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Niels Frevert ist eigentlich gar nicht der Chef in seiner eigenen Band - zumindest nicht der alleinige. So wie in einem Orchester, wo es den Komponisten und den Dirigenten gibt, funktioniert das auch in seiner Band. Niels Frevert ist der Komponist - aber die Probe der sechsköpfigen Band leitet und koordiniert ein anderer, nämlich sein Co-Produzent und Bassist Stephan Gade: 'Wenn wir auf Tour sind, ist Stephan so eine Art musikalischer Direktor. Natürlich bin ich auch in alle Prozesse involviert, habe aber auf Tour genug mit der allgemeinen Organisation, den Promoterminen und auch mit mir selbst zu tun. Stephan und ich sind ein gutes Team inzwischen - das sind wir im Studio und das sind wir auch live. Im Grunde genommen sind wir schon so eine kleine Zwei-Mann-Band.' Seine gesamte Band hatte am Schreibprozess zum aktuellen Album 'Zettel Auf Dem Boden' so großen Anteil wie nie zuvor. Nur die frischen Song-Gerüste auf der Akustikgitarre - und keine fertigen Demos - waren die Arbeitsgrundlage im Proberaum, weswegen Niels Frevert umso nervöser war: 'Das war echt eine heikle Angelegenheit und Mutprobe, weil ich manchmal den neuen Song auch noch nicht so richtig drauf hatte. Die Arbeitsweise war dieses Mal eine andere - die Abläufe mancher Songs standen nämlich noch nicht fest. Ich habe der Band die neuen Lieder einfach live auf der Gitarre vorgespielt. Aber zum einen kennen wir uns gut genug und zum anderen weiß ich, dass ein gewisser Freiraum, was die Arrangements betrifft, den Songs gut tut.'
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Dass Niels Frevert genug Lieder geschrieben hatte, mit denen er zufrieden war, ging bei diesem Album ungewöhnlich schnell vonstatten. Während er in der Vergangenheit fünf Jahre Zeit zwischen zwei Alben brauchte, waren es diesmal nur drei. Niels Frevert selbst stört dieser etwas langsamere Veröffentlichungsturnus nicht - ihn stören nur die dauernden Fragen danach: 'Das ist einer der Gründe, warum ich mich diesmal so beeilt habe - damit ich mir diese Fragen nicht mehr anhören muss: 'Warum brauchst Du denn so lange?' Ich wundere mich, warum das eigentlich so ein Thema ist. Selbst, wenn sich jemand vier Jahre Zeit lässt, finde ich das völlig okay. Eine WM ist auch nicht jedes Jahr.' Den Schlendrian einkehren lässt Niels Frevert also nicht. Er setzt sich sogar, wenn er mit der Arbeit an einem neuen Album beginnt, ein Ultimatum, bis wann es fertig sein soll: 'Das werde ich nächstes Mal auch wieder machen. Nur: Wenn ich vier Wochen vor Abgabe gemerkt hätte, wir brauchen noch mehr Zeit, hätte ich die Notbremse gezogen und in Kauf genommen, dass das Album erst ein halbes Jahr später erscheint. Der Gedanke, etwas zu veröffentlichen, wovon ich nicht überzeugt bin, behagt mir überhaupt nicht. Denn wenn die Platte erstmal im Laden steht, bekommt man sie da ja nicht wieder raus.' Er möchte seiner Musik die Zeit geben, die sie braucht, damit sie gut wird: 'Ich fahre damit ganz gut, mir Zeit zu lassen. Sicher gibt es einige Kollegen, denen es leichter fällt, eine Anzahl an Songs fertig zu schreiben. Ist ja marketingtechnisch auch oft seitens des Labels erwünscht. Aber es gibt doch jeden Monat schon unfassbar viele Veröffentlichungen - manche davon klingen auch noch sehr ähnlich. Mir sind Eigenständigkeit und Unverwechselbarkeit tatsächlich sehr wichtig.'
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Am Text für 'Blinken Am Horizont', das Lied für seine verstorbene Mutter, hat Niels Frevert - anders, als man bei solch einem persönlichen Thema erwarten könnte - gar nicht so lange feilen müssen: 'Das war ein Text, der mir sogar relativ flüssig von der Hand ging - vielleicht weil es eh schon längst Zeit war, den zu schreiben und die Bilder eh schon seit einiger Zeit in mir schlummerten.' Dafür ist mit diesem Stück im Proberaum musikalisch noch einiges passiert im Vergleich zur Akustikgitarren-Rohfassung: 'Das haben wir schon einige Male gespielt. Drei verschiedene Versionen haben wir aufgenommen – um uns am Ende dann doch für die allererste zu entscheiden.'
Eine Coverversion aufzunehmen ist bei all dem Perfektionismus für Niels Frevert eine Entspannung: 'Das ist der Spaßfaktor - ein Song, der einfach nebenher läuft. Ich muss mir nur sehr wenig Gedanken über den Song machen, sondern nur rein über die Umsetzung. Wenn ich aber kein gutes Lied finde, was sich dazu eignet, würd ich's auch nie machen.' Gefunden hat er aber - und zwar auf dem Vorgänger-Album Hildegard Knefs 'Ich Möchte Mich Gern Von Mir Trennen' und diesmal Herman van Veens 'Bis Jemand Mich Hört': 'Ich bekomme unheimlich viele Reaktionen darauf und es tauchen mittlerweile sogar die ersten Herman van Veen-Fans auf den Konzerten auf. Das bringt schon etwas ins Rollen, was ich interessant finde - weil es eben natürlich auch eine ganz andere Szene und eine andere Generation ist.'
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Hin und wieder hat Niels Frevert aber auch Spaß an seinen eigenen Texten bekommen. Im Lied 'Frustrationstoleranz, Herr Frévert' überlegt er sich, wie es wohl wäre, wenn er einer Psychotherapeutin weismachen würde, dass sein Nachname aus dem Französischen stammt: 'Ich fand das Bild ganz gut, dass da jemand bei seiner Therapeutin sitzt und ganz offensichtlich im Dunkeln hält, wie der eigene Name ausgesprochen wird beziehungsweise sie anflunkert und so tut, als würde der französisch ausgesprochen. Die eigene Therapeutin täuschen - das fand ich irgendwie einen guten Dreh.' Herman van Veen hat übrigens sogar drei Alben auf Französisch veröffentlicht - vielleicht haben die beiden ja doch mehr gemeinsam, als Niels Frévert bisher weiß?
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