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Vier Jahre hat es von "Eye For An Eye" bis zu "Dead Man's Hand" gedauert, doch die Pause hatte für die Band allerdings keinen freiwilligen Charakter, wie Alex Kraft berichtet: "Ich hatte verschiedene Ideen für ein neues Album, bis ich beim Songwriting die Idee bekam, die Story von "Wild Bill Hickok" anzugehen, was mir im Rahmen der vorher gegangenen Alben und Storys sinnvoll und passend erschien. Ich bekam nur das Gefühl, dass meine Plattenfirma nicht mehr zu meiner Euphorie und meinen Ideen passte. Ich fühlte mich nicht mehr verstanden. Deshalb fragte ich Boggi von Drakkar, wie er meine Ideen fände und wie das Ganze für ihn klinge. Er war begeistert. So dauerte es zwar einmal wieder lange bis das neue Album erschien, obwohl die Songs schon größtenteils fertig waren, aber es war die richtige Entscheidung für das ganze Feeling der kompletten Produktion."
Das richtige Feeling hatte der blonde Frontmann auch, als er mit einem schicken Ford Mustang bei der Record Release Party in der Bruchsaler Fabrik vorfuhr. Hast Du Dir diesen stilechten Wagen zum neuen Album gegönnt? "Hahaha, nein, das war mein Kindheitstraum. Ich fuhr jahrelang einen 76er Chevy Camaro. Das war sehr zeitaufwändig und mit viel "Schrauben" verbunden. Irgendwann gönne ich mir den 68er Mustang Fastback. Jetzt hab ich einen 2009er Shelby Cabrio, was mich durchaus erfüllt. Ich liebe mein Pony und es ist echt die Erfüllung meines Kindheitstraumes. Klar passt das zu mir und natürlich zum Album" lacht Alex. Der aufmerksame Beobachter entdeckt hier übrigens, dass der Wagen mit einer alten Essener Umweltplakette ausgestattet ist. Hat der früher Tom Angelripper oder Mille Petrozza gehört? "Nein, er wurde über Essen importiert, da es keine Möglichkeit gibt, solch ein Wagen regulär beim Ford-Händler zu kaufen. Man muss in die Staaten, solch ein Wagen raussuchen, kaufen und ihn rüberbringen. Dann braucht man Kontakte beim TÜV und hat nen Riesen-Act beim Zoll. Das wurde von einer Firma in Essen erledigt. Thats why", erklärt der Dossenheimer, der im Rahmen des letzten Interviews zum Vorgängeralbum bereits über Ideen berichtete, die eigentlich für das aktuelle Album schon gereift waren. Unter anderem sollten Vampire im Wilden Westen thematisiert werden. "Verworfen ist die Idee nicht, nur fand ich beim Songwriting die authentische Story von Wild Bill so genial, dass sie mich zu sehr fesselte um den Strang des Komponierens abzureißen. Also ließ ich locker und mich treiben. Forschte weiter nach und stieg voll in diese Story ein, auch weil ich einen recht "positiven" Vibe bemerkt habe, den ich in dieser Phase nicht unterbrechen darf", erklärt Alex, warum man nun keine Spitzzähne in den neuen Kompositionen findet.
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Inhaltlich gibt es bei "Dead Man's Hand" also wieder einen roten Faden. "Klar, Wild Bill Hickok war alleine schon eine interessante Persönlichkeit. Er war ein Mann der Gefallen an edlen Dingen hatte. Er hatte lange Haare, teuren Schmuck und galt als eingebildet und arrogant. Nur, er war gefährlicher und schneller am Colt wie seine Konkurrenten, die meist staubige, asoziale Halunken waren. Er liebte die Musik, die Frauen und das Spiel und er genoß es Geld auszugeben. Er hatte der Legende nach seinen Navy-Colt, mit dem er so einige Männer erschoss, an einen Mann namens McCall beim Spiel verloren, bevor Bill ihm sein Hab und Gut beim Spielen, mit Ausnahme des Colts wieder nahm", berichtet der Front-Dezperadoz. "Jahre später, Wild Bill wollte seinen "Ruhestand" mit Stil und ohne Ärger in einer Stadt namens Deadwood verleben, sollten sich beide wiedertreffen. Niemand wusste um Wild Bills Geheimnis, was ihn, wenn es rausgekommen wäre, das Leben gekostet hätte. Er hatte den grauen Starr und konnte nicht mehr richtig sehen. Jeder aufstrebende Gunslinger hätte sich mit ihm gemessen und damit geprahlt den berühmten Wild Bill erschossen zu haben", erzählt Alex diese spannende Geschichte des Albums weiter.
