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Blur - Zärtliche Abhandlungen über Entfremdung und Verlust

Potsdam, Paris, Madrid, Tokio? Was für eine verquere Reihenfolge. Trotzdem suchten sich die Briten das beschauliche Potsdam, genauer gesagt die Studios des ORB-Senders Radio Fritz aus, um dort ihr neues Album zu präsentieren.

Am 7. April durften sich einhundert glückliche Fans und Journalisten vor die winzige Bühne drängen, die euphorisch-hysterische Ansage eines Moderators ertragen und Zeugen eines der exklusivsten Gigs werden, die Blur je gespielt haben. Aufgeregt waren aber sicherlich auch Blur, denn in der neuen Besetzung waren sie bis dato noch nicht aufgetreten. Ein wenig rostig waren sie ja schon, dass Damon ganze Akkordfolgen vergißt, habe ich zumindest zuvor noch nie erlebt, und auch sonst war der Ablauf des Abends nicht gerade als glatt und routiniert zu bezeichnen.


Mit "Ambulance" begann die Band sofort den Einstieg in das neue Album, wie so oft gibt dieser erste auf "Think Tank" zu findende Song auch das Motto vor: "I ain't got/Nothing to be scared of/'Cos I love you/I know I'm not all there/But I'm getting, getting, getting there/If you let me live my life". Die Abwesenheit von Gitarrist Graham Coxon machte sich während der Auftritts stark bemerkbar, wenn auch nicht so sehr in der Musik, als vielmehr diesem leeren Fleck auf der linken Seite Damons, und auch den fehlenden Rufen, die Fans während der Konzerte sonst in diese Ecke gerichtet hatten. Der nicht zu füllenden Lücke versuchen Blur durch einen Tourgitarristen entgegenzuwirken: Zur Überraschung nicht nur Grahams (wie er im NME verlauten ließ) springt dabei nicht ein "Niemand" ein, sondern Simon Tong, neben Nick McCabe ehemals zweiter Gitarrist bei The Verve. Von Drummer Dave Rowntree konnte ich gar nichts sehen, und auch Alex James kam - leider, leider! - nur selten in mein Blickfeld, so dass ich nicht berichten kann, ob er sich an das strikte Rauchverbot hat halten können.

Der Sound des neuen Materials fällt durch den starken Einsatz von backing vocals, um nicht zu sagen -Chören auf; zu neunt standen die Musiker auf der Bühne. Ob dies nun eine Kompensation sein soll oder ein Schritt ist, den Blur auch mit Graham im Team getätigt hätten, darüber gehen die Meinungen auseinander. Obwohl sie schon mit ihrem letzten Werk 13 in eine neue Richtung gegangen sind, überrascht doch der ziemlich elektronische Ansatz der Musik - zusätzlich sorgte auch der nicht gerade optimale Sound im kleinen Fritz-Studio dafür, dass die Beats und Bässe noch mehr auffielen als beim späteren Hören des Albums.

 


Während der 90 Minuten zeigten Blur auch wieder einmal ihre liebenswerten Eigenschaften, so nämlich Humor, Lockerheit und den guten Willen, auf Zurufe des Publikums eingehen. Im Verlaufe dieses Abends führte das dazu, daß die Band Live-Favoriten wie "Popscene" (von 1992), "T.O.P.M.A.N.", "Girls and Boys" und "Song 2" und auch melancholischere Songs wie "Badhead" und sogar "Trimm Trabb" zum besten gab und das Gefühl vermittelten, sich in einer intimen Fanclub-Veranstaltung und nicht auf einer Promo- und Aufwärm-Aktion zu befinden. Einfach herrlich! Diese Flexibilität sorgte auch dafür, daß der Gig etwas länger ausfiel als geplant und die Stimmung im Publikum immer überschwänglicher wurde. Nur der eine Ruf nach "You´re So Great" wurde ignoriert, oder vielleicht auch nicht gehört. Zwar mokierte sich irgend jemand über den Rausch der ersten Reihen mit der spöttischen Bemerkung, "ihr benehmt euch wie Fünfzehnjährige" - aber daraus schien eher eine gewisse Sehnsucht zu sprechen. Mit "This Is A Low" schlossen Blur ihr gelunges Set ab und entließen glückliche Hörer in die Potsdamer Nacht. (Und die Suche nach einer Möglichkeit, wieder in die Stadt zu kommen!)

