008 wieder änderte."

Marcel spricht hier das Progressive-Rock-Projekt Dinner auf Uranos an, dass sich fast ausschließlich aus Noce Obducta-Musikern zusammensetzte. 2010 wurde ein großartiges und eigenständiges Album veröffentlicht, das dennoch immer wieder mit einem Fingerdeut auf die Ursprungs-Band verwies. "Damals war das Ganze eher als Projekt gedacht. Material, das einen stärkeren Metal-Einfluss als das Album '50 Sommer - 50 Winter' aufwies, gab es natürlich weiterhin. Es lag in Schubladen rum, es wurde geschrieben, und auch Dinner Auf Uranos waren musikalisch immer viel, viel näher an Nocte Obducta als es auf dem Album den Anschein macht. Ende 2010 merkten wir dann, dass viereinhalb Jahre vergangen waren, und wir Dinner auf Uranos nicht genutzt hatten, wie wir es vorgehabt hatten. Weder waren wir auf der Bühne gewesen, wo wir die Alben unter dem Namen Nocte Obducta für ein paar Jahre weitgehend hatten ignorieren wollen, noch hatten wir eine angemessene Anzahl von Alben aufgenommen. Der Schritt, Dinner und Nocte nun wieder zusammenzuführen, lag dann recht schnell nah, zumal sich die beiden Projekte mit der Zeit immer ähnlicher geworden waren." Mit der Auferstehung von Nocte Obducta wird also der Name Dinner auf Uranos zu Grabe getragen. So schade dies auch ist, bleibt die Tatsache, dass die musikalische Entwicklung nicht verloren geht. Und für Nocte Obducta selbst stehen die Voraussetzungen nun besser denn je. "Es ist so, dass der allgemeine Frust, der einen irgendwann einknicken lässt, nicht mehr so präsent ist. Auch wenn es schade ist, dass wir mit Dinner niemals das gemacht haben, was wir wollten, zumindest nicht in dem angedachten Umfang, war die Pause vielleicht eine sehr heilsame Zeit."

 

Die komplette Band kann also nun mit erneuerten Kräften ans Werk gehen. So eine Katharsis verändert dann oft auch den Blick auf vergangene Zeiten. Aber auch wenn die Veröffentlichungen der Mainzer noch so heterogen sein mögen und den Hörer oft vor den Kopf gestoßen haben, steht Marcel zu jedem Album. "Nunja, man würde immer dies und das anders machen, weil die Bedingungen vielleicht nie so waren, wie man sie sich gewünscht hatte und der ein oder andere 'Kompromiss' vielleicht anders ausgefallen wäre. Grob gesagt würde ich die Alben aber genau so wieder machen, bedenkt man ihre jeweilige Entstehungszeit und die damit verbundenen Beschränkungen. Es fehlten halt fast immer Zeit und Geld, und ganz besonders die 'Sequenzen' war ein unheimlich straffer Kraftakt in weit auseinanderliegenden Blöcken. Aber mit diesem Risiko im Hinterkopf wurden sie ja auch Januar 2006 konzipiert, und bis auf die zwei schrecklichen Rechtschreibfehler im Booklet ist das Ding auch den Umständen entsprechend sehr zufriedenstellend geworden."

"Sequenzen einer Wanderung" und die beiden "Nektar"-Teile lenkten die Band in eine Richtung, die auf der "Stille"-MCD schon eingeschlagen wurde. Der sowieso schon eigenständige Black Metal wurde stark abgewandelt und immer avantgardistischer. Final blieb mit "Sequenzen" ein Album, dass nichts mehr mit seinen Vorgängern zu tun hatte. Dies rief besonders im Metal-Lager einige wütende Stimmen hervor. Die erreichten dann auch das Ohr der Band, die sich sonst eigentlich nicht viel aus unreflektierten Pseudo-Kritiken machte. "Am Ende war es ein wenig frustrierend, dass man uns die offene Abneigung so tumb und unverschämt entgegenbrüllen musste, anstatt uns einfach zu ignorieren. Aber da Menschen in der Regel Arschlöcher sind und Metaller in der Regel Menschen, war das wohl unausweichlich. Der Bodensatz der Herde ist halt immer ein Kapitel für sich."

