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Das Tempodrom in Berlin bietet an sich keine außergewöhnliche Location. Am 31. März 2012 zeigt sich jedoch, wie einzig ein paar gut arrangierte Lichteffekte und eine außergewöhnliche Akustik einen musikalischen Abend unvergesslich machen können. Die orientalisch anmutenden Leuchter, die von der Decke herabhängen und die Musiker um Loreena McKennitt illuminieren, schaffen eine geradezu mystische Atmosphäre - genau passend zur Musik. Im Repertoire finden sich sowohl Klassiker wie 'Bonny Portmore', 'Between The Shadows', 'The Bonny Swans', 'The Mummer's Dance' und 'Huron Beltane Fire Dance' als auch neuere Songs von ihrem letzten Album 'The Wind That Shakes The Barley', in dem Loreena McKennitt zu den frühesten Inspirationen zurückkehrt, der traditionellen Folklore Irlands, Schottlands und Englands. Dabei interpretiert sie von Jahr zu Jahr auf eine andere Art ihre vertonten Gedichte und Kurzgeschichten von Autoren wie Shakespeare, Yeats und Sir Walter Scott mit ihrer Sopranstimme, die so klar ist, als käme sie direkt aus dem Studio. Wenige Konzerte bieten dem Zuhörer einen so perfekten Klang.
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Als musikalisches Multitalent glänzt Loreena McKennitt auch an der Harfe, Klavier und Bandonion. Doch auch die anderen Musiker an ihrer Seite beweisen ein ebenso großes Talent. Selten - selbst bei klassischen Konzerten - sieht man solch eine Gruppe, bei denen jedes einzelne Mitglied so viel Leidenschaft und Freude an der Musik an den Tag legt, dass es einen selbst kaum ruhig auf dem Platz hält und man einfach mit den Händen zum Rhythmus trommeln muss. Obwohl ihre Musik dem Folkbereich entstammt, kann man durchaus behaupten, dass Loreena McKennitt die Bühne rockt. Hier zeigt sie ihr großes musikalisches Geschick und ihren Mut, mit Konventionen zu brechen, indem sie die traditionellen Instrumente durch den Einsatz von E-Gitarren und Schlagzeug unterstützt. Besonders beim Wechselspiel bei 'The Bonny Swans' im Call-Response-Prinzip von E-Gitarre und Violine spürt das Publikum, wie die Musiker ihren Beruf leben und vor allem Spaß daran haben, Abend für Abend. Es ist ein wahres Fest für die Sinne, auch visuell. Auffällig sind die eleganten Gewänder von Loreena McKennitt, aber auch, dass die Cellistin barfuß spielt, und ebenso die große Auswahl an exotischen Instrumenten, darunter das Hurdy Gurdy, eine Art Drehleiher mit einem charakteristischen Schnarrgeräusch, und die Uillean Pipes, der irische Dudelsack, der nicht mit dem Mund sondern mit dem über den Ellbogen betätigten Blasebalg mit Luft versorgt wird. Durch diesen ungewöhnlichen instrumentalen Reichtum gelingt es der Band, gemeinsam eine Energie zu erzeugen, die man nur live miterleben kann. So erheben sich auch einige Gäste sogar kurzzeitig von ihren Sitzplätzen und tanzen begeistert am Rande der Bühne, womit sie die verdutzte Security in Verlegenheit bringen.
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Auch zwischen den Stücken weiß Loreena McKennitt ihr Publikum zu unterhalten und beweist sich ein ums andere Mal als perfekte Gastgeberin. So erzählt sie davon, wie sie selbst zwei Jahre in der Kanadischen Schule Deutsch gelernt hat. 'Hier nix so viel und so laut sprechen!' sei jedoch der einzige Satz, der ihr von ihrem Lehrer in Erinnerung geblieben wäre, den sie mit erhobenem didaktischen Zeigefinder lachend imitiert. Dass bei einer so sympathischen Frau die Verehrer nicht weit sind, zeigt sich nach der Pause, als ein Herr mit einer zotteligen Mähne und einem Geschenk ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen versucht. Vergeblich. Ob es daran liegt, dass es sich bei dem Präsent um einen Blumentopf handelt oder dass er nicht gerade einer von der attraktivsten Sorte ist, bleibt offen.
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Selbst nach zweieinhalb Stunden grandioser musikalischer Unterhaltung und nach zwei Zugaben ist man überrascht und auch etwas enttäuscht, dass der Abend sich bereits seinem Ende neigt. Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Im Sommer kehrt Loreena McKennitt mit ihrer 'A Midsummer's Night Tour' nach Deutschland und auch nach Berlin zurück. Und dieses Mal kann man sich auf einen Open-Air-Auftritt in der Zitadelle Spandau freuen.
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