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Nachdem der Lindenpark sich doch eher zaghaft füllte, machten unsere britischen Freunde von Cathedral das, wofür Sie schon immer eine der besten Vorgruppen waren: Sie heizten einer zunächst recht unwilligen Masse richtig ein. Cathedral machen, besonders als Opener immer richtig viel Spaß. Sänger Lee Dorrian, immer noch ein Lookalike des jungen Ozzy Osbourne, bewegte sich auf der Bühne, was das Zeug hielt, und nahm das Publikum dabei unweigerlich mit. Das, was Cathedral da machen, lässt sich live wohl am besten mit Doom'n'Roll beschreiben, denn auch in den langsameren Momenten, die bei ihrem Auftritt eher spärlich geblieben sind, groovt diese Band einfach höllisch gut. Man bot alle Klassiker dar, die diese Band aufzufahren weiß, von "Midnight Mountain" über "Whores To Oblivion" bis hin zum großarteigen "Hopkins, Wytchfinder General", und den Spaß, den die Band daran hatte, ware unverkennbar. Zwar war stilistisch gesehen das letzte Package von Cathedral mit Entombed logischer, aber die größtenteils anwesenden Samael-Fans hatten keinerlei Probleme mit dem ultraklassischen Cathedral-Metal. "Death To Nu-Metal", so tönte es auch als Backprint von Cathedral T-Shirts, und das war offensichtlich Programm. So viel Groove im Blut wie Cathedral hätten eine Menge der ach so modernen Nu-Metaller sicherlich auch gerne.... Schlussendlich packte man nach knapp einer Stunde (!) Spielzeit auch noch die ganz alten Perlen aus und intonierte eine 15-Minuten-Version von "Ebony Tears". Dann war erst einmal Pause, und auf der leider relativ ungepflegten Samael-Homepage wurde das, was dann kam, bereits angekündigt, nämlich die vom Band als Hintergrundmusik erfolgende Premiere von "Era One". "Era One" war auf verschiedensten Internetseiten ja als das neue Samael-Album angekündigt worden, und man hegte insgeheim Hoffnung, man würde auch live dann neue Tracks zu hören bekommen. Beidem war nicht so.
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"Era One" ist nämlich in keinster Weise das neue Samael-Album, sondern ein Seitenprojekt von zwei der vier Samael-Mitglieder, namentlich Xytras und Vorph. Und das, was da dann sozusagen als Sneak Preview vom Band lief, hat mit Samael nicht wirklich viel zu tun. Die Songs von "Era One" sind rein elektronisch gehalten, sehr langsam, hauptsächlich soundtrackähnliche Keyboard-Klangcollagen, mit dezenter Rhythmusmaschine unterliegt, und dazu eine besonders fiese Stimme, kaum tonal, mehr gehauchter, fast flüsternder Sprechgesang, stellenweise auch richtigen Melodien folgend. Für das offene Ohr ein Erlebnis, auf CD garantiert absolut großartig, aber, und das soll noch einmal betont werden, mit Samael hat das nichts zu tun. Trotzdem sollten alle Liebhaber finsterer Klänge voller Hoffnung das Release von "Era One" erwarten.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde dann erstmalige Verwunderung bei Teilen des Publikums, als ein Stuhl auf die Bühne getragen wurde. Von Samael Unplugged hatte keiner was erzählt...?? Dem war dann auch nicht so, denn Sänger und Gitarrist Vorph hatte sich kurz vor Beginn der Tour nach einem Unfall schwere Verletzungen am Bein zugezogen, die ihn zum Sitzen zwangen. Andere Bands hätten aufgrund dieses Vorfalls die Tour wohl abgesagt, nicht so Samael. Mit ungebrochenem Optimismus setzt sich diese Band über alle Widrigkeiten hinweg, von Problemen mit der Plattenfirma über rechtliche Probleme bis hin zu zerstörten Beinen, alles dagewesen, alles überwunden...so etwas bringt die Leute dazu eine Band zu lieben, und Samael haben es verdient.
Der Auftritt selbst war dann, wie man von Samael erwarten kann, sehr intensiv. Trotz der kompletten Bewegungseinschränkung von Vorph ging er im Sitzen ab, so gut es ging, und die Kollegen neben ihm taten noch mehr als eigentlich üblich. Masmisein bangte, was das Zeug hielt, so tief, dass seine Haare den Bühnenboden berührten, und man ständig in Sorge sein musste, ob er nicht vielleicht doch umfällt..? Auch der neue Gitarrist Makro fügte sich nahtlos in die Band und das Livegeschehen ein.
Auch der Sound war wie immer sehr gut, auch wenn bei den ersten zwei Liedern der Gesang so gut wie nicht zu hören war. Ab dem dritten Track, Shining Kingdom" war alles perfekt abgemischt und dann wurde eineinhalb Stunden lang so richtig vom Leder gezogen. Die Tracklist entsprach in etwa der erscheinenden DVD, also zu 99% Songs neueren Datums.....und da lag auch der einzige Schwachpunkt des Auftrittes. Die alten Klassiker wie "Into The Pentagram" oder "After The Sepulture" gehören genauso zu Samael wie die neuen Lieder, leider wurden sie aber alle vernachlässigt. Außer "Black Trip", und, als Outro, "Ceremony Of Opposites", gab es nichts von den alten Scheiben. Dafür krachten neuere Hammersongs wie "Rain" oder das sensationelle "The Ones Who Came Before" kurz vor Schluss des regulären Sets umso besser. Da wurde mit Strobolight die Halle für kurze Zeit in die vierte Dimension verwandelt, so intensiv kam das Doublebass-Gewitter herüber. Leider fehlte auch das schöne "Moonskin". Aber mit "Together" und natürlich "The Cross" gab es genug Entschädigung.
Nach kurzer Pause kamen Samael zurück zur Zugabe, die relativ lang ausfiel, dafür aber keine zweite Zugabe mehr nach sich zog. Man wollte wohl Vorphs Bein schonen, der nur mit Hilfe von Krücken und gestützt vom Roadie auf die Bühne kam. Nachdem die letzten Töne von "My Saviour" und "Ceremony Of Opposites" verklungen waren hieß es Feierabend. Mit zufriedener Miene und einer ungeheuren Bewunderung für die Durchhaltekraft vom wirklich schwer verletzten Vorph machte man sich nach Hause, inständigst dafür zum Teufel betend, das Samael endlich
neues Material liefern möge....
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