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Anajo - Tanzt, tanzt, sonst seid Ihr verloren!

Die feiertägliche Völlerei ist überstanden, das Jahr fast vorbei und die guten Vorsätze wurden wie immer nur gefasst, um das Gewissen zu beruhigen. Spätestens im Februar sind etwaige Diätpläne, Rauchentwöhnung, eine diszipliniertere, umweltfreundlichere Lebensweise und das Ziel, insgesamt ein besserer Mensch zu werden, ohnehin vergessen. Doch bevor es so weit ist, spielten Anajo zum letzten Mal in 2011 in der Augsburger Kantine zum Tanz auf. Zumindest der Grundstein für die Gewichtsreduktion war somit gelegt.

Zunächst ging es jedoch noch vergleichsweise beschaulich zu, denn Anajos Gast-Keyboarder Albrecht Schrader eröffnete mit seinem Soloprogramm den Abend. Mit hintergründigen, poetisch-ironischen Songs versuchte er, die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft zu gewinnen und scheiterte leider beinahe an der konstanten Geräuschkulisse: Offensichtlich war es den Leuten zu anstrengend, dabei zuzuhören, was Sisyphus, Micky Maus und Barry White gemeinsam haben, denn sie unterbrachen ihre Gespräche kaum. Ärgerlich und vor allem ziemlich unhöflich, wenn man bedenkt, dass auf der Bühne gerade ein sehr sympathischer junger Mann seine interessanten und ansprechend vertonten Gedanken und Ideen mit der Menge teilen wollte.

Die zweite Vorband des Abends, Nice Guy Eddie, hatte es da etwas einfacher. Ob es primär am Indie-tauglichen Phänotyp - verwegene Ponyfrisuren, enge Jeans, stylische Mützen in diversen Variationen - oder der aparten Gesamterscheinung lag, dass noch vor dem ersten Akkord die Mädels in den vorderen Reihen vor Verzückung juchzten, ließ sich nicht eindeutig feststellen. Wer den optischen Reizen der Jungspunde nicht erlag, erkannte spätestens nach dem wuchtig-rockigen Intro: Da steht Großes bevor. In der Tat wussten die Regensburger genau, wie sie die Zuhörerschaft in den Griff bekommen. Ein bißchen Flirten hier, eine Prise Humor mit gelungener Performance da, sowie richtig tighter Indierock sind das einfache Rezept, um Fanherzen im Sturm zu erobern. Derart euphorisiert und aufgewärmt wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass beim Hauptact Anajo gleich ab dem Opener - dieses Mal war es 'Hotelboy' - der Club so richtig brennt. Doch das schwäbische Publikum gab sich, rein energetisch betrachtet, sparsam. Gefälliges Nicken oder Wippen, Applaus und Mitklatschen an der richtigen Stelle, mehr war vorerst nicht drin - obwohl die ersten vier Reihen a) zu 90 Prozent aus Mädels und b) zu 100 Prozent aus sehr jungen Menschen bestanden. Die Band ließ sich davon jedoch nicht irritieren und spielte, vielleicht manchmal einen Tick zu routiniert, liebgewonnene Nummern wie 'Honigmelone', 'Villa am Strand', 'Mein erstes richtiges Liebeslied' und die inzwischen zum Klassiker avancierte Josef-Matula-Hommage 'Ich hol Dich hier raus'.

 

Selbstverständlich enthielt die vollgepackte Setlist auch Songs vom aktuellen Album 'Drei', darunter 'Meine Wege', das selbstironische 'Mädchenmusik' und 'Decke auf den Kopf'. Altgediente Anajo-Anhänger - denen die Band inzwischen mit Kinder-T-Shirts am Merchandise huldigt, da sie offenbar im Familienplanungsalter stecken - freuten sich über zwei sehr lange nicht mehr live präsentierte Stücke: 'Süßwasseraquarienfische' und 'Es ist Frühling' - einfach wunderbar. Ausgerechnet beim letzten Song, der Disco-Hymne 'Monika Tanzband', erkannte das Publikum, dass Bewegung nicht nur schwitzen lässt, sondern auch glücklich macht: Es wurde wild getanzt, gesprungen und mitgesungen - leider kam das große Erwachen, dem sich einige Spaßverweigerer immer noch stoisch widersetzten, zu spät. Denn nach drei Zugaben und dem von Sänger Olli nur mit Unterstützung von Albrechts Keyboard chansonesk vorgetragenen 'Wenn Du nur wüsstest' war dieser zauberhafte Konzertabend viel zu schnell vorbei. Zurück blieb das Gefühl eines schönen Treffens mit lieben Bekannten, die man lange nicht gesehen hat - und trotzdem nicht aus den Augen verliert. Denn man weiß: Beim nächsten Mal wird es wieder genauso schön. Und das ist kein guter Vorsatz, sondern eine Tatsache.


 

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dieChris
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