|
Bevor es auf diese Frage eine Antwort gibt, versucht die Vorgruppe Elias, mit ihrem Akustik-Gitarren-Pop die Herzen des Publikums zu erobern. Die leichtfüßigen Nummern sind nett anzuhören, die deutschsprachigen Texte nur manchmal etwas zu süßlich. Doch der Funke will nicht so recht überspringen - obwohl die beiden Musiker auf der Bühne äußerst sympathische Zeitgenossen sind. Nicht zuletzt, weil sie auf der Fahrt im Tourbus auf die Schnelle noch ein paar Do-It-Yourself-CDs zusammengeschustert haben: Beim Gig am Vorabend fanden die Tonträger nämlich reißenden Absatz. Die Beschaulichkeit, die den Auftritt der Vorband prägte, sollte sich auch dann nicht verflüchtigen, als Timid Tiger den Taktstock übernehmen. Als Opener wählten sie 'The Sun Goes Down, The Streets Are Black', die aktuelle Single - ein verträumter, entschleunigter Pop-Song, der das Publikum nicht wirklich in Wallung brachte.
|
|
|
 |
|
|
Das sollte allerdings auch mit bewährten Nummern wie 'Electric Island', 'My Girl's A Rascal' oder 'Miss Murray' nicht so recht gelingen. Es war deutlich zu hören, dass sich die Kölner Combo nicht nur auf ihrer aktuellen Platte, sondern auch live um einen erwachseneren Sound bemüht: Sämtliche ältere Songs wurden von zu überdrehten Loops, Pfeiftönen und vermeintlich kitschigen Orgelsoli befreit und rockten dadurch mehr, was durchaus gelungen war. Auch die auf CD etwas fußlahm wirkenden, neuen Stücke hatten live mehr Druck - wobei Timid Tiger ihr Set (bewusst?) nur mit wenigen neuen Titeln wie 'The New Catastrophe' oder 'Back From Hell' spickten. Auch in Sachen Show wirkte das Quartett, dass an diesem Abend ohne Schlagzeuger Steddy auskommen musste, geradezu minimalistisch: Keine Glitzer-Haarbänder, kein Konfetti, keine Showeinlagen. Kein High-Life. Das setzte erst mit der Zugabe ein, als die Meute zu 'Ina Meena Dika' und 'Rabbit On Fire' endlich so abging, wie man es eigentlich von Timid-Tiger-Konzerten gewohnt ist. Hemmungsloses hüpfen und tanzen, Euphorie, völliger Kontrollverlust. Was auch immer an diesem Abend in der Luft lag - mit einem echten Timid-Tiger-Gig hatte es nur rudimentär zu tun. Schade, denn die Jungs sind eigentlich einer der besten Live-Acts, den die deutsche Indie-Landschaft zu bieten hat.
|