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Biohazard - Die Väter des Crossover & Hardcore sind zurück

BIOHAZARD sind besser denn je! Diesen Satz musste ich einfach an den Beginn meines Artikels stellen, denn was die New Yorker Hardcore- Recken mit 'Uncivilization' abliefern, ist der absolute Hammer. Ohne die geringste Übertreibung kann man dieses sechste Album als bisherigen Höhepunkt des Schaffens der Band aus Brooklyn bezeichnen; vielleicht muss man das sogar!? Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass 'Uncivilization' schon bald ein ebenso wichtiger Meilenstein wie ihr Klassiker 'Urban Discipline' (Roadrunner) vom Beginn der 90ziger Jahre sein wird.

Es ist wohl nicht vermessen, zu behaupten, der moderne New Metal basiert zu einem Großteil auf den Platten von BIOHAZARD; waren sie doch die ersten, die Hip Hop, Hardcore und Metal zusammenführten. Jetzt schütten sie neues Öl ins Feuer, beweisen, wer die wahren Chefs im Ring sind, und lehren den billigen New Metal- Kopien das Fürchten! In den zwei Jahren nach 'New World Disorder' (99/Mercury) hat die Band dabei so manchen Rückschlag hinnehmen müssen; durch die Bewältigung der Probleme aber zugleich auch ungeahnte Stärke gewonnen. Nicht nur in ihren Texten singen BIOHAZARD davon, sich den inneren Dämonen zu stellen, seine Probleme durch Eigeninitiative zu lösen und niemals zu resignieren. Vielmehr sind es die tatsächlichen Erfahrungen der Musiker, die sie mit ihren Fans teilen und gerade das lässt die Band derart identifizierbar erscheinen. Erneut stand die Band vor Konflikten mit Label und Management. Dreizehn neue Songs zeugen vom Durchhaltevermögen der Musiker und ihrem erfolgreichen Kampf. Einen ungeheuren Energieschub erhielt das Quartett dabei auf ihrer letztjährigen Europa-Tournee, die BIOHAZARD ohne neues Album und gegen den Willen von Label und Management spielte. Der überwältigende Erfolg der restlos ausverkauften Tour gab der Band recht und mit Steamhammer/SPV hat man jetzt wieder den nötigen Rückhalt, um sich ganz auf die eigene Musik zu konzentrieren. Kurz umrissen ist das neue Material über die volle Länge hinweg wieder etwas schneller und härter. Die Produktion kann dabei eigentlich nur als sehr tough beschrieben werden und alles, was man hört, ist zu 100 Prozent BIOHAZARD pur. Den eigenen Proberaum baute man kurzerhand zum digitalen Aufnahme-Studio um und in diesen Rat Piss Studios nahm man das Projekt in Angriff, ohne zusätzliche Techniker oder Produzenten, ein neues Album einzuspielen. Die Minimierung der externen Einflüsse kommt dem Ergebnis stark zu gute, denn 'Uncivilization' ist näher an den Live-Qualitäten der Band als jede andere Scheibe zuvor. BIOHAZARD 2001 heißt Energie pur, noch durchschlagendere Songs und noch klarere Sozialkritik. Unzählige Gastauftritte von u.a. Phil Anselmo (Pantera), Sen-Dog (Cypress Hill) sowie Mitgliedern von Slipknot, Hatebreed, Agnostic Front runden das Werk ab; dokumentieren zugleich auch deren Freundschaft mit der Band. Auf den B-Seiten der Singles werden weitere hochkarätige Namen vertreten sein und Aufnahmen mit den Cro-Mags, Deftones oder auch Papa Roach stehen bevor. Einmal mehr ist außerhalb gängiger Kategorisierungen ein lebendiger Hybrid entstanden, der unnachahmlich BIOHAZARD ist. Ein wenig irritierte mich anfangs das schwarz-weiße Cover, dass Jungen der Hitler-Jugend zeigt, die Fahnen mit dem BIOHAZARD- Logo halten. Evan und Billy, die ich in einem Berliner Hotel traf, musste ich folglich zum Art-Work befragen, doch bevor ich eine Antwort erhielt, sollte ich mein Verständnis des Konzeptes erklären und traf auf Zustimmung: "Genau, das ist die Hitler-Jugend. Ich denke, dieses Bild ist einfach perfekt für unser Album und zutiefst ironisch. Das ist 'Uncivilization' und ein Beispiel, wie krank unsere Gesellschaft ist. Es ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt dieser Zeit, aber die Kinder im Bild stehen für puren Hass, obwohl