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Big Big Train - Der bekannteste Geheimtipp des Prog

Big Big Train sind beileibe keine neue Band mehr. Dennoch hat die Prog-Big-Band aus dem UK nach mehr als fünfundzwanzig Jahren im Underground in den letzten Jahren kommerziell gesehen einen enormen Schritt nach vorne gemacht. In den letzten anderthalb Jahren hat die Band drei (!) Studioalben veröffentlicht, dazu ein Livealbum - und der Fleiß in Kombination mit der hohen qualitativen Meßlatte der Band zahlt sich mittlerweile aus. In ihrer Heimat Großbritannien kletterte das vorletzte Album "Grimspound" beispielsweise bis auf Platz 45 der Albumcharts, die drei Gigs in der Londoner Cadogan Hall im Oktober dieses Jahres waren allesamt ausverkauft. Nur in Deutschland sind Big Big Train nach wie vor eher ein Geheimtipp - was sich aber spätestens mit ihrem Headlinergig auf der Night Of The Prog 2018 ändern dürfte. Whiskey-Soda-Redakteur SaschaG besuchte Bassist (genauer: Multiinstrumentalist), Songwriter und Gründungsmitglied Gregory Spawton in seiner Heimatstadt Bournemouth, um Euch die Vergangenheit und die nähere Zukunft von Big Big Train näher zu bringen. Der studierte Archäologe Gregory erwies sich dabei als sehr freundlicher, bodenständiger und hochinteressanter Gesprächspartner, der sich viel Zeit nahm, über alles Mögliche und seine Band in Speziellen zu reden.

BBT haben allerdings schon immer auch kurze, prägnante Songs geschrieben.

"Ich denke, einer der Fehler, den moderne Progressive-Rock-Bands machen, ist zu vergessen, daß die großen Bands der Siebziger auch immer kurze Songs hatten. Selbst King Crimson hatten Einiges an kurzen und eingängigen Songs. Genesis, Yes, wen immer Du nimmst, all diese Bands waren vor allem großartige Songwriter. Sie haben nicht unbedingt diese großen Epen um jeden Preis geschrieben und ausgedehnt, sondern einfach die Songs so geschrieben, wie sie ihnen einfielen. Und ich denke manche Bands - und vor allem viele Fans! - vergessen das oft. Einige der Hardcore-Progger hören dann einen Song wie 'Make Some Noise', der wohl ein wenig näher an Bands wie Queen dran ist als an irgendwas Progressivem - aber immer noch ein guter Song! - und das spaltet dann die Fangemeinde. Aber das ist ja auch nichts Neues. Einer der Songs, der in unseren Liveshows mit am Besten ankam, ist ein Stück namens 'Swan Hunter' - unter sechs Minuten, sehr eingängig, mitsingbar. Eine der schönen Sachen am Progressive Rock ist, daß er Dir die Freiheit gibt, dich überall zu bedienen, Licht und Schatten, wie es passt."



Über die letzten Jahre war im Prog auch generell eine Tendenz zu viel Schatten zu beobachten, alles wurde immer düsterer und auch zynischer - und jede Menge Songs über Serienmörder! Auch ein Trend, dem BBT sich bislang verschlossen haben.

"David liebt zum Beispiel das neue Steven Wilson-Album, und es ist in der Tat etwas leichter in seiner Stimmung. Dieses Serienmörder-Ding ist ziemlich karg, und uns treibt nichts in diese Richtung. Viele Leute sagen, sie mögen nur dieses Dunkle, aber es gibt soviele Schattierungen und Spielraum - einer meiner liebsten Songs ist 'Starless' (King Crimson), und die ersten vier Minuten sind diese wunderbare, melodische Ballade von John wetton, der übrigens nur ein paar Meilen von hier gewohnt hat. Hättest Du nur die letzten sechs Minuten, wäre das ein durchaus auch okay, ein interessantes, brutales Instrumentalding, aber so hast Du dieses Yin/Yang-Ding mit Licht und Schatten, und das macht Progressive Rock einfach zu einem so wunderbaren Format. Ich finde es schade daß einige Bands das vergessen haben - wir versuchen, das nicht zu vergessen (lacht)."

Ich sehe BBT auch eher in dieser "Storyteller"-Tradition, bei der die Geschichte des Songs diktiert, wie lange er gehen wird, wie beispielsweise auch bei Genesis und Sachen wie 'The Musical Box'. Würdest Du da zu stimmen?