Ein seltsamer Beigeschmack bleibt. Im Jahr 2000 spielten Blur zuletzt in Originalbesetzung, auf Scott Walkers Meltdown-Festival in London. Kurze Zeit später erschien ihr "Best Of"-Album, gefolgt von einer langen Pause von jeglichen Bandaktivitäten, die von den Bandmitgliedern dazu genutzt wurde ihre jeweiligen Hobbies zu verfolgen: Und das nächste Studiotreffen 2002 offenbarte tiefe Risse zwischen Graham und dem Rest der Band. Kaum nachzuvollziehen sind die folgenden Monate, in denen der NME immer neue Erkenntnisse und so unautorisierte wie fragwürdige Kommentare Norman Cooks veröffentlichte. Graham habe sich von Blur getrennt und auf dem neuen Album nicht mitgewirkt. Ohne den Bassisten flogen die zum Trio geschrumpften Blur zu Aufnahmen nach Marokko.
Gegenüber dem britischen Q Magazine schüttete Graham schließlich sein Herz aus und beschuldigte mit der Einschätzung, "honesty and communication" habe es in der Band schon lange nicht mehr gegeben, die anderen Bandmitgliedern eben so wie sich selbst. Dennoch waren es wohl auch seine Alkoholprobleme, die für zusätzlichen Konfliktstoff sorgten. Inzwischen haben sich die Parteien wieder beruhigt und Graham sich in die eigenen Projekte gestürzt. Die Freundschaft, wenn man sie denn jemals als solche bezeichnen konnte, von Graham zu Alex James scheint sich stabilisiert zu haben. "We chat, have coffee and talk about the mundane and the cosmic. We go down Bond Street. And that´s it, really. We don't talk about what's going on [with Blur]. We're just back on track with that friendship as was."

Blur erleben derweil die Hektik, die eine neue Veröffentlichung immer umgibt, und balancieren dabei die hohen und nicht immer übereinstimmenden Erwartungen von Kritikern und Fans. Im Intro-Interview bezeichnete Dave die Platte als "die beste, die wir je gemacht haben" und sprach von dem Druck, der vor und während der Aufnahmen auf Blur gelastet habe. "Wir waren uns bewusst, dass wir die Platte unseres Lebens machen mussten. Sonst würden die Leute uns abschreiben. Wir haben viel mehr gearbeitet als wir eigentlich mussten. Wir haben fast 40 Songs begonnen, knapp 30 sind fertig geworden. Es gibt mehrere grandiose Hit-Singles, die es nicht aufs Album geschafft haben."
Die vieldiskutierte Arbeit mit Norman Cook aka Fatboy Slim beschränkt sich letztendlich auf nur zwei Stücke, während die übrigen Songs von Ben Hillier und Blur selbst produziert wurden. Schon die erste Single, "Out Of Time", ist ein gutes Zeichen dafür, dass Blur es mal wieder geschafft haben ungeachtet derzeitiger Trends ihren sehr eigenen Sound zu schaffen. Sehr roh klingen die Tracks teilweise, es ist nicht ganz einfach, die jedem Songs zugrunde liegende Melodie zu entdecken, die meist durch Damons selten so wunderbar klingende Stimme transportiert wird.


Das Video zu "Out Of Time", gedreht von John Harwick, beruht auf einem BBC-Dokumentarfilm über das Leben von Frauen und Männern, die auf Kriegsschiffen ihren Dienst leisten. Aus den verschiedenen Geschichten dieser Doku schnitt Hardwick das Portrait einer jungen Soldatin, die nicht nur unter der Trennung von ihrem zu Hause gebliebenen Kind leidet, sondern auch den Partner vermisst, der auf einem anderen Schiff dient. "Die Idee, Teile eines Dokumentarfilms für ein Video zusammen zu schneiden, kam mir, als ich den Bericht "Warship" im Fernsehen sah", erklärt Hardwick. "Ich merkte plötzlich, dass einige der im Film dargestellten Personen eine Zerbrechlichkeit offenbarten, wie ich sie auch in dem Song verspürte."
Nicht nur "Out Of Time" vermittelt dieses Gefühl von Entfernung und Verlust, auch vielen anderen Songs ist eine Zärtlichkeit und Melancholie eigen. Insbesondere "Battery In Your Leg" scheint das Leben der Band und der vier so unterschiedlichen Individuen zu resümieren: "This is a ballad for the good times/And all the dignity we had". Ob es für dieses traurige Ende noch eine Fortsetzung gibt?


 

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Birte
© 05/2003 whiskey-soda.de
 


Kurzinfos: Blur

Homepage:
- Blur

Artikel:
- Blur - Zärtliche Abhandlungen über Entfremdung und Verlust
- Blur - am 20.10.03 im Berliner Tempodrom

Rezensionen:
- Think Tank
- Midlife - A Beginners Guide To

Kurzinfos: Graham Coxon

Kurzinfos: Fatboy Slim


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