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Agnes Obel - So sprechet sie los

Es ist ein schwieriger Abend für Agnes Obel. Eingepackt in einen Schal und mit reichlich Ingwer-Tee und stillem Wasser in unmittelbarer Reichweite nimmt sie vor dem schwarzglänzenden Konzertflügel Platz und schält sich zu den Klängen von 'Louretta' aus der Dunkelheit. Es ist die saisonale Erkältung, die die dänische Künstlerin plagt, und die auch vor der stimmlich angeschlagenen Support-Musikerin Erin Lang (Feral & Stray) nicht Halt gemacht hatte. Doch da ist noch etwas, das auf ihr lastet: die Erinnerung. Beidem sollte Agnes Obel heute nahezu heldenhaft trotzen.


Für sie und ihre Cellistin Anne Müller ist es nicht der erste Auftritt in der Kölner Kulturkirche. Leider nicht, denn was sich einige Jahre zuvor dort abgespielt hat, muss laut den beiden ein Schlüsselerlebnis im bittersten Sinne gewesen sein. Es scheint - was aus heutiger Sicht kaum zu glauben ist - eine graue Vorzeit gegeben zu haben, in der Agnes Obels Konzerte mitunter weit davon entfernt waren, jedermann zu verzaubern. Umso mehr brennt Agnes Obel hier und jetzt darauf, dem ungebetenen Schreckgespenst entgegenzutreten. Und darum spielen die Damen Obel und Müller gemeinsam mit Mika Posen, der jüngsten Ergänzung an der Violine, am heutigen Mittwoch eine neue Auflage des damals wohl völlig verkorksten 'Riverside'. Und siehe da: Es gelingt!


'Ich hoffe, die Kirchenbänke sind nicht zu hart', wandte sich Agnes Obel gelöst an ihr Publikum, als sich schon klar abzeichnete, dass die drei Musikerinnen an diesem Abend die Lutherkirche dominieren würden. 'Ich jedenfalls sitze sehr bequem.' Sie bemüht sich, möglichst oft Deutsch zu sprechen. Auch in Bezug hierauf sind gegenüber früheren Tourneen erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Dabei stellt sich der Wahl-Berlinerin weniger in der korrekten Aussprache ein Problem, als vielmehr im Auffinden der passenden Vokabeln. Die Tasten, die es braucht, um den Zuhörern einen wohligen Schauder über die Wirbelsäule zu jagen, finden ihre Finger dafür mit Leichtigkeit. Es scheint, als schwebten die sich bei schummrigem Licht im Klavierlack spiegelnden Hände wie Nachtfalter durch die Abendluft.

 


Der an einige unkultivierte Zuschauer der vorderen Reihen gerichtete, freundlich-bestimmte Vorschlag Anne Müllers, dem Konzert nicht bloß filmend und fotografierend durch flackernde Smartphone-Displays beizuwohnen - wie es heutzutage leider üblich geworden ist -, sprach wohl einem überwiegenden Anteil der Konzertgäste aus der Seele, wie jener durch zustimmenden Beifall nachdrücklich kundtat.

Auch sonst war das Publikum im Gotteshaus um laute Begeisterungskundgebungen nicht verlegen. 'On Powdered Ground', welches das Tour-Publikum der 33-Jährigen bisher ausschließlich als intensives Schlusslicht der Setlist kennenlernen durfte, integrierte man für die 'Aventine'-Tour mittig in die Performance. An Dringlichkeit büßt es darum aber noch lange nicht ein, und auch das nicht enden wollende, manische Crescendo am Ende des Stücks unterfiel keiner ärgerlichen Kürzung. Gleich einer Aufforderung an die Zuschauer, sich doch bitte schnellstmöglich vollkommen zu verlieren, wallte die eindringlich gestrichene Hookline bis knapp an die akustische Stressgrenze aus der Anlage. Und dann... ist es mit einem Male still; purpurrotes Zwielicht verschluckt die Szenerie.


Wem es bisher lediglich vergönnt war, Studioaufnahmen zu lauschen, dem wird sich an diesem Abend ein ungleich umfassenderer Höreindruck erschlossen haben. Die Schlichtheit, durch die sich die Musik Agnes Obels auszeichnet, entfaltet eben erst im Rahmen einer Live-Show ihre volle Wirkung. Unwillkürlich möchte man nach weiteren Instrumenten und Bandmitgliedern suchen, so gewaltig und umwerfend greifen die Klänge dreier Saiteninstrumente hier ineinander. Als hätte man sie einzig und allein für das Obel-Ensemble konstruiert. Es stellt sich mithin nicht mehr die Frage, ob man auf andere Art und Weise musizieren kann. Sondern eher die, ob man überhaupt anders musizieren sollte.

 


Unter standing ovations und dem tosenden Applaus der non-liturgischen Kirchgänger endet das Zugaben-Stück 'Katie Cruel'. Es scheint, als habe selbst der Kronleuchter über den Bänken Skrupel, das Konzert einem Ende zuzuführen, so zögerlich glimmen dessen Lichter wieder auf. Um rasch wieder zu erlöschen, als Agnes Obel allein ein letztes Mal die Bühne betritt und mit dem zum Gutenachtlied auserkorenen 'Smoke & Mirrors' den Konzertabend ausklingen lässt. Vermutlich haben in der sich anschließenden Nacht so einige genau deswegen besser geschlafen. Die geruhsamste Nacht aber wird Agnes Obel selbst vorbehalten gewesen sein, denn was gibt es schon Genugtuenderes, als nicht allein eine Erkältung, sondern zugleich auch die Dämonen der eigenen Vergangenheit zu bezwingen?


Fotos: Valentin Erning


 

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Valentin
© 11/2013 whiskey-soda.de
 


Kurzinfos: Agnes Obel

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Artikel:
- Agnes Obel - Tierpräparat gegen Autobiografie
- Agnes Obel - So sprechet sie los
- Agnes Obel - philharmonisch-vollendet

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