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Chelsea Wolfe - Gefangen zwischen Licht und Schatten

Rezső Seress, Lieblingskomponist aller Sonntags-Suizidenten, hätte sich kein besseres Panorama vorstellen können: Grau in Grau getönt und von regelrechten Sturzbächen an Regen heimgesucht, legte jener Sonntagnachmittag in Dresden-West nicht gerade ausgedehnte Spaziergänge nahe. Umso eher lud der Backstagebereich des Kult-Venues Beatpol, in den wir uns so gerade noch retten konnten, zum Verweilen ein. Chelsea Wolfe ist erst eine Viertelstunde vor uns hier eingetroffen und scheint doch bis aufs Äußerste entspannt. Bedächtig spickt sie das polstermöblierte Séparée mit schwarzen Räucherstäbchen. Die Kalifornierin spricht gedämpft, aber bestimmt, als sie ansetzt, uns die Fixpunkte ihres Albums 'Pain Is Beauty' aufzuzeigen - das gar nicht unbedingt so finster gemeint ist, wie es den Anschein hat.

'Als ich mir Gedanken über den Albumtitel machte, dachte ich an eine Art Transformation', sagt Chelsea Wolfe. 'Das Leben führt uns alle zwangsläufig irgendwann durch harte Zeiten und Situationen, die wir bewältigen müssen. Der Verlust geliebter Menschen, Schwierigkeiten im Job - da ist ständig etwas Belastendes, das es zu überwinden gilt. Mir ging es um den Kampf, der dem innewohnt, den Bewältigungsprozess und das Herauskommen auf der anderen Seite und die schönere Perspektive, die sich einem dann dort eröffnet, wenn die Dinge hinter einem liegen. Das Leben ist ein ständiger Kampf.'

Chelsea Wolfe bestreitet ihren Kampf mit Musik. Seit ihrem Debüt 'The Grime And The Glow' 2010 erschien alljährlich ein Nachfolger, zuletzt das elektronisch geprägte 'Pain Is Beauty' im Herbst letzten Jahres - als erstes echtes Band-Album. 2014 bildet die erste Ausnahme von dieser Regel, stand bislang ganz im Zeichen des Um-die-Welt-Tourens. Was sich auszahlte: Von den gemeinsamen Auftritten mit einer ganzen Reihe unterschiedlichster Bands, darunter Russian Circles, Queens Of The Stone Age, Eels und jüngst Deafheaven, wird Wolfe noch lange zehren. Insbesondere die Band um Josh Homme hat es ihr angetan. 'Mit den Queens Of The Stone Age zu spielen, war ein großes Vergnügen. Man kann so viel von ihnen lernen', berichtet die 30-Jährige begeistert. 'Sie sind erstaunliche Musiker und wirklich großartige Menschen. Sie sind sehr gut zu ihrer Crew und sie haben ein rundum gesundes Unternehmen am laufen, wenn du verstehst, was ich meine. Sie machen das alles jetzt schon so lange, und eine junge Band, wie wir es sind, kann davon, solche Musiker um sich zu haben, nur profitieren. Und wir sind wirklich super miteinander klar gekommen. Es war die reinste Freude.'


Worin sich aber Chelsea Wolfe weiterhin von ihren Lehrmeistern - und auch den meisten anderen Bands - unterscheiden wird, ist dieses eigentümliche Stimmungsgefälle, das ihren Alben innewohnt. Auch wenn die Hoffnung fester Bestandteil, wenn nicht gar Leitprinzip ihres Songwritings ist, so pflegt sie doch differenzierter anzusetzen als viele ihrer Kollegen, ganzheitlicher und immer ein paar Stadien vorher. Schattenseiten auszusparen, entspräche nämlich nicht der Lebenswirklichkeit. Umgekehrt verhielte es sich ebenso. Gerade die Authentizität, die Durchdachtheit ihrer Melancholie zeichnet Chelsea Wolfe als Künstlerin aus. Eine gewisse Neigung muss sie dennoch eingestehen. 'Ich finde keine Inspiration in Dingen, die unkompliziert sind. Ich denke nicht, dass etwas verkehrt daran ist, sich von Leichtem, Schönem und Fröhlichem inspirieren zu lassen, nur fühle ich mich persönlich von der dunklen Seite der Dinge weitaus mehr angezogen. Es reizt mich, nach Wahrheiten zu suchen, und die sind in dieser Welt nicht immer nur schön. Jede Geschichte hat zwei Seiten, und zu allem Licht dieser Welt existiert auch eine Dunkelheit, die eine Balance schafft. Mich interessieren die Kontraste, die die Dinge ausmachen, und ihre tieferen Wahrheiten, die man mit einem Blick auf die Oberfläche nicht wahrnimmt.' Die Faszination und Anfälligkeit des Menschen für das Düstere liege dementsprechend gerade in den Anstrengungen, die er auf sich nehmen müsse, es zu belichten und schließlich zu verstehen. Für Chelsea Wolfe ist es seit jeher der Tod, der eine derartige Anziehungskraft auf sie ausübt. 'Ich habe mein ganzes Leben lang eine Affinität zum Tod verspürt. Ich fühlte mich zu ihm hingezogen, wollte das Phänomen Tod verstehen, gerade weil ich damit noch nie richtig in Berührung gekommen war. Niemand, der mir nahe steht, ist bislang gestorben, und ich habe mir immer gewisse Fragen gestellt, was mich veranlasst hat, darüber zu schreiben und den Dingen auf diese Weise auf den Grund zu gehen, sie mittels der Musik zu entdecken.'

