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Metaldays 2017 - Headbanger-Ferien im grünen Slowenien (2)

Die ersten drei der fünf Tage der Metaldays im tschechischen Tolmin hatten Unmengen an Erlebnissen und Emotionen zu bieten. Wetterkapriolen mit einer total zerstörten Newcomer-Stage und abgesagten Auftritten am ersten Tag, die grandiose Natur mit den umliegenden Bergen und den Flüssen Soca und Tolminka und natürlich Rockmusik en masse. Neben berühmten Namen wie Doro oder Marylin Manson hatten bei den "echten Metallern" Iced Earth für echte Begeisterung gesorgt, der tschechische Grindcore-Geheimtipp Gutalax für sprichwörtlich explodiernden Wahnsinn im Publikum und mit Sanctuary, Grave Digger oder Loudness waren auch Metal-Pioniere am Start.


Das sphärische Lichtspiel von der Bühne fiel auf die von Bäumen eingerahmte Lichtung und vermischte sich mit den träumerischen Post-Metal-Klängen der Jungs aus Reykjavík. Die Metalheads nahmen ihre Girls in die Arme und ein magischer Auftritt nahm seinen Lauf. Mit Songs vom nagelneuen Album, aber auch den Spitzen-Hits 'Fjara' und dem bedrohlichen 'Djákninn' zogen Sólstafir alle in ihren Bann. Doch die Herzen gewann der sonst eher schweigsame Frontmann Aðalbjörn Tryggvason in dieser lauen Sommernacht nicht nur mit seiner Musik, sondern vor allem mit einem ergreifenden Statement, für das er sich zunächst energisch gegen betrunkene Pöbler Gehör verschaffen musste. In Anspielung auf den wenige Tage zuvor verstorbenen Linkin-Park-Frontmann Chester Bennington hielt Tryggvason eine berührende Ansprache und apellierte an die Anwesenden, für depressive Menschen in ihrem Umfeld "da zu sein" und nicht gleichgültig oder hilflos wegzusehen. Ergänzt von einem ihrer melancholischen Songs, den sie für einen an die Krankheit verlorenen Freund geschrieben hatten, mit Sicherheit das relevanteste Ereignis der diesjährigen Metaldays. Zum krönenden Abschluss kletterte Tryggvason auf die Absperrgitter, schüttelte Hände und nahm ein Bad in der Menge. Was für eine Höhepunkt eines an Höhepunkten reichen Festivals!

Der Freitag war für viele Festivalbesucher wohl viel zu schnell dagewesen. Schon bald würde das unbeschwerte Feiern zu Ende sein - doch ein Tag mit versöhnlichem Wetter lag ja noch vor der internationalen Festivalgemeinde, der nur gemächlich anzulaufen schien. Das machte sich leider auch bei der Bühnencrew der Newcomer-Stage bemerkbar, die wohl am Tag zuvor zu laut Metal oder zu viel Bier genossen hatten. Anders kann man sich das Fiasko, mit dem die Kölner Progressive-Metaller, die erst vor wenigen Wochen ihr Debütalbum veröffentlicht hatten, sich herumschlagen mussten. Schon der Soundcheck gestaltete sich so holperig, dass einem die fünf sympathsichen Jungs leid tun mussten. Nach ewigen Diskussionen mit der Technik-Crew legten die Rheinländer los, doch erstens hatten die im Live-Setting offenbar recht unerfahrenen Jungs noch sichtlich mit den Startschwierigkeiten zu kämpfen und zweitens bekamen die Herren am Mischpult den gesamten, kurzen Auftritt über keinen anständigen Sound hin. So war das zweifellos vorhandene Potential der Debütanten nur recht blass zu erahnen. Lediglich Drummer Kevin Kott (Masterplan) zog hinter seiner Schiessbude sein Ding sichtlich unbeeindruckt und mit viel Charisma und Power durch.