"Ja, definitiv. Ein Song wie 'London Plane' erzählt die Geschichte von London über die letzten 400 Jahre, das Thema innerhalb von vier Minuten abzuhandeln, wäre ziemlich schwierig! Und so entwickelt sich beispielsweise diese chaotische Mittelstelle eben aus den Kriegsjahren. Für mich braucht Musik einfach diesen Gänsehautfaktor. Du kannst superclevere, komplexe Musik schreiben, die aber trotzdem nichts bewegt. Für mich muß das Ganze einfach emotional wirken. Wenn du das in vier Minuten schaffst, perfekt, wenn es vierzehn Minuten dauert, auch gut! Wir wollen uns da nicht irgendwelchen Sachen verschließen."


Ich bilde mir ein, bei Big Big Train auch immer wieder Elemente von Soul Music der Sechziger herauszuhören, gerade in Davids Gesang.

"Ja, definitiv. Wann immer Dave Gregory und Rikard jammen, haben sie dieses Fünfziger-Sechziger-Jahre-Ding, das dann herauskommt. Und David ist ursprünglich tatsächlich eher ein Soul-Sänger. Ich denke, das setzt BBT auch von anderen Progbands ab, dieses Element, das David dann auch perfekt umsetzen kann. Bei den Liveshows, und ich komme nun wieder zu 'Swan Hunter' zurück, gab es solch einen Moment - es gibt da diese eine Zeile, die ziemlich hoch ist, und David sang sie so voller Schönheit, daß das Publikum spontan in Szenenapplaus ausbrach. Ich meine, ich habe das schon bei Gitarrensoli erlebt, aber noch nie bei einer gesungenen Zeile, in der Mitte eines Songs! Sänger wie Jon Anderson, John Wetton oder Peter Gabriel hatten auch diesen Soul in ihrer Stimme. Ich meine, John Wetton - die Reichhaltigkeit seiner Stimme, das unglaubliche Basspiel und seine großartigen Songs! John hatte seine Dämonen, wie man weiß, hatte er eine Weile mit Alkoholismus zu kämpfen. Was das Wunderbare war, er war in der Lage, damit umzugehen und als wunderbarer, in sich gefestigter Mensch herauszukommen. Wir haben seine Witwe in den letzten Jahren recht gut kennengelernt, noch eine wunderbare Person. John war ein großer Held von uns, und wir haben ihm auf "Grimspound" den Song 'Meadowland' gewidmet, der uns immer an ihn erinnert."



Gerade Dorset und speziell Bournemouth brachte ja viele Progressive-Rock-Musiker und Bands hervor, neben John zum Beispiel noch Robert Fripp und Greg Lake. Was, denkst Du, ist der Grund, daß Prog in dieser Region so gut gedeiht?

"Ich weiß nicht! Ja, Robert Fripp lebte gerade hier die Straße entlang, Greg Lake lebte auch lange hier... John hat einmal die Theorie aufgestellt, es komme von der Kirchenmusik, und da könnte etwas dran sein. John war Kirchenorganist, und ich habe im Kirchenchor gesungen - auch wenn man das nicht glauben mag, wenn man mich heute singen hört! Einige der ersten Prog-Sachen, in die ich mich verliebte, hörte ich, während ich ein Chorjunge war und erinnerten mich an die Kirchenchor-Arrangements. Die Musik aus den Siebzigern sitzt tief in unserer musikalischen DNA, und ich denke, da war ein großer Einfluss dieser Musik. Geoff Downes (Anm: Asia) macht das auch immer, diese großen, mitreißenden Akkorde. Ein Song wie 'Jerusalem' (Anm: gecovert u.a. von Emerson, Lake & Palmer) gehört in England zu den populärsten Songs. Im Endeffekt ist Prog ja eine Kombination aus Kirchenmusik, Pop, ein wenig Jazz, Klassik, Folk... man darf es nur nicht zu einer Blaupause verkommen lassen, so nach dem Motto "Du mußt einen Part in 7/8 oder 9/8 haben" - damit verlierst Du diese Freiheit. Prog ist ein großer Spielplatz, und wenn Du nur das wiederholst, was Andere schon vorgelegt haben, wird es einfach nur langweilig. Wenn das Prog-Label dich zwingt, jeden Song auf zwanzig Minuten auszudehnen, ist es eine negative Sache, wo es Dir eigentlich kreative Flügel verleihen sollte. Ich habe letztens eine Studie gesehen, nach der moderner Top-40-Pop immer anspruchsloser und formelhafter wird. Und das ist schade, den großartige Popmusik hat sich immer außerhalb dieser Formeln bewegt. XTC oder Prefab Sprout haben wunderbare, seelenvolle und originelle Popsongs geschrieben, die nie platt oder in ihren Grenzen gefangen waren."