Lassen wir aber die Vergangenheit ruhen, denn mit dem kommenden Album werden Nocte Obducta wieder mal einen Bruch in ihr Konzept schlagen. Es wird die Zeitmaschine angeschmissen und in die Vergangenheit gereist, wo wir auf ein paar alte Bekannte treffen. "Das Album ist musikalisch natürlich stark am Black Metal der frühen 90er angelehnt, eine sogenannte Weiterentwicklung im Sinne einer vorhersehbaren Klang- und Kompositionsweise ist es also ganz sicher nicht. Dennoch würde ich behaupten, dass dieses Album wirklich eigen klingt und eben nicht wie die tausendste Version von 'Transilvanian Hunger'. 'Verderbnis' ist wie bei Nocte Obducta üblich mit wirklich vielen Details gespickt, und obwohl die Arbeiten an dem Album über weite Strecken sehr der Spontanität und rohen Seite der Musik verpflichtet waren, ist am Ende etwas herausgekommen, das nicht mehr als 'Schwarzmetall II' bezeichnet werden kann. Wie Flange mal ganz treffend bemerkte. 'Schwarzmetall' + 'Taverne' + 'X'."

Im Hause Nachtanbruch bewegt man sich also zurück zu alten Werten, was auch in keinster Weise zu verurteilen ist, da sowohl "Schwarzmetall", als auch "Taverne" zu den herausragendsten Alben in der deutschen Black-Metal-Landschaft zählen. Aber nicht nur musikalisch geht man einen Schritt zurück, auch die Texte bewegen sich von den vorangegangenen Alben weg. "Es gibt kein Konzept, aber dennoch handeln die Lieder ausschließlich von Enttäuschungen und dem Sterben in allerlei Ausführung, gehen also wirklich in eine andere Richtung als 'Nektar' oder 'Sequenzen'." Liest man sich die Titel durch, fällt besonders einer ins Auge: "El Chucks Taverne". Ist dies eine Rückkehr in die finstere Kaschemme? "Jepp, und zwar verdammt mies gelaunt und stern-ha-gel-voll." Jawoll, das klingt als könnte man einen hervorragenden Abend mit Marcel, den Jungs und einem Haufen Spirituosen erwarten. Das schlägt sich auch auf dem Cover nieder. Marcel, Flaschen und eine Oldschool-Schwarz-Weiss-Optik. "Es ist vor allem ein Zugeständnis an die alte Black-Metal-Ästhetik, aber selbstverständlich nicht ohne ein skurriles Attribut. Das hat aber mit einer Parodie absolut nichts zu tun. Ich verstehe nicht, weshalb Humor, Sarkasmus oder surreale Elemente immer mit Parodie und Verarsche gleichgesetzt werden." Ob Parodie oder nicht, der traditionelle Hang der Band zu abgedrehtem Humor wird fortgeführt. Denn neben oben genannten Objekten findet sich auch ein alter Bekannter auf der Scheibe wieder: die Ananas. Können die Hörer denn endlich mal aufgeklärt werden, was es mit dieser skurrilen Südfrucht auf sich hat? "Nein, das werde ich mal schön lassen. Zumal ich da immer mal was habe durchsickern lassen. Es sei nur so viel gesagt: Das Ganze ist ein Selbstläufer, dessen tieferer Sinn erst dadurch entsteht, dass es ein augenscheinlich völlig unpassender Selbstläufer wurde, der sich seit 'Lethe' durch die Bandgeschichte zieht." Damit wird es wohl weiterhin ein Mysterium bleiben, dass aber irgendwie Sympathie erweckt. Welche Band hat schon neben den obligatorischen Totenschädeln und Whiskey-Flaschen eine Ananas auf dem Tisch?

 

