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Deafheaven & Chelsea Wolfe - Bipolar im Beatpol

Die Tradition des ehemaligen Starclub und jetzigen Beatpol am Rande Dresdens geht auf keine Kuhhaut; die Innenwand der Location ist entsprechend lückenlos mit den Tourplakaten ehrwürdiger Gäste aus aller Welt beklebt. Am vergangenen Sonntag lockten die nächsten Ausnahmeerscheinungen Publikum aus einem beträchtlichem Einzugsgebiet unter die marode Stuckdecke seines Konzertsaals. Mit Chelsea Wolfe und Deafheaven kamen zwei Headliner, die sich Auftrittszeit und Aufmerksamkeit salomonisch teilten.

Letztere fokussierte Chelsea Wolfe mit dem für sie typischen Versteckspiel wirkungsvoll. Im permanenten Gegenlicht und in einen weißen Schleier gehüllt nimmt die Musikerin Deckung hinter zwei Mikrofonständern. Mit gesenktem Kopf aber kristallklarer, durchdringender Stimme webt sie gespenstische Loops in den Opener 'Movie Screen' ein und multipliziert sich in alle Himmelsrichtungen. Es ist eines von relativ vielen 'Apokalypsis'-Stücken an diesem Abend; Seit an Seit mit Songs des aktuellen, elektronisch geprägten Albums 'Pain Is Beauty' findet das Set zu einer bemerkenswerten Balance. Wolfe und Band fesseln von der ersten Minute, nein!, der ersten Sekunde an und entreißen das Publikum dem verregneten Sonntagabend. Ein Blick in die Augen der Künstlerin erscheint unmöglich, ein Blick in die eigenen Abgründe dagegen ausgesprochen verlockend. Geisterhaft schreitet Chelsea Wolfe durch ihr dreiköpfiges Aufgebot an Musikern und erzeugt enorme Bühnenpräsenz, wo eigentlich keine sein dürfte.


Songs wie 'Feral Love', das der offizielle Teaser zur vierten Game Of Thrones-Staffel zu ihrem bekanntesten gemacht haben dürfte, oder 'We Hit A Wall' nehmen die Konzertgäste dankbar auf. So auch das hypnotische 'House Of Metal', das Chelsea Wolfe einmal mehr durch atmosphärische Klangschichten aufpolstert. Diese Transformation allerdings in 'Sick' fortzusetzen, erweist sich als keine gute Idee. Durch das Verwischen von Rhythmus- und Klanggrenzen büßt eines der Glanzlichter von 'Pain Is Beauty' an Struktur ein und wird so um seine düstre Strudelwirkung gebracht.

 


Dann zieht ein Unwetter auf. 'Pale On Pale' lässt die ursprüngliche Eleganz zu einem ungeheuerlichen Wolkenbruch des Lärms verwuchern, der keinem erkennbaren Abschluss entgegenzusteuern scheint. Schlagzeuger Dylan Fujioka und Bratschist Ezra Buchla liefern sich ein manisches, aber ungleiches Duell an ihren Instrumenten, bis Bandleader Ben Chisholm mit einem majestätischen Wink seines Armes dem ohrenbetäubenden Tosen ein jähes Ende setzt. Angetaner Szenenapplaus macht sich breit. Nachdem die Stille in alle Winkel gedrungen ist, kehrt Chelsea Wolfe auf die Bühne zurück. Erschöpft, des Schleiers entledigt und mit hochgeklemmtem Haar. Die unbedarfte Melodik von 'Lone' bringt einen kathartischen Effekt mit sich. Ein warmer Hoffnungsstrahl nach 60 sinistren Minuten, eine Streicheleinheit für die Trommelfelle - auch wenn die Kalifornierin dabei nicht wie gewohnt zur Akustikgitarre griff. Den - mit Verlaub - unvernünftigen Zugaberufen wurde nicht nachgekommen. Stimmiger und endgültiger als wie geschehen hätte Chelsea Wolfe ihren Auftritt kaum besiegeln können; jede gönnerhafte Ergänzung hätte hier schlechterdings geschadet.