"Wild Bill, der Stammgast am Pokertisch des Saloon No10 war, saß grundsätzlich mit dem Rücken zur Wand, um immer das Lokal einigermaßen im Auge zu haben. An jenem verhängnisvollen Tag jedoch nicht. McCall steigerte sich in dem "Rotlichtviertel" von Deadwood in einer Opiumhöhle, genannt "the BADLANDS", mit Drogen und Frauen in seinen Plan hinein, Wild Bill zur Rechenschaft zu ziehen, da er ihm alles beim Spiel genommen hatte. Bis auf jenen Navy-Colt, mit dem er ihn erschießen wollte. Mit dem Mut des Alkohols und der Drogen im Blut ging er hoch zum Salon No10. Ausgerechnet an jenem Tag saß Wild Bill nicht mit dem Rücken an der Wand, sondern musste durch einen blöden Zufall den letzten Platz mit Rücken zur Theke nehmen. McCall schoß Wild Bill in den Hinterkopf. Wild Bill, der ein sehr gutes Pokerblatt in der Hand hielt, kippte kopfüber auf den Pokertisch und gewann die Runde als toter Mann. In der Hand Pik As, Kreuz As, Pik 8, Kreuz 8 und eine verdeckte Karte, die ein Joker gewesen sein soll, auf dem Tisch. "The Dead Man's Hand", beschließt der Sänger die Inhaltsangabe zum Album. "Die Songs sind quasi eine zeitliche Abfolge der Gegebenheiten in Deadwood, der Stadt in der Wild Bill die letzte Zeit seiner Existenz durchlebte".
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Somit ist auch klar, was das Coverartwork bedeutet und wie es zum Inhalt und Titel des Albums steht. "Man kann deutlich die "Dead Man's Hand", den Navy-Colt und eben das Blut sehen. Die letzte Szene im Leben Wild Bills und der sehr groteske Zustand, dass das Blatt, welches man sieht, dennoch klar die Pokerrunde gewinnt", sinniert Alex.
Musikalisch wurde diese ergreifende Geschichte in sehr vielfältiger Weise umgesetzt. Es gibt die harten Nummern, dann die fröhlichen Country-Songs und sehr atmosphärische Titel, wie kam diese Abwechslung zustande? Der Heidelberger erklärt es so: "Aus der Story. Sie handelt von Tragik, Tod, aber auch von Liebe, Frauen, Lust, Gambling, Alkohol und Drogen und Dinge, welche zwar teuer sind, aber das Leben ungemein versüßen. Wild Bill war kein "Kostverächter" und kleidete sich sehr edel und teuer. Er wusste, wie man lebt. Ich schreibe Songs genauso. Ich habe eine Story, schreibe Chapters, welche oft schon Überschriften oder gar die Titel der Songs sind. Ich schreibe Worte dazu, manchmal schon eine Strophe, Bridge, Refrain. Dann dazu die Musik, welche natürlich jene Stimmung spiegeln muss. So entstehen die Songs und das Album, welches am Ende bestimmt so abwechslungsreich wie die Story ist. Umso mehr, wenn es ein Lebensabschnitt oder gar der Letzte ist!"
Diese Abwechslung will natürlich auch live umgesetzt werden, neben den typischen Gimmicks wie zerschlagenen Flaschen und Galgenstricke können die Dezperadoz soundtechnisch durch den zweiten Gitarristen Nils Stürzer mittlerweile ganz anders auf der Bühne agieren. "Ich habe die Möglichkeit die Gitarren mehr aufzuteilen, gerade zweistimmige Geschichten, Gretsch und Westernmelodien unter Brettgitarren. Das ist auf der Bühne umso genialer, als dass ich beide Komponenten voll rüberbringen kann. Beispiel: Ein Banjo und eine Thrash-Gitarre, genial!"
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Diese Besonderheit ist für die Produktion ein nicht zu vernachlässigender Faktor, denn diese Westernatmosphäre lässt sich nicht ohne Weiteres erzeugen. "Ich produziere die Alben immer nach meinem Songwriting voll vor. Viele dieser Stimmen, Stimmungen und Tracks bleiben drauf und werden nicht neu aufgenommen, weil sie den Spirit haben, den ich zu Anfang des Songwritings hatte. Ich habe teilweise Dobros (Dobro ist der Name eines Herstellers von Resonatorgitarren, A.d.V.) auf meiner Toilette aufgenommen, die noch auf dem Album sind", verrät Alex, dem auch ein weiterer Teil der Produktion eine besondere Freude bereitet – Die Soundsamples wie das charakteristische Revolvertrommelklicken. "Sowas nehme ich auf, was mir einen Heidenspaß macht!".
Bleibt nur noch zu fragen, ob es nun wieder vier Jahre bis zum nächsten Album dauert oder der gute Alex es nicht erwarten kann, wieder zünftige Wildwest-Geräusche einzuspielen, um so die eigenen Songs zu veredeln. "
Ich hoffe es erneut nicht, doch werde es tun, wenn es nötig ist um Qualität und Euphorie, auch die des Labels mit dem gehörigen Tiefgang meiner Songs rüber zu bringen!!!!", verabschiedet sich Alex. Und ob nun Vampire oder einen weitere historische Figur verarbeitet wird, werden wir sehen. Bis dahin wird sich sicher oft genug die Gelegenheit bieten, diese authentische Geschichte live dargeboten zu erleben. Yee-Haaw!!
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