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The Rasmus - Heute wie damals

Nach drei Jahren, die für viele ihrer Fans vermutlich nicht weniger als eine Durststrecke gewesen waren, betourten The Rasmus diesen Mai endlich wieder Deutschland. Vier Termine waren es an der Zahl, und zum Finale auf deutschem Boden kehrten die Finnen am 18.05.2012 ins Kölner Gloria Theater ein. Die Supporter des harten Kerns waren reich an der Zahl, campierten schon stoisch Stunden vor Einlasszeit in der Nähe des Neumarkts und lehrten ahnungslose Passanten das Staunen. Uns führte derweil der Weg in den Backstage-Bereich der Kult-Location, wo wir das Vergnügen hatten, Sänger Lauri Ylönen und Bassist Eero Heinonen mit ein paar Fragen auf den Zahn zu fühlen.


Es ist bei weitem nicht das erste Mal Deutschland für die erfahrenen Tourmusiker, und ebenso wenig ihr erstes Mal Gloria. Denn dort traten The Rasmus schon bei ihrem letzten Köln-Besuch auf - und fühlten sich ziemlich wohl, sowohl in der Stadt als auch im rappelvollen Venue. 'Köln scheint irgendetwas Besonderes an sich zu haben für unsere Band', weiß Eero. 'Ich erinnere mich, dass beim letzten Mal die Show hier im Gloria auch ausverkauft war. Aus irgendeinem Grund haben wir hier in der Gegend auffällig viele Fans... und mögen die Stadt selbst auch. Es ist irgendwie recht entspannend hier.' Lauri ergänzt: 'Wir sind ja schon oft in Deutschland gewesen... Aber es ist jedes Mal wieder angenehm, auch jetzt, während dieser schönen Jahreszeit. Es ist Frühling, der Sommer kommt langsam... Diese Tour spielen wir vier Gigs in Deutschland - mehr als irgendwo sonst! Bisher haben wir wirklich gute Erfahrungen gemacht. Es war immer echt voll... und heute sogar ausverkauft. Darüber freuen wir uns sehr, und so ist es auch wieder schön, hier zu sein.'


Als Support-Act sind an diesem Abend einmal mehr die Engländer von InMe dabei, die, wenn auch deren erkrankter Sänger Dave McPherson wiederholt sein Bedauern über seine körperliche Verfassung kundtat, mit kräftigem Post-Rock eine starke Show abliefern. Die innere Aufregung des zum überwiegenden Teil weiblichen, rasmus-fanatischen Publikums verebbte derweil selbstverständlich nicht. Entsprechend heißblütig wurden Aki, Pauli, Eero und Lauri - letzterer in knallgelben Gummistiefeln - empfangen, und entsprechend glücklich zelebrierte das Viergespann, sichtlich angerührt ob der ihm von den Fans lautstark, aber liebevoll entgegengebrachten Zuneigung, den Konzertabend - inklusive überraschender Akustik-Session und einem aufgeheizten Zugaben-Finale mit dem 2003er-Hit 'In The Shadows'. Der im Übrigen immer noch zieht wie eh und je. Sowieso scheinen The Rasmus ja dem Bewährten treu zu bleiben, liefern seit längerer Zeit Album für Album einigermaßen berechenbare musikalische Kost - das aber mit unleugbarem Erfolg und qualitativer Konsistenz. Gerade bei solch massentauglichen, auch Teenager begeisternden Rockbands wie The Rasmus liegt da der Verdacht nahe, man gehe auf Nummer sicher und klammere sich an den Prinzipien und Mustern fest, die sich in der Vergangenheit als wirkungsvoll erwiesen haben. Lauri beeilt sich indes, diese These noch vor Ausformulierung zu wiederlegen: 'Das ist möglich, aber du kannst deine Musik nicht für die Leute machen. In erster Linie machst du's ja für dich selbst. Und wenn du dann zufrieden damit bist, und dich selbst darin wiederfindest, veröffentlichst du es. So läuft das, denke ich. Und es ist unmöglich, etwas hinzubekommen, wenn du dabei zu viel an die Fans denkst. Das klingt abgefahren, aber für gewöhnlich ist es so.'

 


Ganz ihrer selbst besann sich die bereits seit 1994 bestehende Band auch in ihren Arbeiten am aktuellen, selbstbetitelten Album 'The Rasmus'. Nachdem sie in der Entstehungszeit des Vorgängers 'Black Roses' zwar nützliche, aber als solche nicht unbedingt wiederholenswerte Erfahrungen durchleben konnten, sollte die Produktion der neuen Platte wieder traditionellen Prinzipien folgen. Man wünschte sich die Unkompliziertheit aus den Anfangsjahren zurück, erläutert uns Eero. 'Nun, das Vorgängeralbum, 'Black Roses', hatten wir in Nashville aufgenommen. Lauri hat allein zwei Monate mit den Vocals verbracht, und ich würde sagen, es war auch im Allgemeinen eine eher schwere Geburt. Klar, es hat sich fett und sehr gut produziert angehört, aber irgendwie hatten wir jetzt das Bedürfnis, die Dinge zügig und locker über die Bühne zu bringen. Dieses Mal wussten wir schon im Proberaum, wie die Stücke sich anhören sollten, und später haben wir sie dann drüben in Schweden mit einem alten Freund aufgenommen. Alles war einfach... plug and play.' - 'Wir wollten es ganz unkompliziert machen dieses Mal', bestätigt Lauri. 'Einfach mal nur zu viert im Proberaum sein. Sonst hatten wir die ganzen Produzenten und so immer mit dabei, und alle Köche kamen quasi in dieselbe Küche und versuchten, sich selbst um jeden Preis einzubringen. Und wir wollten es einfach wieder wie in alten Zeiten angehen - back to the roots.', umschreibt auch er die Ausgangssituation mit geflügelten englischen Worten. Für Lauri persönlich spielte auch sein im letzten Jahr erschienenes, elektro-lastiges Solo-Album 'New World' eine entscheidende Rolle, was den mit 'The Rasmus' nachfolgend eingeschlagenen Weg anging. 'Das Soloalbum hat mir dabei geholfen mich zu entspannen, indem ich einfach mal etwas Anderes machen konnte. Und es hat irgendwie dazu beigetragen, mir wieder gewahr zu werden, worum sich die Dinge bei The Rasmus wiederum drehen.'


Nicht zuletzt aus diesem Grunde fiel die Wahl des Albumtitels letztendlich auch auf den Bandnamen selbst. Ganz zu schweigen von der Entscheidung Lauras, nochmal auf die altbewährte Federzierde für sein nach der wasserstoffblonden Periode während der 'Black Roses'-Zeit wieder naturbraunes Haar zurückzugreifen. 'Ich mag es auch einfach, mit den Looks zu spielen. Wenn ich die gleiche Frisur, die gleiche Haarfarbe habe wie zu jener Zeit, hilft es vielleicht dabei, das Feeling von damals wieder aufzugreifen und zu steigern.'

The Rasmus - Heute wie damals Seiten 1 2

 

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Valentin
© 06/2012 whiskey-soda.de
 


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