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Rob Zombie - Zombiekalypse in der Schweiz

Ein Musiker, der an einem Konzertabend ein Cover vom Urvater aller Gruselrocker, Mr. Alice Cooper sowie eines der NWOBHM-Veteranen Diamond Head auf die Bretter legt, hat beim durchschnittlichen Metalhead schon mal nicht völlig verkackt, so viel ist sicher. Ein wirklich schlechter Rockmusik-Abend konnte das also nicht werden, als Industrial-Hippie-Grusel-Rocker Rob Zombie rief. Daß der Auftritt in der Eishalle Wetzikon bei Zürich trotz allem weit davon entfernt war, ein außerordentlicher Konzertabend zu werden, zeichnete sich schon durch das nur langsam eintröpfelnde Publikum am späten Nachmittag ab. Daß Co-Headliner Megadeth ihren Auftritt abgesagt hatten, dürfte nicht eben hilfreich gewesen sein. Nicht wenige Megadeth-Shirts mit alles andere als euphorischem Blick wurden im Laufe des Abends auf dem Konzertgelände gesichtet.

Als Ersatz für die Thrash-Metal-Veteranen um Dave Mustaine durften die bereits während des New-Metal-Hochs Ende der 90er Jahre im deutschsprachigen Raum kaum bekannten Powerman 5000 einspringen. Praktisch, wenn man einen Bruder hat, der in einer sogar stilistisch ähnlichen Rockband spielt und im Notfall einspringen kann: Der blonde Powerman-Frontmann Spider One ist der jüngere Bruder von Robert Cummings aka Mr. Rob Zombie. Das Publikum ist skeptisch und bevölkert zu Beginn des gut halbstündigen Support-Auftritts auch mit nur rund 700 Musikfreunden die 4500-Personen-Halle. Nu-Metal mit Industrial-Touch wirkt ja oft ein wenig aus der Zeit gefallen, wenn er nicht durch originelle Elemente (wie im Fall von Headliner Rob Zombie) ein längeres Verfalldatum hat. Der Sound von Powerman ist bescheiden und bei weitem nicht so fett wie es die zumindest ansatzweise knackigen Riffs erwarten lassen. Das passt zur Performance des Quintetts, die man bestenfalls als bemüht bezeichnen kann und so reagiert das Schweizer Publikum auf den gut halbstündigen Auftritt dann auch eher höflich als begeistert.

 

Avatar aus Göteborg in Schweden haben gerade mit ihrem neuen, bereits sechsten Album "Hail The Apocalypse" im Rücken ihre US-Tour beendet und sind nach fünf Jahren das erste Mal wieder in der Eidgenossenschaft Live auf der Bühne zu sehen. Die Herren um Frontmann Johannes Eckerström geben mit dem Titelsong vom neuen Album gleich zu Beginn Vollgas. Eckerström ist zweifellos ein Hingucker und erinnert mit seiner Trademark-Kostümierung inklusive Hut, rotem Samt-Frack, Reiterstiefeln, schwarz geschminktem Clownsgrinsen und Gene-Simmons-Gedächtnis-Zunge wie eine Mischung aus dem Batman-Joker und Marilyn Manson. Im Takt zum knusprig-groovigen Riff des Titelsongs fuchtelt der Frontmann mit seinem Spazierstock herum, während die Saiten-Riege beeindruckend synchrone Windmills drehen lässt. Der Start hätte schlechter laufen können! Die Riffs und Soli klingen typisch nach Göteborgs Melodic-Death-Metal, Eckerströms Gesang ist irgendwo in mittlerer Tonlage zwischen Growls und Screams angesiedelt. Trotz des Gitarrensounds, der gefällt, sticht die Band aber dann doch eher bei den Songs, die sich musikalisch etwas abseits bewegen aus dem Einheits-Sound heraus. An den Stellen, an denen Eckerström singt und die Band ihren Windmill-Modus variiert, wie beispielsweise der Ballade 'Bloody Angel', kommen die interessantesten Momente beim Auftritt der Skandinavier zustande.

Auch wenn das Metal-Publikum mit seinen optischen und akustischen Erwartungen wohl gut bedient wird, wirkt die Bühnenpräsenz von Avatar dennoch bemüht, teilweise fast aufgesetzt. Als wolle man das Image der netten Jungs aus der Nachbarschaft mit einem morbiden Anstrich überspielen. Das geht von den Kostümen über den irren Blick mit aufgerissenen Augen und langer Zunge bis zum synchronen Headbangen. Man merkt den Jungs an, daß sie mit Leidenschaft bei der Sache sind, sie sind zweifellos gute bis sehr gute Musiker und das Publikum hat seinen Spaß. Trotzdem drängt sich leider leider der Gedanke auf: Ganz gut, aber alles schon mal gesehen. Das ist umso bedauerlicher, weil die musikalische Klasse der Einzelmusiker da ist - aber der eigene Stil scheint noch nicht so ganz gefunden. In der Zwischenzeit hat sich aber auch die Halle nochmals deutlicher gefüllt - klar. Der Zombie-Meister ist ja auch im Anflug.

 

Im wahrsten Sinn des Wortes wirbelt, tanzt und rappt seine Zombieheit um 21.40 Uhr mit Schlapphut und Leder-Fransen-Jacke zu den Riffs von 'Teenage Nosferatu Pussy' auf die Bühne. Gitarrist John 5, ebenfalls wie meist in exzentrischem Outfit mit bizarrem Helm, grün beleuchteter Gitarre und einem langen, schwarzen Mantel. Mit dem richtigen Licht kommt auch die Bühnendekoration mit riesigen Bildern von Horrorfilm-Darstellern und den Max-Schreck-Nosferatu-Mikrofon-Ständern besser zur Geltung als bei den Vorbands, auch wenn die Bühnenchoreographie nicht gänzlich der auf größeren Bühnen entspricht. Während also draußen ein Sommer-Gewitter niedergeht, feiert die Halle mit Rob Zombie und Band ein Sound-Gewitter, die Blitze ersetzt durch eine stimmige Light-Show. 'Superbeast' mit seinem groovig-tanzbaren Drive begeistert die Menge und Mister Zombie beweist auf der Bühne, daß er sich auch mit knapp 50 Jahren keine Sorgen um seine Knochen macht: Da wirbeln die Dreadlocks im Kreis, daß auch die Jungs von Avatar mit ihren 20 Jahren jüngeren Nackenmuskeln nicht besser aussehen. Zu den pychedelischen Industrial-Klängen von 'Living Dead Girl' balanciert der Meister gestützt von Helfern auf dem Absperrgitter und verteilt High-Fives an seine begeisterten Fans. Der Sound ist klasse und die Stimme von Zombie erinnert einmal mehr an die vom großen Vorbild und Freund Alice Cooper.

Rob Zombie - Zombiekalypse in der Schweiz Seiten 1 2

 

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DanielF
© 06/2014 whiskey-soda.de
 


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