Wie aber soll es gelingen, gerade innerhalb dieses wohl schwersten Themenkreises die besagte Ausgeglichenheit herbeizuführen? Die Sängerin nennt ein Beispiel. 'Nimm den Song 'The Warden' von 'Pain Is Beauty'. Das ganze Stück erzählt von einem Mann, der gefoltert wird, damit er den Namen seiner Liebsten preisgibt. Er lässt also alle möglichen Foltermethoden über sich ergehen und stirbt letzten Endes, weil er ihn nicht verraten will. Die Stimmung des Stückes ist allerdings weniger düster, sondern offener und auch anmutiger im Vergleich zu meiner sonst üblichen Weise, Songs zu schreiben. Die Melodie ist sehr weich gesungen. Das ist so ein Balance-Moment, wo sich die Kontraste gegenüber stehen. Im Übrigen ist die Geschichte auch nicht notwendigerweise so finster, sondern vielmehr kraftvoll. Ich meine, er hält ja an seiner wahren Liebe fest und begegnet der Situation auf seine Art...'

 


Gedankenspiele wie diese reichen bis in die Kindheit der Künstlerin zurück. Dass das todessehnsüchtige, nicht nur seinem Titel nach zutiefst betrübliche 'They'll Clap When You're Gone' auf einem Entwurf der achtjährigen Chelsea beruht, ist tatsächlich mehr als ein bloßes Gerücht. 'Ich habe angefangen, Gedichte zu schreiben, da war ich noch sehr jung', klärt sie uns auf. 'Es gab eines, das hieß "The Blackened Seed" und handelte von einem Bauern, der eine handvoll Samen streut, und einer dieser Samen ist verfault und hätte nicht keimen dürfen. Dennoch keimt er, und die Pflanze, die da heranwächst, ist eine Fremde in ihrer Umgebung und sollte für mich stehen, weil auch ich mich in gewisser Weise fremd in meinem Umfeld fühlte im Kindesalter. Der Vers 'I was born a blackened seed in the wild' geht auf dieses Gedicht zurück. Das Stück ist persönlicher als die meisten anderen, denn ich bringe für gewöhnlich keine Geschichten unmittelbar aus meinem eigenen Leben mit hinein. Aber diese Verschmelzung in 'They'll Clap When You're Gone' hat für mich irgendwie etwas Kathartisches - und spiegelt zugleich diese Schwere wider, die ich schon seit meiner Kindheit mit mir herumtrage.'

Also wieder die berühmte schwere Kindheit als Katalysator und Antrieb späterer Kunst? Nein. Ganz im Gegenteil: Gerade das geborgene, unbeschwerte Aufwachsen der kleinen Chelsea bündelte ihre Neugierde und warf Fragen auf. 'Ich war immer schon fasziniert von Dingen, für die sich Kinder in meinem Alter normalerweise nicht ein bisschen interessierten', erläutert sie. 'Ich konnte mir stundenlang Nachrichtensendungen ansehen. Da habe ich dann zum Beispiel von Todes- und Vergewaltigungslagern in Afrika erfahren und musste bitterlich weinen. Ich war so durcheinander und meine Mutter hat mich nicht verstanden und gefragt, wieso ich mir so etwas ansehe. Aber ich wollte wissen, wie die Welt wirklich ist, weil meine Welt so klein und so behütet war.'


Noch heute sinniert Chelsea Wolfe über die Rolle und den Nutzen des Menschen in der Welt und in der Natur. Auch in dieser Dimension ziehen sich die Themen Dualismus und Balance wie ein roter Faden durch ihr Œuvre. Da wäre zum Beispiel 'Lone', der sanfte Abschlusstrack von 'Pain Is Beauty'. Das Stück ist zurückhaltend instrumentiert, vermittelt in seiner geläuterten Atmosphäre eine Art selige Ruhe nach dem Sturm. 'When the wolves howl their song / and the whole earth is done / when the wolves howl their song / and the wind still carries on' - für Chelsea ist klar: Wir sind eigentlich entbehrlich, und auch ohne uns ginge es weiter. 'Nicht umsonst habe ich 'Lone' ans Ende des Albums gesetzt. Es ist ein Stück über die Welt nach dem Menschen. Darüber, wie es mit der Welt weiterginge, wenn wir nicht mehr wären und wie die Natur sie dann zurückübernimmt. Und dass die Natur uns eigentlich nicht braucht. Im ganzen Album geht es immer wieder um die Kraft der Natur und inwieweit diese zerstörerisch oder aber heilend wirken kann', fügt sie hinzu.

Chelsea Wolfe - Gefangen zwischen Licht und Schatten Seiten 1 2

 

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Valentin
© 09/2014 whiskey-soda.de
 


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