|
Die gefühlt älteste rein weibliche Hardrockband Girlschool kann sich mittlerweile auch Golden Girlschool nennen, so viele Jahre haben sie mittlerweile auf dem Buckel. Die 'Mädels' sind noch gut drauf, bemühen sich aber zu offensichtlich, ihr Hardrock-Image mit mackerhaftem Gehabe zu pflegen. 'Oh, this beer is good', konstatiert Kim McAuliffe reichlich unauthentisch und sorgt damit für Lacher im Publikum. Denn das Zeug will so gar nicht schmecken.
|
|
 |
|
|
|
Krönung des kurzen Sets ist natürlich 'Race With The Devil', auf das (mal wieder) alle gewartet haben. Anschließend lässt Kim dann noch Lemmy grüßen, der ja schon gestern auftrat. Schade eigentlich. Denn hätten Girlschool am gleichen Tag wie Motörhead gespielt, hätten die beiden Bands vielleicht Headgirl und 'Please Don't Touch' aufleben lassen. Fraglich ist aber eher, warum Girlschool nach 60 Minuten aufhören, wenn sie 75 haben, obwohl so viele Leute schon um 12 Uhr vor der Bühne stehen.
Auf der großen Bühne geben Return ihr Comeback. (Schon wieder gilt: Nomen est omen. Hoho!) Außerhalb ihrer Heimat weniger unbekannt, sind die Schweden mit dem Umhänge-Keyboard zuhause wahre Helden. Ihre Setlist ist offensichtlich gespickt mit zahlreichen Superhits (in Schweden), darunter 'Ridin' On A Rainbow', 'The Loner' und 'Friends Will Be Friends'. Die überwiegend schwedischen Festivalbesucher singen begeistert mit, die Nicht-Schweden lässt es trotz des warmen Wetters eher kalt.
|
|
|
 |
|
|
Mal schauen, ob es möglich ist, einen Absatz über Fish zu schreiben, ohne Marillion zu erwähnen. Oh, zu spät! Aber der schottische 2-Meter-Mann bringt mit 'Assassing' und 'Fugazi' gleich zwei gefeierte Marillion-Sons in seinem Set unter, das er mit 'Faithhealer' von der Sensational Alex Harvey Band gestartet hat. Viele Zuhörer liegen in der Sonne und lauschen entspannt den Neo-Prog-Klängen. Andere tanzen sogar dazu. Doch genau wie vor zwei Jahren bei Fishs Ex-Bandkollgegen will sich auch bei ihm das Feld vor der Rock Stage nicht so recht füllen. Wahrscheinlich ist die Musik einfach zu anspruchsvoll, als dass man damit die 'Laufkundschaft' des Festivals binden könnte.
Weiter im Programm. Orange Goblin wurden zweifelsohne schon vorher als einer der Höhepunkte des Sweden Rock Festivals 2012 gehandelt. Schließlich sieht man die Briten, die schon seit über 15 Jahren aktiv sind, nicht so häufig. In Schweden sind sie zuletzt vor 10 Jahren aufgetreten. Und als sie in Sölvesborg endlich die Bühne betreten, kommt ein Sturm auf - musikalisch und am Himmel.
Das Publikum ist überschaubar, aber beinahe extatisch, als 'Red Tide Rising' aus den Boxen dröhnt. Die mächtige Soundwand von Orange Goblin überrollt sie geradezu mit 'Quincy The Pigboy', 'The Fog' und 'They Come Back'. Das gut gelaunte Kraftpaket Ben Ward reißt alle mit. Dem kann man sich nur schwer entziehen, doch Bad Company beginnt leider gleich.
|
|
 |
|
|
|
Mit 'Can't Get Enough Of Your Love' spielen Bad Company gleich zum Start ihren wohl bekanntesten Hit. Der ewig jungegebliebene Paul Rodgers stürmt dazu den Laufsteg, und das Publikum ist sofort da. Na klar, Bad Company in Beinahe-Originalbesetzung (minus Boz Burrell, R.I.P.) sind ein echter Hochkaräter. Ihr lockerer Rhythm'n'Blues/Rock'n'Roll-Sound ist genau das richtige für die späte Nachmittagssonne. Schon wieder ist da dieser unglaubliche Spaßfaktor, der von der Band ausgeht, insbesondere natürlich von Showman Rodgers, der sich auf dem Laufsteg ausgesprochen wohlfühlt.
Der Sänger erzählt von der 70ern, sieht aber trotz seiner 62 Jahre nicht so aus, als hätte er da schon Musik gemacht. Und er hört sich auch nicht so an, so perfekt und glatt klingt seine Stimme. Wie macht er das nur? Damit veredelt er die insgesamt 17 Klassiker geradezu, darunter 'Feel Like Making Love', 'Shooting Star' und 'Burnin' Sky', bei denen das Publikum teilweise lautstark mitsingt. Großartig!
|
|
|
 |
|
|
Eine Band wie Slaughter, aus der Asche der Vinnie Vincent Invasion hervorgegangen, hat sicherlich nur selten so ein dankbares Publikum zu erwarten wie auf dem Sweden Rock Festival. Hier wird der Poser-Hardrock der 80er kultisch verehrt. Damit auch jeder weiß, wer Slaughter sind und waren, laufen vorher auf dem großen Bildschirm neben der Bühne alte Musikvideos. Geholfen hat es nicht. Die Band um Mark Slaughter und Originalbassist (und mittlerweile auch Manager) Dana Strum erweist sich in Sölvesborg nicht als Publikumsmagnet.
Daran dass der einstige Frauenschwarm Mark deutlich zugenommen hat, liegt es garantiert nicht. Eher daran, dass der Katalog von Slaughter nicht gerade reich an brillanten Songs ist. 'Burnin' Bridges' ist sicherlich einer, die anderen beiden sind 'Fly To The Angels' und 'Up All Night'. Die Band ist sich dessen wohl selbst bewusst und spielt nur 70 der geplanten 90 Minuten. Schade, denn Mark hat immer noch eine tolle Stimme. Man stelle sich vor, er hätte die Songs vom zweiten Vinnie Vincent-Album im Set. Das wäre ein musikalischer Quantensprung ...
Hier geht's weiter.
Noch mehr Fotos vom vierten Tag:
(Fotos: Philip Dethlefs)
|