|
'Was?!' Mick Mars muss lachen, als ich ihn frage, ob das die letzte Europa-Tournee für Mötley Crüe ist. Frontmann Vince Neil hatte ja angedeutet, dass er demnächst möglicherweise aussteigen werde. Symbolisch hält sich Mick die Hand vor den Mund, als wollte er sein Lachen verbergen, aber dann: 'Das wird definitiv nicht die letzte Crüe-Tournee. Wir werden noch viele Male wiederkommen! Ganz sicher!' Klarer kann man es wohl nicht sagen. Und lauter kann man wohl nicht werden, als es Mötley Crüe in der Max-Schmeling-Halle sind.
Bei Slash und Myles Kennedy, die mehr Co-Headliner als Vorband sind, war der Sound noch großartig gewesen. Aber was ist jetzt los? Es ist nicht die Gesamtlautstärke, die das akustische Vergnügen beeinträchtigt, sondern der völlig überzogene Bass, der alles andere überschattet. So dauert es einen Augenblick, bis so mancher den Opener 'Wild Side' überhaupt als solchen identifiziert. Im Verlaufe der Show wird sich das glücklicherweise noch legen.
|
|
|
 |
|
|
Die Fans bekommen im wahrsten Sinne des Wortes die volle Dröhnung - und dazu eine spektakuläre Bühnenshow. Deren Höhepunkt kommt in der Mitte, nachdem mit 'Smoking In The Boysroom' ein Song komplett verunglückt ist. Kurz vor Einsetzen des ersten Refrains wird der Sound so dröhnig und schräg, dass Mötley Crüe die Nummer abbrechen. 'Oh, das müssen wir reparieren', flachst Vince Neil. Repariert wird aber gar nichts, statt dessen kommt der besagte Höhepunkt in Form des Drum-Rollercoasters.
|
|
 |
|
|
|
Schon zu Beginn der Show fiel der knapp 15 Meter hohe, geschlossene Achterbahn-Looping auf der Bühne auf, in dem das Drumkit von Tommy Lee platziert ist. Selbst wenn man es schon im Internet gesehen hat - man muss es einfach live erlebt haben. Auf dem kreisförmigen Videobildschirm hinter dem Looping erscheint eine riesige Hand, die das gesamte Drumkit samt Tommy Lee im Looping rauf und runterschiebt, während Tommy munter weiterspielt, schließlich sogar kopfüber. Anschließend nimmt Tommy sogar noch einen weiblichen Fan auf dem 'Beifahrersitz' mit, während 'Love Roller Coaster' aus den Boxen dröhnt. Ein echtes Spektakel!
|
|
|
 |
|
|
Verrückte Aktionen mit dem Schlagzeug gab es schon in der Band White Horse, die Mick Mars in den 70ern (damals noch als Bob Alan Deal) formierte. Dort gab es sowohl ein Drumkit, das kopfüber stand, als auch eins, das sich komplett drehte. Stammt die Idee also gar nicht von Tommy Lee (wie er gern mal behauptet)? 'Die Idee gab es natürlich schon bei White Horse', sagt Mick, der sich offensichtlich freut, dass ich ihn auf seine alte Band anspreche. 'Aber Tommy hat es dann weiterentwickelt.' Und wie er es weiterentwickelt hat!
Weiter zur zweiten Seite.
(Foto 1: Glenn Francis, Foto 2-4: Philip Dethlefs)
|