Neben dieser optischen Abweichung von der truen Norm haben sich Nocte Obducta auch immer einen feuchten Kehricht darum geschert, was im Black Metal nun sein darf und was nicht. Und wo heutzutage ein Haufen Bands genrefremde Elemente in ihre Musik aufnehmen, hat man sich schon auf "Lethe" weit vom Standard abgesetzt. Dennoch ist das eigene Musikregal mit Klassikern besetzt und die Post-Black-Metal Welle findet eher wenig Beachtung. "Meine Metal-Sammlung endet irgendwie in den 90ern. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber ich denke, ich kann bei dem Thema nicht wirklich mitreden. Irgendwann is der Deckel einfach zu, das hat nichts mit Arroganz zu tun." Dabei sind die Nebenprojekte der Band oft sehr experimentell gehalten und haben teils nichts mehr mit Metal am Hut. Dennoch sieht Marcel immer eine gewisse Nähe zu Nocte Obducta. "Das einzige Projekt, das sich sehr stark von Nocte Obducta entfernt hat, war Agrypnie, was ganz einfach daran liegt, dass bei Nocte Obducta immer ich der Diktator war und bei Agrypnie eben Torsten. Von Cüühn, Thâlsperre oder den nicht mehr existenten Exekutionsromanze existieren zwar Aufnahmen, die wurden aber niemals veröffentlicht. Die Frage, inwieweit das fernab von Nocte Obducta liegt, lässt sich also öffentlich gar nicht diskutieren. Dinner auf Uranos haben auf dem Album zwar zugegebener Maßen kein repräsentatives Material abgeliefert, aber das Dinner-Material war in Teilen vorher Nocte-Material, und vieles davon wird man auf dem hoffentlich Ende des Winters fertig aufgenommenen Album auch wieder hören. Und dann wird es vielleicht verwundern, dass ein geplantes Lied wie 'Gottverreckte Finsternis' in seiner Entstehung tatsächlich für Dinner geplant gewesen war, nicht für Nocte. Andererseits erklärt sich dadurch auch die Rückkehr von Nocte nach einem Urlaub auf den äußeren Planeten." Somit erklärt sich auch von selbst, dass mit der Wiederauferstehung erst mal keine neue Veröffentlichung von Dinner auf Uranos zu erwarten ist - leider. Mit einer schlechten Nachricht geht aber auch immer eine gute einher und so kann sich das geneigte Publikum wieder auf verstärkte Bühnenpräsenz freuen, auch wenn es noch ein bisschen dauern wird. "Fest genug ist die Besetzung wohl beziehungsweise sogar flexibel genug. Eingespielt ist sie nicht im geringsten. Wir werden erst gegen Ende der Fertigstellung des nächsten Albums wieder für das Live-Set proben können und gehen dann ab Sommer 2012 wieder auf die Bühne."

Man kann also wieder mit den Jungs auf der Bühne rechnen. Wie sich die restliche Zukunft gestalten wird, ist für den selbst ernannten Band-Diktator allerdings nicht so leicht abzusehen. "Das kann man bei Nocte Obducta nie sagen. Das nächste Album wird über weite Strecken wieder ruhiger werden, vielleicht könnte es man es als eine Art reifere, depressivere und umfangreichere 'Stille' bezeichnen. Zumindest aber als ein Album, das den musikalischeren Erwartungen nach 'Stille' und 'Nektar' eher entspricht als eine das Publikum überfordernde 'Sequenzen' oder das etwas zu überraschende 'Verderbnis'. Danach kann so ziemlich alles kommen. Material existiert in wirklich viele Richtungen. Wir meinen es zumindest ernst, so viel ist sicher." Diese kleine Prognose zeigt mal wieder eindeutig, wie wandlungsfähig die Band ist und dass man nie wirklich sagen kann, was von ihr zu erwarten ist. Das macht sie in der Musiklandschaft zu einer Rarität. Und auch Marcel sieht das als einzigartige Eigenschaft von Nocte Obducta "Ich würde behaupten, dass es nicht unbedingt übertrieben viele Bands gibt, die ganz bewusst, aber nicht um des Selbstbildes Willen einen Zickzack-Kurs fahren und dennoch in Bälde ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Und obwohl ich hier die Fäden ziehe, weiß auch ich nicht, wie der übernächste Schritt aussehen wird. Vielleicht irgendwas mit lecker Bier?" Und das ist doch ein bezauberndes Schlusswort, denn ob Fan der Band oder nicht, wer würde sich nicht über einen kühlen Gerstensaft freuen?


 

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Steve
© 11/2011 whiskey-soda.de
 


Kurzinfos: Nocte Obducta

Artikel:
- Dinner Auf Uranos - Von Nocte Obducta, gewagten Open Airs und Syd Barrett
- Nocte Obducta - 'Verdammt mies gelaunt und stern-ha-gel-voll'

Rezensionen:
- Sequenzen einer Wanderung
- Verderbnis (Der Schnitter kratzt an jeder Tür)

Kurzinfos: Agrypnie

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- Agrypnie - offizielle Website
- Agrypnie - MySpace-Seite

Kurzinfos: Dinner Auf Uranos

Homepage:
- Dinner Auf Uranos - MySpace-Seite

Artikel:
- Dinner Auf Uranos - Von Nocte Obducta, gewagten Open Airs und Syd Barrett

Rezensionen:
- 50 Sommer - 50 Winter


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