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Während man sich in einer beachtlich langen Schlange zentimeterweise dem Einlass entgegen schob, um pünktlich zum Beginn von Radio Havanna am Start zu sein, war von weißer Pracht noch nichts zu sehen. Und so mussten sich die Berliner auch mit einem nur mäßig gefüllten Backstage abmühen, und einem noch mäßigeren Aktivitätslevel des Publikums. Sitzbare Treppenplätze waren eindeutig beliebter als körperliche Betätigung zu guter Musik.
45 Minuten später konnten Red Tape Parade immerhin schon mit einer halbwegs akzeptablen Menschenmenge vor der Bühne darüber diskutieren ab wann es unter den gestrengen Pädagogen-Augen von Gitarrist Florian Kötterl vertretbar ist Alkohol an Minderjährige auszuschenken. Aber auch unalkoholisiert wurde Red Tape Parade schon ordentlich abgefeiert, auch wenn es zum Ende direkt philosophisch wurde mit der Frage was mehr Punk sei, eine Band zu unterstützen oder zu saufen. Muss wohl jeder für sich entscheiden.
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Um Punkt halb zehn enterten ZSK traditionell zum Hildegard Knef-Klassiker 'Für mich solls rote Rosen regnen' die Bühne. Sogleich traten die Jungs um Sänger Joshi mit 'Wer? Wann? Wo' und 'Was wir wollen' das Gaspedal durch. Die zuvor noch weiträumigen Freiflächen vor der Bühne hatten sich innerhalb kürzester Zeit aufgelöst und wurden von Gedränge und Gequetsche bis zum letzten Millimeter ersetzt. Da störte es dann auch nicht weiter dass die Bühne bei allen drei Bands dermaßen zugenebelt worden war, dass kaum ein klarer Blick möglich war. Zwischendurch skandierte das Publikum immer wieder 'Nazis raus', besonders vor dem Hintergrund des geplanten Naziaufmarsches am Samstag in München. ZSK kommentierten mit 'Küsst die Faschisten' oder 'Alles steht still' auf ihre eigene Art. Ein ganz besonderer Moment verpasste dem Fanherz einen gewaltigen Stromstoß als die Berliner Combo mit 'Herz für die Sache' einen brandneuen Song präsentierte, der doch einen kleinen Hoffnungsschimmer in Sachen Neuer Platte entfachte. Daneben gab es auch Klassiker wie 'Kein Mensch ist illegal' oder 'Wenn so viele schweigen' die keinen noch so kleinen Nietengürtel auf der Stelle hielten.
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Ein Operation Ivy-Cover gab es mit 'Unity' auch, und damit schon das zweite musikalische Hutziehen vor dieser Band. Denn auch ins Set von Radio Havanna hat Operation Ivy mit 'Knowledge', der Benefizsingle zusammen mit Black Pacific und The Riverboat Gamblers, Einzug erhalten. Doch ob Cover oder nicht, im Laufe des Abends wurde immer klarer warum ZSK auf Reunion-Tour sind. Diese unbändige und alles ansteckende Spielfreude muss einfach auf die Bühnen. Unterbrochen von - schon wieder - Diskussionen mit dem Publikum um Alkoholausschank von der Bühne aus wurde ein Ende gesetzt mit dem zum Wurfgeschoß umfunktionierten Schnapsgürtel, dessen Inhalt galant ins Publikum flog. Natürlich in Plastikflaschen. Und trotzdem muss auch ein ZSK-Set nach Zugaben einmal ein Ende haben. Aber immerhin konnte man während man in Schrittgeschwindigkeit durch den Schnee rutschte in Erinnerungen an ein sehr, sehr geiles Konzert schwelgen, und genug Songs für die eine halbe Ewigkeit dauernde Heimfahrt sollte ja nach knapp vier Stunden Konzertvergnügen in den Synapsen des Gehirn gespeichert sein.
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