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Otto Dix - Kabinettstücke am Abgrund

Zum nach Karnevalsbeginn historisch wohl zweiteinprägsamsten Datum dieses Jahres, dem 20.11.2011, hieß es im Leverkusener Gothic-Szeneclub Shadow unter dem Rialto-Boulevard mal wieder 'Sonnenfinsternis Live'. An jenem Abend baten die in Russland bereits zur Kultformation avancierten Otto Dix im Rahmen ihrer Deutschland-Tour in der kleinen, aber stilvoll-schummrigen Lokalität ihre Künste dar.


Zu Gast waren außerdem dieses Mal das Klang- und Wortkunst-Duo GeistReich, die düsteren Elektro-Spielmänner von Birdmachine und Gothika, eine Industrial- und Electro-Kombo aus Japan, die es sich allesamt zur Aufgabe machten, dem Publikum noch vorm Hauptact die Haare auf anregende Weise zu sträuben - sei es durch Geschwindigkeit, Lautstärke oder kalte Emotion. Und das klappte.


Nichtsdestotrotz wuchs die Spannung noch, während sich die dixschen Utensilien, unter denen sich auch zwei schnittige Papierflieger befanden, auf der kleinen Bühne verteilten. Als dann das Trio Voronov-Draw-Slip (von links nach rechts) dort stand und die tongewordene Maschinerie des Verderbens pulsierend bis hämmernd seinen Lauf nahm, wartete das Publikum schon bedächtig auf das Erklingen des wundersamen Countertenors von Frontmann Michael Draw, der in schwarz-roter Latexkluft und hautengen, roten Stulpenhandschuhen in gewohnt pantomimischer Manier den Auftritt eröffnete. Keinen vollen Atemzug, keine drei Silben benötigte er, um den Zuhörer nach einem länger anhaltenden Spannungsaufbau durch ein dunkles Synthesizer-Intro mit dem Einstiegsstück 'Болезнь' in seinen Bann zu ziehen. Dazu vollführte er rhythmische Bewegungen mit zwei in der Mitte zu einer Art Stab zusammensteckbaren Leuchtelementen, die angesichts der doch recht spärlichen Bühnenbeleuchtung ihre Faszinationswirkung nicht verfehlten.


Irgendwie wurde man das Gefühl nicht los, dass die Raumtemperatur mit jedem weiteren Stück sank - antiproportional zum Anstieg der Formkurve der Band. In einer runden Abfolge arbeiteten sich die Wahl-Petersburger reproduktiv durch alle Schaffensphasen der Band, ohne es dabei zu vernachlässigen, ihren Stücken ab und an durch leichte Abweichungen - sei es klanglich oder textlich - einen Hauch frischen Anstrichs zu geben. So fand sich der Zuhörer beim für Otto Dix-Verhältnisse ungewöhnlich poppigen 'Зверь' urplötzlich dazwischengeschobenen englischen Versen ausgesetzt: 'Shut your windows, shut your door', lautete nun der Tipp an den Hörer, um der draußen wartenden, schwarzen Latex-Bestie zu entgehen. Unübersehbar wie jedes Mal die ausdrucksstarke, bildhafte Körpersprache sowie die ausgezeichnet sinngestaltende Mimik Draws.

 


Nach einem breit angelegten Solo Peter Voronovs auf der E-Violine, das die mehr und mehr einem düsteren Varieté-Theater gleichende Vorstellung in zwei Teile spaltete, kehrte der währenddessen untergetauchte Michael Draw mit seinem verblüffend femininen, diabolischen Lächeln zum Mikrofon zurück und hatte offenbar eine Metamorphose bis auf die Grundfarben durchlebt: Die schwarze Löwenmähne war nunmehr Geschichte, das Naturhaar zum Zopf gebunden, auf dem Kopf thronte - passend zum nun folgenden, wild-rabiaten Stück 'Война' (zu deutsch: 'Krieg') - eine Offiziersmütze. Dazu stilsicher kombiniert: die Bomberjacke. Außerdem: eine Gerte, streng unter den Arm geklemmt, die im Folgenden noch einige Passagen durch bedrohliche, teils grotesk zweideutige Gesten untermalen und schließlich einer noch furchteinflößenderen schwarzen Peitsche weichen sollte.


Was aber Otto Dix an diesem Abend doch noch maßgeblich vom Varieté unterschied, war die Tatsache, dass selbst die einschneidendsten optischen Begleitumstände hinter der Größe und der kalten Eindringlichkeit der musikalischen Darbietung zurückstanden. Davon zeugen sowohl das mit einem 'Die Deutschen sind hier!' angekündigte und für Gänsehaut sorgende 'Любимый немец', als auch das nachdrücklich schauderige 'Антихрист', in dessen Fadeout Michael Draw, nun mit offenem Haar und der straffen Uniform entledigt, ganz getreu seinen Zeilen zunächst sich selbst und im Anschluss nahezu jeden anvisierbaren Teil des Publikums per dezidiertem, unverhohlenen Fingerzeig zum potentiellen Antichristen deklarierte. Nach neunzig Minuten post-apokalyptischer Oden an den Seelenschmerz endete die düstere Vorführung der High-End-Synthetik schließlich.

 


'Und was geschah nun mit den Papierfliegern?', mag sich der aufmerksame Leser jetzt fragen. Nun, die wurden zu einer anrührigen Live-Ausgabe von 'Маленький Принц' in Richtung Publikum auf den Luftweg geschickt. Minimaler Aufwand - maximaler Effekt: schicksalsträchtig und bedeutungsschwanger. Genau das muss Kunst sein. Applaus, Otto Dix.


Fotos:
Ekaterina Sirazitdinova


 

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Valentin
© 12/2011 whiskey-soda.de
 


Kurzinfos: Otto Dix

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Artikel:
- Otto Dix - Fin de Siècle en russe
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