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Euroblast 2015 - Tag 3 mit Vola, Leprous und Cynic

Die Rheinmetropole Köln ist als Zentrum rheinischer Frohnatur, Kölsch-Bier in viel zu kleinen Gläsern und Medienstadt mit mehreren ansässigen Fernsehsendern bekannt. Natürlich gibt es in der Großstadt auch einige lokale Veranstalter von Rockmusikkonzerten. Seit einigen Jahren hat sich zusätzlich zum bestehenden Angebot das Euroblast Festival etabliert und an Bekanntheit im Bereich moderner, progressiver Rockmusik zugenommen. Die diesjährige Ausgabe ist bereits die elfte und steigt zum dritten Mal in der bekannten Essigfabrik in Köln-Deutz. Das familiäre Festival mit jeder Menge Musik-Freaks und Gitarren-Nerds hat dieses Jahr auf zwei Bühnen über 50 Bands der Szene am Start. Neben altbekannten und großen Namen möchten die Veranstalter aus dem Dunstkreis des Londoner Genre-Labels Basick Records auch bewusst neueren Bands eine Chance geben, sich zu präsentieren. Die beiden einzigen Bedingungen sind stilistische Innovation und eine grundsätzliche Orientierung an Rockmusik.

Der dritte und letzte Festivaltag beim Euroblast beginnt mit den fünf Griechen von Tardive Dyskinesia, die Tags zuvor entspannt und humorvoll bereits beim Whiskey-Soda-Interview Sympathiepunkte sammeln konnten. Bereits das zweite Mal auf dem Kölner Festival zu Besuch setzt das Quintett sowohl mit seinem Sound als auch seiner Power-Performance eine beeindruckende Marke als Opener des Tages. Bedauerlicherweise bereits um Viertel nach Eins legen die Jungs aus Athen los - bedauerlicherweise, weil zu dieser Zeit erst etwa 60 Freunde harter Klänge ihren Weg vor die Hauptbühne der Essigfabrik gefunden haben und so eine talentierte und innovative Band verpassen. Sänger Manthos' Hammer-Screams (garniert mit jeder Menge Bewegung und Headbanging) kommen deutlich aus der Djent-Abteilung, während Drummer Nicos und Gitarrist Petros eher den Metal-Part der Band verkörpern. Kein Widerspruch, denn die Band hat spätestens mit Album Nummer Drei seinen eigenen Stil gefunden, der die unterschiedlichen Einflüsse gelungen vereint. Das vierte Werk wird gerade von Gitarrist und Produzent Steve Lado abgemischt und steht den Fans der Band in den kommenden Monaten ins Haus.

 

Vola aus Dänemark kühlen die Hitze und die Power herunter - jedoch nicht die Klasse und die Gänsehaut. Inzwischen haben auch eine ganze Menge Festivalbesucher ausgeschlafen und sind in der Halle eingetrudelt. Schätzungsweise 400 Musikfreaks lauschen dem genau richtigen Sound, um den Samstag gediegen anfloaten zu lassen. 70er-Jahre-Keyboards gepaart mit Modern-Prog-Riffs und sehr ruhigem Gesang präsentiert der Vierer aus Kopenhagen und geht damit in die Richtung von Soen und Leprous. Die zweite Gitarre fehlt, dementsprechend hat ist das wundervolle Keyboard sehr präsent und prägt den Stil der Band stark. Gefühlvoll geht es zu, mal poppig, mal groovig - aber stets sehr präsent und mit einem Hauch von Melancholie umgeben verzaubern die vier Skandinavier das Euroblast-Publikum bei ihrem Deutschland-Debüt und sorgen bereits am frühen Nachmittag für rauschenden Applaus.

Mit Persefone gibt es dann wieder deutlich heftiger auf die Ohren. Das Progressive-Death-Metal-Sextett kommt aus dem Zwergstaat Andorra, von dem jeder schon einmal etwas gehört hat, aber keiner etwas genaueres sagen kann. In ihrer in den Pyrenäen gelegenen Heimat sind die Jungs lebendiger Bestandteil der regionalen Musikszene und teilen sich Drummer "Sergi" mit der Prog-Metal-Band Nami. Vom Gesang einmal abgesehen, der sich irgendwo zwischen Djent-Screams und Death-Metal-Growls bewegt, ist hier eine echte Metal-Band am Werk. Endlich einmal Solos an Gitarre und Keyboard, die keine reinen Turnübungen für die Finger sind, sondern anstecken und zum Bangen animieren. Miguel Espinosa am Keyboard konterkariert die Screams vom oberkörperfreien Frontmann Marc Martins mit warmem Klargesang und melodiösen Tastenausflügen. Gegen Ende des Auftritts punkten die Senores zusätzlich bei den anwesenden Nerds durch ein Medley aus dem Star-Wars-Universum. "Wir bemühen uns, professionell und lustig zu sein", grinst Gitarrist Carlos Lozano später bei einem Bier vor der Halle, als er auf den musikalischen Wink unter Nerds angesprochen wird.

Im Keller geht es für das Whiskey-Soda-Team nach einem Interview-Marathon am späten Nachmittag dann um 20 Uhr weiter mit Tides from Nebula aus Polen. Und wie es weitergeht! Die nächste Hammerband, dieses Mal wieder aus der Gänsehaut-Abteilung sorgt für entrückte Gesichter vor der Bühne im spärlich beleuchteten Euroblast-Keller. Aber eine grelle Licht-Show würde ohnehin nicht zu der grandiosen Postrock-Band passen. Kerzen wären da schon wesentlich stimmiger. Der cinematisch-triumphale Ambient-Post-Rock der Osteuropäer erinnert an Genre-Kollegen wie Solstafir oder Long Distance Calling - und hat dabei doch sein ganz eigenes musikalisches Konzept mit hohem Wiedererkennungswert.

 

Den haben eindeutig auch die Norweger von Leprous, die sich über die letzten Jahre von einem Geheimtipp der progressiven Rockmusik zu etwas Ambitionierterem gemausert haben. Doch vor deren Auftritt verabschiedet sich das ganze Euroblast-Team von den Besuchern des Festivals. Dem Gewinner der verlosten 8-saitigen Ibanez Gitarre wird sein Preis überreicht und Euroblast-Gründer John drückt seinem Team und den Besuchern sprachlosen Dank aus. Zum Schluss nimmt er unter Johlen und Klatschen gemeinsam mit Festival-Co-Leiter Daniel ein Crowdsurfing-Bad in der Menge.

Euroblast 2015 - Tag 3 mit Vola, Leprous und Cynic Seiten 1 2

 

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DanielF
© 10/2015 whiskey-soda.de
 


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