sie gerade sieben oder acht Jahre alt sind. Sie sollten eigentlich Ball spielen, sind aber zu Trägern der Hasses stilisiert; sind keine wirklichen Kinder mehr. Die Idee hinter diesem Bild ist, dass niemand und nichts unschuldig ist. Unschuldigkeit kann innerhalb einer Sekunde verloren sein. Wir müssen die Welt verändern und die einzige Chance für BIOHAZARD ist es dabei, zu Veränderung aufzurufen. In der heutigen Gesellschaft können wir alleine kaum etwas bewirken, aber wir versuchen es dennoch. Wir müssen die nächste Generation, deine und meine Kinder, positiv beeinflussen, denn sie werden die Zukunft sein. Sie müssen unsere Fehler erkennen und aus ihnen lernen. Es ist entscheidend, unseren Kindern wieder grundlegende Werte zu vermitteln, die das Leben lebenswert machen. Unsere Kinder werden vom Fernsehen, unseren Handlungen und dem, was unsere Gesellschaft glorifiziert, erzogen. Wo aber ist der Platz für Liebe, Harmonie, Freundschaft und Familie? Besonders das Familienbild ist heutzutage nicht das, was es sein sollte. Wir sind nicht nur auf dieser Welt, um möglichst viel Geld zu horten und zu konsumieren, sondern um eine Familie zu gründen und in dieser menschliche Werte zu leben. Es dreht sich nicht alles um Geld. Ich bin hier, um zu lieben und geliebt zu werden; um Freunde zu haben, die mir viel bedeuten und an die ich glaube." Es ist ein sehr emotionales Album geworden und die Musiker verbinden mit jedem einzelnen Song sehr viel. Evan selbst bezeichnet 'Uncivilization' sogar als persönlichste Platte, die BIOHAZARD jemals aufnahm.

 

Das Booklet ist abgesehen von diesem Cover und einigen Bildern der Musiker (inklusive kleinem Klapp-Poster) sehr spartanisch gehalten, aber das gehört zum Konzept: "Wir haben bewusst keine weiteren Informationen ins Booklet gesetzt; nur unsere Namen, die Songtitel und die Adresse unserer Website. Texte und Thank- List werden auf dieser Website erscheinen und wir wollen, dass unsere Fans diese aufsuchen. Die Texte werden dort in möglichst viele Sprachen übersetzt erscheinen, denn sie sind für uns das Wichtigste überhaupt und wir möchten Missverständnisse vermeiden." Dass die Jungs gerne auf Tour sind, braucht man wohl nicht erst betonen, aber schmunzelt sagte Evan auf meine Frage nach der nächsten Tour: "Jedes neue Album ist eigentlich nur der Vorwand, wieder auf Tour zu gehen und mehr Shows zu spielen." Hier in Europa wird man voraussichtlich CANDIRIA im Vorprogramm der Brooklyner sehen, aber auch auf der 'Tatoo The Planet'-Monster-Tour sind BIOHAZARD mit dabei.

Ein wenig irritiert mich immer wieder die Einordnung der Band in den Hardcore, den sie durch ihre Popularität einerseits wirklich gepusht haben, dem sie andererseits aber doch nicht wirklich angehören. Auch die Bandinfo der neuen Platte spricht von BIOHAZARD als Hardcore-Band, was meine Nachfrage vor Ort herausforderte: "Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie er BIOHAZARD einordnet. Wir sind immer das, wofür man uns hält, denn jeder hat schließlich seine eigenen Auffassungen von Musik. Natürlich ist alles, was wir jemals in unseren Leben getan haben Hardcore, denn Hardcore heißt für uns, für das einzutreten, an das man glaubt und seinem eigenen Denken und Handeln treu zu bleiben. Alles was wir tun, machen wir mit 100%! Wir sind schon Hardcore, auch wenn wir nicht die Flagge des New York Hardcore tragen. Unsere Musik wurde schon vom Hardcore beeinflusst; natürlich aber auch von Metal, Punk, Hip Hop, Funk, Reggae und vielen andern Dingen. Letztlich sind doch alles nur Wörter wie dieser schreckliche Begriff des New Metal. Ich hasse diesen Begriff, seitdem er im letzten Jahr aufkam. Was ist denn dieser New Metal und was ist dann eigentlich alter Metal?" Wunderbar; da nahm mir Evan doch gleich zu Beginn eine Frage vorweg, die mir ebenfalls in den Sinn gekommen war. Auch mir scheinen die, momentan stark populären, New Metal Bands viel mit dem Sound der Brooklyner gemein zu