 

Mit Equilibrium ging es einige Zeit später auf der Mainstage auf die Festival-Zielgerade. Die bayrischen Pagan-Metaller sind immer eine sichere Bank für gute Laune. Ihre Mucke ist melodisch, hart, schnell und eingängig, die Musiker immer sehr locker und doch voller Energie bei der Sache. Episch nennen sie das selbst, und auch wenn der Begriff wohl überstrapaziert ist, geht er im Zusammenhang mit der bombastisch anmutenden Musik inklusive Streicher-Samples vom Keyboardder Süddeutschen absolut in Ordnung. Die deutschen Texte bieten darüber hinaus eine willkommene Abwechslung und einen eigenen Touch. Zur Dämmerung läuft dann Till Lindemanns Buddy Peter Tägtren mit Pain in seiner Zwangsjacke auf. Auch wenn das alles deutlich metallischer ist, so muss man doch an den Beginn der Woche mit Marylin Manson zurückdenken und auch die Partnerschaft mit den Rammstein-Frontmann ist beim Industrial-Dark-Metal recht einleuchtend und stimmig. Dem Publikum gefällt's und gegen 21 Uhr ist der Vorplatz der Mainstage wieder proppevoll. Vermutlich nicht nur wegen der Schweden, sondern auch dem Headliner des letzten Festivaltags - Heaven Shall Burn.

Die wichtigste deutsche und auch weltweit eine der erfolgreichsten Metalcore-Band ist inzwischen auch schon zwanzig Jahre im Rockmusik-Zirkus dabei und hat in dieser Zeit über 10 Millionen Alben verkauft. Von der oftmals beschworenen Unvereinbarkeit zwischen "echtem Metal" und der stark vom Hardcore geprägten Variante war beim Publikum nichts zu spüren. Stromgitarren, Feuer und Circle-Pits im Dunkeln sprachen eine deutliche Sprache: Hier war eine wahrhaftig würdige, zweistündige Abschluss-Party mit einer bombastischen Bühnenproduktion im Gange! Eine Wirbelsturm aus bunten Bühnenlichtern, fiesen Screams, fetten Riffs, Drums und Breakdowns, der sich zu einem immer mächtigen Gewitter steigerte und steigerte. Am Ende gab's nach Unmengen von Pyro-Effekten und schmerzenden Nackenmuskeln ein Konfetti-Schlangen-Feuerwerk und jede Menge Applaus und begeisterte Pfiffe.

Als offiziellen Schlusspunkt der Metaldays 2017 hatten die Organisatoren die Bay-Area-Thrasher Death Angel engagiert. Ob es ganz bewusst so geplant war, den als besonders leidenschaftlichen Metal-Entertainer bekannten Frontmann Mark Osegueda damit zu beauftragen, das Festival mit dem Einschwören der Metal-Gemeiden als passionierte und friedliche Gemeinschaft ist nicht bekannt. Auf jeden Fall gab es für diesen Job absolut keinen Besseren Mann.

 

Die Band, die nach einer rund zehnjährigen Auflösung 2001 wieder zusammen kam und in den letzten Jahren zu einem Garant für ausgefallenen Thrash-Metal und emotional aufgeladene Live-Auftritte geworden ist, sorgte mit viel Spielfreude und unverfälschter, beinahe rührender Community-Celebration für zahllose emporgereckte Fäuste und gleichzeitig für Gänsehaut. Gnadenloses Thrash-Vollgas, ein charismatischer Frontmann mit einer echten Rock-Röhre, ein Leadgitarrit, der nur für seine Gitarre und seine leuchtenden Augen zu leben scheint. Hier verdichtete sich eine Woche Metal-Ferien auf seine Essenz. Mit der Thrash-Hymne 'Kill As One' und der Ansage, dass es eine Freude und Ehre sei, eine Woche Metal-Festtage abzuschliessen, ging das Festival um 2 Uhr morgens zu Ende.

Natürlich wurde noch an der berühmt-berüchtigen Strandbar weitergefeiert, Bierreserven vernichtet, über die besten Bands und die schönsten Momente der Woche etwas wehmütig und leicht angetrunken fabuliert. Die temporäre Depression nach dem Festival würde am kommenden Morgen seinen Lauf nehmen. Noch 11 Monate und 29 Tage, bis in Slowenien wieder Metal-Ferien stattfinden. Wir können es kaum erwarten!

Fortsetzung Metaldays 2017 - Headbanger-Ferien im grünen Slowenien (2) Seiten 1 2

 

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DanielF
© 08/2017 whiskey-soda.de
 


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