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Bereits zum Auftakt erwartet die 100 glücklichen Kickstarter-Ticketbesitzer und die anwesenden Pressevertreter eine kleine Überraschung. Die 'Extra Action Marching Band' aus San Francisco bringt das Publikum mit balkanbeatigen Klängen und sexy-verrückten Tänzerinnen und Tänzern in die typisch groteske Stimmung. Wie Amanda Palmer später berichtet, lernte sie die Band in der vergangenen Nacht bei einem Besuch im White Trash kennen und lud sie spontan zu ihrer Vernissage ein. Das ist typisch für ihre Veranstaltungen, die meist aus einer Mischung aus spontaner Improvisation und diszipliniertem Ablaufplan bestehen.
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Anschließend beginnt der Einlass auf das abgesperrte Platoon-Gelände. Die milden Temperaturen erlaubten es, bei vegetarischem Grillbuffet und einem kühlen Bargetränk vor der Ausstellungshalle auszuharren und einander kennenzulernen. Während die meisten mit einer Stärkung beginnen, bestaunen die anderen neugierig die Ausstellung. Ein wenig später taucht Amanda Palmer wieder auf und begrüßt noch einmal höflich die Leute und erläutert den Ablauf des Abends. Anschließend mischt sie sich unter die Leute und steht für alle möglichen Fragen und Anregungen zur Verfügung. Nach ausreichend Zeit für alle Gäste, sich in Ruhe den eigentlichen Kunstwerken zu widmen, beginnen die Auftritte. Der erste Act besteht aus einem Duo, welches kabarettistische Chansons zum Besten gibt. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt ein Streichquartett, das von Jherek Bischoff, Bassist des 'Grand Theft Orchesters', angeleitet wird. Eine schöne Mischung aus klassischen Melodien à la Philip Glass mit modernem Basseinschlag. Auch eine Mark Snow X-Files Theme-Interpretation gehörte zum Repertoire der Band.
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Plötzlich wird es dunkel und unter Sirenengeheul und dramatischer Streichmusik schlägt sich die Band ihren Weg durch die Menge. Mit wenigen Requisiten und unkonventionellen Instrumenten ausgestattet, erschaffen sie auf einer kleinen Fläche inmitten der Ausstellungshalle eine improvisierte Bühne. Spontan werden auch einige Zuschauer einbezogen, die mit leuchtstarken Taschenlampen den Bühnenraum ins rechte Licht rücken. Die Band beginnt mit 'The Killing Type' ihre Show. Die Atmosphäre ist intim und locker. Anschließend untermalen die noch anwesenden Streicher die traurige Stimmung der folgenden Ballade, bevor es mit 'Polly' weitergeht. Dabei inszenieren sich Amanda Palmer und ihre Band wie in einem Theaterstück. Traurig, düster und aggressiv interpretieren sie den bekannten Nirvana-Song. Die Stimmung steigt beim Lou Reed-Cover 'Take a Look on the Wild Side', bei dem munter mitgesungen und geklatscht wird. Auch beim folgenden 'Map of Tasmania' kann sich die Band in Form lauter 'Funk It'-Rufe auf die Unterstützung des Publikums verlassen. Diese hält auch bei 'Want It Back' an, als Drummer Michael McQuilken das Publikum zum Stampfen und Klatschen instruiert und sich so alle zu einer großartigen Soundmasse verbinden. Zum musikalischen Abschluss des Abends begibt sich Amanda Palmer auf eine Anhöhe und alle lauschen gebannt ihrem 'Ukulele-Anthem'.
Im Anschluss daran folgt ein einmaliges Experiment. Amanda Palmer weist das Publikum auf die im Gimmick-Beutel verstauten Marker hin und bittet sie nun, ihre uneingeschränkte Kreativität zu nutzen. Hierfür offeriert sie ihren nackten Körper und macht sich selbst zum Kunstwerk. Es entsteht eine seltene Symbiose aus der Kreativität der eigentlichen Künstlerin und der Kreativität ihrer Anhängerschaft. Von Zögern seitens des Publikums kann keine Rede sein: Panik bricht unter jenen aus, die keinen Marker abbekommen haben und nun verzweifelt in ihren Taschen nach Stiften kramen. Alles in Allem ein ungewöhnlicher Abend mit einer ungewöhnlichen Künstlerin und den entsprechend ungewöhnlichen Fans. Mit einer anheizenden Performance haben es Amanda Palmer und ihre Band mal wieder geschafft, sich selbst als kreatives Zentrum eines avantgardistischen Abends zu setzen und sich sowie das Publikum zu überraschen.
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