haben: "Sage bloß nicht, BIOHAZARD seien New Metal. Natürlich würden uns dann wohl mehr Kids hören, die diesen ganzen Kram kaufen, aber darum geht es schließlich nicht. Wir sind eine Band, die schon sehr lange unterwegs ist und wenn sich die meisten dieser New Metal Bands wieder aufgelöst haben, werden wir noch immer hier sein. Musik ist eine Kunstform und daran muss man immer denken. Wie auch in der Malerei kann man nicht alles in Schubladen stecken. Letztendlich entscheidet der Hörer selbst und darauf bauen wir." Die vielen Parallelen sind aber nicht von der Hand zu weisen: "Schon einige Leute haben uns auf dieser Promo-Tour als Pioniere des New Metals bezeichnet oder auch als Vorreiter des Rap-Meta, weil wir die erste Band waren, die diese Genres zusammenführte. Es kamen auch schon viele Band zu uns und sagten Ähnliches. Klar, das freut uns, aber wir haben schon immer nur das gespielt, was wir fühlten. In jeder Musikrichtung setzen einige Bands Trends und andere amen das dann nach, um an den Erfolg anzuknüpfen. Wir versuchten nie, bewusst einen Trend zu setzen. Viele Bands haben wirklich Elemente unserer Musik übernommen, aber daran stören wir uns nicht, weil wir es als höchste Form von Respekt verstehen." Besonders die teils dominierenden Hip Hop Style Vocals und der vordergründige Groove der Band fand schnell Trittbrettfahrer: "Wir nutzen diese Elemente schon, seitdem wir mit BIOHAZARD starteten und viele Bands folgen einfach den aktuellen Trends und dem, was sie kennen. Wir wurden damals stark von Brooklyn beeinflusst, da wir dort aufwuchsen. Wir hörten sowohl Judas Priest, Iron Maiden oder Black Sabbath, als auch die Bad Brains, Cro-Mags und Agnostic Front. Ist man freitags in eine Disco gegangen, kamen Africa Bambata, Planet Rock, Run DMC und die Sugar Hill Gang hinzu. Das alles prägte uns. Wir haben ganz natürlich angefangen zu rappen und irgendwie hat das damals jeder um uns herum getan. 1982 war das einfach so. Auch Mick Jagger, Bob Dylan und Bob Marley haben schließlich gerappt. Es passierte einfach! Wir haben uns nie hingesetzt und gesagt: So, wir rappen jetzt. Es war kein Konzept, Metal mit Hip Hop zu verbinden; es kam vielmehr aus unseren Herzen. Die Bands heutzutage imitieren das; sind aber eben stark von unserem Hybrid inspiriert. Vor uns hat es einfach keiner getan und deshalb konnten wir es auch bei keinem anderen abgucken. Wir haben einfach unsere eigenen Gedanken zusammengebracht. Manchmal kommen Kids zu uns, die festgestellt haben, wir seien von Soundgarden oder Korn beeinflusst. Dazu erwidere ich dann nichts und das ist wohl auch besser so. Es ist aber schon traurig. Es wäre wichtig, dass die Leute wissen, wo die Dinge ursprünglich herkommen. Im Laufe der Zeit wachsen neue Generationen heran, die über die Ursprünge leider nichts mehr wissen. Dieses Wochenende spielten wir zum Beispiel mit den Deftones und Suicidal Tendencies. Wir hatten Backstage eine lange Diskussion über die Bad Brains, die wir alle sehr lieben. Die Deftones sind von den Bad Brains stark beeinflusst und spielen viele ihrer Riffs. Oft tragen sie auf ihren Show auch T-Shirts der Bad Brains. Wir mussten über folgendes lachen: Die Deftones versuchen den Kids von den Bad Brains zu erzählen und wenn diese Kids dann die Band auch wirklich hören, denken sie, sie klängen wie die Deftones. Das ist schon verrückt." Das ist definitiv ein Punkt, den man sich nicht nur in diesem Fall bewusst sein sollte. Wer die Ursprünge der Musik nicht kennt, kann auch die modernen Vertretern nicht wirklich einordnen und ihr Schaffen auch nicht bewerten, denke ich. Ebenso wie sich die Musik im Laufe der Zeit änderte, sollte auch jeder Hörer so offen sein, sich neben den populären Bands zu den Wurzeln bzw. Klassikern eines Genre zurückzuarbeiten, denn wahre Perlen entstanden nicht ausschließlich in den letzten Jahren. Vielmehr scheint mir oft, dass die Stilvielfalt vor einigen Jahren noch größer war als heute.

