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10cc sind eigentlich eher dem Pop-Genre zugehörig, animieren aber schon um 13:30 Uhr ein großes Publikum zum Mitsingen - mit bekannten Radiohits wie 'Wallstreet Shuffle', 'The Things We Do For Love' und natürlich 'Dreadlock Holiday'. 'Ist da wirklich von denen', fragt mich der Kollege eines anderen Magazins, 'oder haben die das gecovert?' Es ist natürlich von 10cc - aus dem Jahr 1978. Oldies könnte man sie nennen, Klassiker trifft es besser. Während eine leichte Brise Staub auf dem trockenen Boden aufwirbelt, ziehen am Himmel leider erste Wolken auf.
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Anschließend geben die Little Angels ein tolles Comeback. Die Hardrock-Band aus Scarborough war 18 Jahre von der Bildfläche verschwunden und hatte nun offenbar genug von der Pause. Das merkt man auch auf der Bühne, alle Beteiligten haben sichtbar großen Spaß, auch die zusätzlichen Musiker. Mit Trompeter und Saxophonist, die auch den Background-Gesang machen, sind sie ja schon fast eine Big Band. Songs wie 'She's A Little Angel' oder 'Boneyard' erinnern daran, was die junggebliebenen Briten einst zur Kultband machte.
Noch einer der Kult ist, ist Dee Snider. Der Twisted Sister-Frontmann gibt an den vier Festivaltagen insgesamt fünf Autogrammstunden. Er signiert sein neues Buch 'Shut Up And Give Me The Mic'. Die Warteschlange ist jedes Mal riesig.
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Vom klassischen Hardrock zum Thrash-Klassiker aus der Bay Area. Gitarrist Gary Holt ersetzt derzeit Jeff Hannemann bei Slayer, deshalb wird er durch den langjährigen Exodus-Veteranen Rick Hunolt vertreten, der 2004 ausgestiegen war und offensichtlich ein neues Gebiss hat, das auch ohne Sonnenschein reflektiert. Und auch ohne Holt machen Exodus vom Start weg keine Gefangenen. Frontmann Rob Dukes rast zu 'Last Leg Of Defiance' aggressiv auf die Bühne und fordert den Circle Pit vom Publikum, das erst noch in Schwung kommen muss. Zunächst vergebens, dafür gibt's den Mittelfinger. Hat Rob was genommen? Den Circle Pit gibt's dann doch noch, auch wenn die Beteiligten eher schmunzelnd im Kreis marschieren.
'Okay, ich weiß, wir sind in Schweden, dass ihr gern eine Menge trinkt und dass ihr Religion genauso sehr hasst wie ich', ruft Rob. Das gilt sicher nicht für alle. Aber religiös oder nicht, man hat Spaß. Bei Exodus wäre sicher mehr los, wenn parallel nicht Danko Jones auftreten würde. Die kleinere Sweden Stage erweist sich als zu klein für das kanadische Energiebündel, das zwischen Songs wie 'Sticky Situation' und 'I Think Bad Thoughts' noch ein Medley aus Nummern von Black Sabbath, Judas Priest und anderen unumstrittenen Bands zum Besten gibt. Das weiß man in Schweden natürlich zu würdigen - und umgekehrt. 'Ich fühl mich hier wohl, hier sind Leute wie ich - Rock'n'Roll-Leute', ruft Danko. 'Nicht wie bei anderen Festivals, wo Indie Rock und Pop läuft. Hier ist alles Rock'n'Roll, egal ob Metal, Death Metal, Hardrock, Classic Rock, es ist alles Rock!' Stimmt!
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Doom Metal gehört auch dazu. Dessen Vertreter sind Saint Vitus, und die machen den Soundcheck vor einem kleinen Publikum gleich mal selbst und werden dafür gefeiert. Währenddessen läuft im Hintergrund noch Dankos 'Code Of The Road', das mit Exodus um die Wette dröhnt. Der tatsächliche Auftritt von Saint Vitus beginnt 20 Minuten später mit 'Blessed Night'. Da ist es allerdings erst 15:45 Uhr. Die fette Gitarre von David Chandler schreddert zum zähen Groove. Nur der monströse Bass ist zu laut und übersteuert sogar. Guter Klang ist was Anderes, aber irgendwie stört es kaum bei der herrlichen Soundwand, die Saint Vitus aufbauen mit 'I Bleed Black', 'Let Them Fall' oder 'Mystic Lady'.
Der Duft von Gras liegt in der Luft, aber das liegt nicht am Rasen. Es stellt sich schnell raus, dass der Geruch aus dem Soundturm kommt. Daher vielleicht auch die Übersteuerung? 100 Meter neben der Bühne stehen hinter einer Absperrung die ersten Privathäuser. Falls die Bewohner zuhause sind, bekommen sie eine fette Ladung Doom direkt ins Haus. Als es mal schneller wird, kündigt Frontman Scott Reagers grinsend an: 'It's time to dance!' Saint Vitus zählen definitiv zu den Höhepunkten beim Sweden Rock 2012. Dave Chandler sehen wir am nächsten Tag noch mal. Er liegt mit einer 'Begleiterin' hinter einem Festivalzelt und ist 'sehr beschäftigt'.
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Von einem Höhepunkt zum nächsten. Night Ranger fegen geradezu über die große Festival Stage, als die Sonne sich um 16:30 Uhr noch mal zeigt. Diese Band ist in Europa trotz etwa 30jähriger Bandgeschichte noch eine Rarität. Bis 2011 waren sie auf diesem Kontinent gar nicht zu sehen, jetzt machen sie das mit 'Lay It On Me' und 'Sing Me Away' sofort vergessen. 'Wie viele von Euch haben Night Ranger schon mal live gesehen?', fragt Showman Jack Blades? Viele sind es nicht. Trotzdem oder gerade deshalb werden melodische Hardrock-Juwelen wie 'Rumours', 'Touch Of Madness' und 'When You Close Your Eyes' zelebriert. Man zeigt sich textsicher in Sölvesborg.
Das exzellente Set garnieren Night Ranger mit ein paar Leckerbissen, z.B. 'The Secret Of My Success', dem Titelsong des gleichnamigen Films mit Michael J. Fox. Und da Jack Blades' andere Band, die Damn Yankees (mit Ted Nugent und Tommy Shaw) nie in Europa getourt sind, spielen Night Ranger stellvertretend 'Coming Of Age' und 'High Enough'. Außerdem erinnert Gitarrist Brad Gillis mit 'Crazy Train' an seine Zeit bei Ozzy Osbourne. Die Menge sorgt für den Gesang - Heavy Metal Karaoke.
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Noch mehr Fotos vom zweiten Tag:
(Fotos: Philip Dethlefs)
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