Mit Bandwechsel und Umbaupause mischten sich die Karten sprichwörtlich neu. Es schien, als sei ein völlig neuer, selbständiger Konzertabend angebrochen. Von den Gesichtern in den ersten Reihen, die kurz zuvor noch gebannt dem Wolfe'schen Abschluss-Inferno gelauscht hatten, war keines mehr zu sehen. Stattdessen hatten sich einige in den metallischen Gefilden beheimateten Konzertgänger vor der Bühne eingefunden und fieberten den Deafheaven-Blastbeats entgegen. Viele der übrigen zogen es vor, die Angelegenheit mit ein wenig Sicherheitsabstand zu verfolgen, wenngleich auch das vermutlich erwartete Mosh-Gemenge aus- und jedermann seiner Arm- und Beinfreiheit unbenommen blieb.

Einem eindrucksvollen Auftritt der Band um die Ideengeber George Clarke und Kerry McCoy tat dies jedoch keinen Abbruch. Die Setlist entsprach nahezu vollständig ihrem hochgelobten zweiten Album 'Sunbather'. Nicht von ungefähr also badeten Deafheaven in regelmäßigen, goldgelben Pulsen der Bühnenbeleuchtung. Vokalist George Clarke erweckt den Eindruck eines Besessenen, stiert in die Leere, vollführt unheimlich ruckartige, dirigierende Gesten.

 

Bei seinen Scream-Einsätzen stößt er pfeilschnell an den Bühnenrand vor, stemmt ein Bein gegen das Monitor-Wedge und beugt sich diabolisch fauchend in Richtung Publikum, nur um einen Lidschlag später wieder in die Tiefen der Bühnenaufbauten zurückzuschnellen und sich dort das ehemals perfekt gescheitelte Haar vollends zu zerraufen. Wiederholt rinnt ihm dabei Speichel von den Lippen herab - wohl auch das ein wenig im Sinne der Kunst. Die ja bekanntlich oft nicht viel vom Wahnsinn trennt.

Die Gefolgschaft an Gitarren und E-Bass ist dagegen die Ruhe selbst. Stephen Lee Clark und Shiv Mehra arbeiten sich dezent und ohne nennenswerte rhythmische Körperbewegung durch den Auftritt. Fleißbiene Kerry McCoy verschwindet gar in Teilen rechts hinter einer Boxenwand. Ihr aller musikalisches Handwerk trägt dennoch üppig Früchte. Gewaltige schwarzmetallische, auf unerklärliche Weise aber meditativ und sphärisch anmutende Wutschauspiele trafen auf zuckrige, strahlende Post-Rock-Riffs und lösten im Publikum Genuss-Anzeichen aus, die so verschiedenartig waren wie das Publikum selbst. Von Phase zu Phase, von Metrum zu Metrum, von Mensch zu Mensch ließen Deafheaven ein neues Bouquet erblühen.

Wie schon einer Reihe Tourstationen zuvor ist an diesem Abend auch Dresden die Premiere eines neuen Songs vergönnt: 'From The Kettle Onto The Coil' ist Teil einer Serie von Singles verschiedenster kooperierender Künstler, die der US-amerikanische Fernsehsender Adult Swim im Wochenrhythmus kostenfrei veröffentlicht. Das zwischengeschaltete Stück fügt sich zwar nicht gänzlich nahtlos ein, wird aber wachsam verfolgt, körperbetont durchlebt und schließlich mit anerkennendem Applaus beantwortet.

À propos Applaus: Eine Zugabe gibt es auch von Deafheaven nicht. Aber das undankbare Amt des Support-Acts gab es ja heute ebensowenig. Um 23.30 Uhr geht das Licht an. Den pustebäckigen Engelsgesichtern im Relief der Deckenzier standen die Münder offen. Warum wohl? Darauf gibt es mindestens zwei richtige Antworten.



Fotos: Valentin Erning


 

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Valentin
© 08/2014 whiskey-soda.de
 


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