 

Auch BIOHAZARD haben im Laufe ihrer Karriere viel erlebt und ziehen mit dem neuen Album eine interessante Bilanz: "Wir haben nie bewusst eine neue Platte geplant; vielmehr basieren alle Songs auf unseren persönlichen Erfahrungen und Emotionen. Auch unser sechstes Album ist ein Abbild unserer Leben und reflektiert, was in unseren Köpfen und Herzen vorgeht. Wir hatten in der jüngsten Vergangenheit eine sehr harte Zeit und mussten sowohl in uns selbst als auch im Leben viel durchstehen. Erneut waren wir vom Musik-Business stark enttäuscht und das zeigt sich in unseren neuen Songs. Für mich ist es wie ein Kreislauf. Mit 'Urban Discipline' wussten wir nichts über diese ganze Industrie und nun, fünf Alben später haben wir alles mitgemacht, was man in diesem Business erleben kann. Auf SPV sind wir inzwischen glücklicher, als wir es jemals zuvor waren, denn es zählt ausschließlich die Musik. Wir sind auf der selben Ebene wie zu Beginn und das ist gut so." Ganz wie zu Beginn ihres Weges stellt sich die Situation sicherlich nicht, aber vielleicht kann man es derart interpretieren, dass sowohl 'Urban Discipline' damals als nun heute 'Uncivilization' emotional wie handwerklich richtungsweisend für die weitere Zukunft ist bzw. war. Die Alben zwischen beiden Werken erreichten nicht deren Kaliber, aber vielleicht müssen die Musiker einfach ganz unten sein, um ihren Empfindungen derart kräftig Ausdruck zu verleihen. Schon der erste Song weist dabei den Weg: "Er heißt ja 'Sellout' und beschäftigt sich gerade mit diesem ganzen Bullshit, den wir mit verschiedenen Labels durchlebt haben. Nur wenn dich die Leute respektieren, kannst Du auch dein eigenes Ding machen. BIOHAZARD haben leider zu viele Schattenseiten gesehen und das ist auch der Grund für die wechselnden Labels gewesen. Wir werden uns niemals verkaufen!" Das ist einerseits Versprechen an die Fans und andererseits eine große Herausforderung an sich selbst. Doch Evan ist inzwischen wohl Profi genug, um das zu wissen. Zu den Labelquerelen befragt, winkte er nur lachend ab: "Erzähl mir von den Labelproblemen; das ist das Gleiche, als fragest Du mich nach meinen Problemen mit Frauen. Es sind eben Probleme, die man vielleicht braucht, sehr oft hat und die immer Probleme bleiben. Wir lieben unsere Musik, aber hassen dieses Business. Ich könnte mir durchaus vorstellen, andere Künstler als Manager zu betreuen. Ich könnte mir vorstellen, auf der Seite der Guten zu arbeiten, aber niemals auf der Seite der Bösen. Dann könnte ich nicht mehr ruhig schlafen." Steamhammer/SPV heißt die neue Heimat der Band und hoffentlich sind damit die Probleme auch auf längere Sicht gelöst: "Wir spielten eine Show auf unserer letzten Europa-Tour und im Anschluss kann ein Typ namens Dennis zu uns und sagte: "Hey Mann, ich liebe eure Band und möchte euch für mein Label signen." Es stellte sich schnell heraus, dass er von SPV sprach und die hatten ja unser allererstes Album vertrieben. Wir hatten uns auch bereits vor diesem Treffen entschieden, ein europäisches Label zu suchen und auch schon einige kontaktiert. Viele Bands haben nämlich große Probleme, weil sie auf einem amerikanischem Label gesigned sind. Der Typ, der dich signed, ist vielleicht bei dir in New York, aber das heißt ja nicht, dass sich irgendwer im deutschen oder japanischen Labelbüro um dich schert. Deine Kontaktperson wird dann vielleicht gefeuert oder kündigt gar und du sitzt Leuten gegenüber, denen du egal bist; mit denen du aber einen Vertrag hast. Wir haben also mit verschiedenen Labels gesprochen und uns letztlich für SPV entschieden, die bisher auch sehr gute Arbeit leisten." Dennoch hatte sich der Veröffentlichungstermin der neuen Platte von Juni auf