Ein beliebtes Spiel derzeit ist ja die Diskussion "ist dieser oder jener Progressive-Rock-Künstler wirklich progressiv?". Als interessante Variation davon habe ich kürzlich eine Diskussion auf facebook verfolgt, die in etwa lautete "Big Big Train sind Progressive-Band, keine Frage, aber sind sie auch Rock?

"(lacht) Ja, das habe ich auch gelesen... Klar, Big Big Train sind eher am ruhigeren Ende des Prog-Spektrums angesiedelt, aber zumindest live können wir uns auch ein wenig mehr lockern und ein wenig mehr Lärm machen. Der Plan ist deshalb auch, nächstes Jahr die Loreley zu spielen, in 2019 dann eine ausgedehnte UK-Tour zu spielen und hoffentlich 2020 eine komplette Europatour, vielleicht auch ein paar Shows in den USA. Es kostet uns eine Menge Geld, und da wir bislang keinen Promoter beschäftigt haben, ist es auch immer eine Menge Arbeit, aber wir wollen das eben auch machen. Wenn Du als Musiker heute davon leben willst, mußt Du eben möglichst viel Arbeit selbst erledigen. Wir haben jetzt zum ersten Mal seit langem einen Vertriebsdeal für unsere Alben unterschrieben, immer noch auf unserem eigenen Label. Es gibt mmer noch diese alten Strukturen im Musikbusiness, aber, wie wir lernten, sind die unflexibel, können die gar nicht so schnell reagieren, wie wir das selbst können. Es ist eine enorme Erfahrung und wir müssen viel lernen."

Für eine selbstorganisierte Band ohne großen Plattendeal seid ihr aber im UK zumindest ziemlich weit gekommen.

"Ja, das stimmt schon. Allerdings: ich bin gestern aus dm Urlaub gekommen und wollte eigentlich mit dem Songwriting weitermachen, aber stattdessen habe ich den ganzen Tag damit verbracht, Emails zu beantworten! Es befreit Dich natürlich, wenn Du die komplette Kontrolle über alles hast, aber es verschlingt auch jede Menge Zeit. Dafür konnten wir uns beispielsweise spontan entscheiden , die Weihnachtssingle aufzunehmen und zu veröffentlichen, wohingegen ich andere Bands auf unserem Level kenne, die sechs Monate warten müssen, bis das Label ihr fertiges Album herausbringt. Ich will damit nicht sagen, daß wir nie mehr einen Plattenvertrag unterschreiben würden. Steven Wilson hat das kürzlich getan, und er hat es als ganz bewußten Karriereschritt getan. Würde also die Single sich nun richtig gut anlassen und wir bekämen Angebote, würden wir uns die natürlich auch ansehen. Aber derzeit machen wir das eben alles selbst, und das funktioniert ganz gut - ich hoffe, das tut es noch eine ganze Weile!"

Soweit einmal Gregory Spawton von Big Big Train. Das Gespräch streifte übrigens neben den hier zu lesenden Punkten auch noch Themen wie Politik, Geschichte, Punkrock (!), deutsche Weihnachtsmärkte, die Sehenswürdigkeiten von Dorset und die Entwicklung von Bournemouth selbst in den letzten Jahren. Jedem Progfan, der die Band bislang noch nicht auf seinem Einkaufszettel hatte, sei empfohlen, sofort entweder zur Bandcamp-Seite der Band zu gehen (siehe rechte Spalte) oder sich beim Just For Kicks-Webshop gleich die aktuelle Weihnachtssingle "Merry Christmas" (VÖ: 8.12.2017) einzutüten. Ein Teil des Erlöses dieser Single geht übrigens Obdachlosenheimen in der Heimatstadt der Band zu.

Vielen Dank an Gregory für die Zeit und das unterhaltsame Gespräch sowie an Clemens Väth von Just For Kicks für's Organisieren des Ganzen.

Fortsetzung Big Big Train - Der bekannteste Geheimtipp des Prog Seiten 1 2 3

 

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SaschaG
© 11/2017 whiskey-soda.de
 


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