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Zunächst einmal waren da Pinkostar, eine neue deutsche Hoffnung, die mit ihrem Brit-Rock mäßigem Sound eher bescheiden herüberkamen, und somit das Publikum nicht unbedingt zu Begeisterungstürmen ermunterten. Lediglich als die Band die amerikanische Nationalhymne mit einem äußerst unfreundlichen, neuen Text dekorierte, wurde gejubelt. Es scheint, als würde der Großteil der Masse zur Zeit verständlicherweise antiamerikanische Äußerungen mit Jubel quittieren.
Danach war erst mal Pause, und man fing schon an, sich über die überdimensionalen, langarmigen Gebilde zu wundern, die da in der Halle herumstanden und -hingen. Dann wurde aber klar, daß Subway To Sally beschlossen hatten, das Medium DVD für sich zu entdecken, und eine der schon legendären Berliner Liveshows aufzuzeichnen.
Möglicherweise gab das zusätzlich noch einen kleinen Kick für das eh schon ausgelassene Publikum, und ab der ersten Sekunde brach die Hölle los. Denn Subway To Sally machten live gnadenlos da weiter, wo sie mit "Engelskrieger" aufgehört haben. Es krachte und donnerte aus den Boxen, dass die Fetzen flogen, und es sollte 2 Stunden und 15 Minuten genau so weitergehen. Drummer David saß auf einem verschiebbaren Drumkit, welches mehrfach quer über die Bühne geschoben wurde, um spektakulär heißem Feuerwerk Platz zu schaffen. Die üblichen Feuerspuck-Einlagen durften natürlich auch nicht fehlen.
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Wobei es da auch schon mehr oder weniger mit dem Althergebrachten aufhörte. Denn Subway To Sally haben auch live jede Menge Ballast über die Reling geworfen. So gab es kein "Horo", keine "Braut", keinen "Bräutigam", und auch sonst fehlten diverse Klassiker, die bisher unumstößliche Bestandteile der Liveshow waren. Böses Erwachen? Nein. Traum vom Tod? Nein. Der Sturm? Nein. Die Liste ließe sich noch fortführen... Gespielt wurde das neue Album, inklusive der grandiosen Single "Falscher Heiland", und allen anderen Highlights. Dazu kamen "Herrin des Feuers" (trotz der hübschen Effekte der einzige echte Langweiler des Abends), natürlich "Kleid aus Rosen", "Mephisto", aber auch "Kruzifix" und "Minne". Somit war trotz allen fehlenden Klassikern die Songauswahl aller Ehren wert. (Irgendwie ist das ja aufgrund der Fülle genialer Songs auch nicht wirklich schwierig...)
Die Neuinterpretation von "Wenn Engel Hassen" war sensationell. Der melancholische Unterton der CD - Version wurde gänzlich weggelassen, um einer Art stählernen Kälte und Gefühlslosigkeit Platz zu machen, die den Text in völlig neuem Licht erscheinen läßt. Das Publikum fand es großartig, und gab fanatische Zustimmungsbekundungen.
Nach mehreren Zugaben schließlich war der Set wohl offiziell beendet , aber trotz des grandiosen Auftrittes schien das Publikum das Fehlen eines Klassikers nicht hinnehmen zu wollen. Und so beschlossen wohl 3000 Leute, "Julia und die Räuber" selbst zu singen. Wenn die Band es nicht macht, dann müssen wir halt selber ran, dachte man sich und schrie "Blut, Blut, Räuber saufen Blut..." anstelle von "Zugabe". Und es hat funktioniert, Julia und auch die Räuber durften dann doch noch ran.
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Das Publikum hatte danach trotz der bereits wieder anlaufenden Hintergrundmusik immer noch nicht genug und sang einfach immer weiter. Sänger Eric war so überwältigt, daß es dann eben noch einen drauf gab, und der hatte sich gewaschen. Ein Roadie wurde auf eine der rechteckigen Platten, aus denen die Bühne besteht, gestellt, und wurde dann zu den akustischen Klängen von "Arche" aufs Publikum rausgelassen. Wie ein Surfer in die Knie gehend, wurde er vom Publikum über den Köpfen durch die Halle getragen, und er brachte doch tatsächlich das Kunststück fertig, nicht herunterzufallen. Danach war aber entgültig Schluß, und jedem, der dabei war, wurde klar: so ein Konzert erlebst Du so schnell nicht wieder. Wieviel Konzerte Subway To Sally bereits gespielt haben, es werden Hunderte, wenn nicht Tausend, sein, eines wie dieses gab es möglicherweise noch nie; und wir alle können nur hoffen, daß es auf DVD genug gewürdigt wird. Bis dahin bleiben die Erinnerung an den sensationellsten Live - Auftritt einer Band seit Jahren, und die Hoffnung, allen Kritikern von "Engelskrieger" mögen endlich die Argumente ausgehen.
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