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In der DDR hatten es Rayner und Nik anfangs nicht leicht, sich mit elektronischen harten Sounds als Künstler zu etablieren, es gab wenige Möglichkeiten und noch weniger Geld. Nach der Wende taten sich allerdings neue Tore auf, die Jungs wechselten vom reinen elektronischen Sound zu wuchtigen Industrial-Klängen und mittlerweile existieren von den Berlinern Alben wie DESTROYKA, THE TRASH INSIDE MY BRAIN und BASTARD. Im Vergleich ist das aktuelle Werk NEOSAPIENS, laut Nik, von seiner musikalischen Intensität her dem Vorgänger ähnlich, wobei es aber melodischer und abwechslungsreicher ist, als BASTARD:",...dieselbe Energie wie bei BASTARD, vom instrumentellen her ... aber dass halt die Vocals wesentlich melodischer und eingängiger geworden sind, als bei der BASTARD. Und deswegen ist NEOSAPIENS insgesamt viel abwechslungsreicher. Von den Songs ist sie gar nicht so viel anders als DESTROYKA, wir haben eben einfach einen härteren Sound gemacht. Von den Kompositionen her ähnelt die neue Platte der DESTROYKA am stärksten und vom Sound her der BASTARD"
Soviel zur Musik, aber obwohl Nik nicht der Meinung ist, das deutsche Publikum höre stark auf den Text ("find ich eigentlich gar nicht...viele haben zwar in der Schule Englisch gehabt, aber es ist nicht so, dass die bei den Konzerten auf die Texte achten"), hinter den letzten Blind-Passengers-Alben ist ein Konzept zu erkennen, das sich im Laufe der Zeit ergeben hat.. ",das hat sich erst aufgebaut ... ich sag mal, das ging ja schon 1997 mit der TRASH INSIDE MY BRAIN los, halt so die Thematik so'n bisschen und die letzte Platte, die BASTARD hatte halt auch bereits so als Thema die Verschmelzung von Mensch und Maschine, dieses neuen Übermenschen, dieses hybriden Wesens halt so beschrieben. Und NEOSAPIENS ist halt schon ein paar Generationen jetzt weiter wo dann halt der Maschinenstaat in der Vollblüte steht und mittlerweile auch diese ganze Biotec- und Bodytuning-Industrie auch voll ausgereift ist" Dass hinter ihrer Arbeit dieses Konzept steht, findet Nik besonders wichtig ‚wir versuchen schon, mehr als nur Musik zu machen'
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Passend zu diesen Zukunftsvisionen, die in den Vocals thematisiert werden, war auch die Show im Kesselhaus. Nicht nur dass die Klänge entsprechend der Maschinengesellschaft laut und hart waren, manche Instrumente sahen entfremdet aus, an allen Ecken und Kanten blinkten hektisch Lichter, mechanische Bewegungen und wirre Blicke bei den Musikern waren nicht selten, man hatte das Gefühl, während der Zeit auf der Bühne seien sie in ihre selbst kreierte Welt der Hybriden, Biotec und Neosapiens eingetaucht. Da merkte auch keiner mehr, dass Rayner an einer Grippe litt und die Besorgnis des Kollegen schien relativ unbegründet "Wir haben etwas trouble, denn Rayner hat halt ziemliche Grippe, ich hoffe, dass sich das heute auch nicht allzu negativ auswirkt auf die Berlin-Show. Aber jetzt hat er ja eine Woche Pause, dass es dann wieder mit Vollgas weiter gehen kann"
Von Grippe war ein paar Stunden nach dem Gespräch nicht mehr viel zu spüren, Rayner, Nik, Rudi, Andre und Andy lieferten eine laute und rasante Show. Beginnend mit ‚Troops of Tomorrow' stand natürlich die Präsentation des aktuellen Werkes im Vordergund, es wurden aber auch einige alte Songs gespielt. Im Umfeld wurde der Gig begleitet von netten Videoinstallationen, die nicht ablenkten aber durchaus einen Blick wert waren. Dies und der so eben erschienene Roman NEOSAPIENS stellen nicht nur für die Bandmitglieder der Blind Passengers eine Verschmelzung verschiedener Künste dar, die ein wesentlicher Punkt des Clan of Nihil ist. Doch auch dem Helmsman ist der fließende Übergang verschiedener Künste wichtig:"...wir versuchen verschiedene Kunstformen miteinander verschmelzen zu lassen, der zentrale Punkt ist zwar die Musik...aber auch andere Podien zu suchen, um diesen Neosapienskosmos zu beschreiben, das ist halt auch, was den Clan of Nihil ausmacht."
Die Blind Passengers waren übrigens an diesem Abend nicht die einzigen Clanmitglieder im Saal und auf der Bühne. Vor dem Main-Act spielte Clanbegründer Norri mit seiner Trash-Industrial-Formation K.D.A. und erfreute oder verwirrte das Publikum mit einer bizzaren Show und heftigen, fiesen Sounds.
Am 31.3. war also im Kesselhaus Party angesagt, es gab laute Klänge, Interessantes zu sehen und viel zu feiern, nicht zuletzt ein gelungenes Werk über Mensch und Maschine und anschließend ein Album namens MUTTER.
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