Anfang September verschoben: "Das war nötig, weil wir noch keinen Deal in Amerika haben und noch immer daran arbeiten. Das sind eben diese leidigen Probleme, aber man kann eine Platte nicht in Europa Monate vor einem Release in Amerika herausbringen. Man muss vorher alle Dinge geklärt haben." ...und in jeglicher Beziehung sind die Barrieren, vor denen BIOHAZARD standen, ausgeräumt. Es war absehbar, dass die neue Platte auch mehr als eben nur ein weiteres Album sein würde: "'Uncivilization' ist für uns ein vollkommen neues Kapitel. Zum einen können wir all unseren Freunden danken, indem wir sie mit auf die Platte holten und andererseits singen wir natürlich auch wieder von den typischen BIOHAZARD- Themen; für das einzustehen, an das man glaubt und niemals aufzustecken. 'Last Man Standing' ist z.B. ein solcher Song. Jeder hat doch schlechte Tage. Du wachst morgens auf und kannst nicht glauben, dass du wirklich ein solch beschissenes Leben führst. Du musst Dich aber dennoch aufraffen und weitermachen. Man muss die Kraft haben, etwas aus seinem Leben zu machen. Ein Opfer zu sein, ist leicht. Natürlich stinkt einen das Leben oft an, aber man kann es bewältigen. Brauchst Du dabei Hilfe, rufe Deine Freunde an oder auch uns. Wir erhalten so viele Emails von Menschen, die uns von ihren Problemen erzählen. Es sind die verschiedensten Geschichten, aber die meisten handeln davon, dass die Leute nach dem Hören und Lesen unserer Texte ihre Probleme lösen konnten und neue Kraft fanden. Was uns unsere Fans erzählen ist dabei entscheidend: Sie haben ihre eigene Stärke in ihrem Inneren gefunden und nicht unsere Kraft. Sie fanden eigene Stärke, sich den eigenen Problemen zu stellen und diese zu bewältigen. Man muss erkennen, dass das Leben ein endloser Kampf ist, dem man sich täglich neu stellen muss. Wenn uns unsere Fans so etwas erzählen, bedeutet uns das mehr als jede Cover-Story, jedes Video und jede goldene Schallplatte. Das werden wir nie vergessen, denn ohne diese Leute gäbe es BIOHAZARD nicht." Den Opener 'Sellout' hatte ich in eben dieser Richtung verstanden und auch als zentral für das gesamte Album. Warum aber haben die New Yorker ein solchen Song nötig? "Wir müssen das wirklich nicht sagen, denn unsere Fans wissen das. Ich möchte lieber sagen, dass wir uns niemals verkaufen werden. Es ist uns wichtig, es gerade den Leuten zu sagen, die uns all die Briefe schreiben, die unsere Tatoos tragen und die zu unseren Shows kommen. Im letzten Jahr waren wir hier in Europa auf Tour und auch ohne neues Album waren die Shows jeden Abend ausverkauft. Es was unglaublich. Viele Bands analysieren heutzutage die Charts, spielen etwas nach und die erste Platte wird dann auch ein Hit. Liest man dann Interviews mit diesen Bands hört man sie sagen, sie hätten schon die verschiedensten Stile ausprobiert, bevor sie es mit härterer Musik versuchten. Wir sehen, dass es kurzzeitig funktioniert, auch wenn diese Bands eigentlich nicht wissen, was sie da machen. Auch wir lassen verschiedenste Stile in unsere Musik einfließen, aber BIOHAZARD ist diese lebendige Einheit, die sie schon immer gewesen ist. Unsere Musik kommt aus dem Inneren, aus unseren Herzen. Ausverkauf wäre es, wenn man Musik aus den falschen Gründen spielt. Etwa für seine Manager oder einfach nur für den Profit; aber das hört man immer sehr schnell." Gerade auch in diese Richtung zielt die Idee hinter 'Uncivilization': "Das Album dokumentiert unseren Hass gegenüber dieser plastischen Pop-Kultur. Schaltet man in Amerika MTV an, sieht man den ganzen Tag im Wechsel N' Sync und die Backstreet Boys. Sie geben den Kids ausschließlich die Wahl zwischen diesen beiden Gruppen. Ich wünschte mir, man sähe mehr härtere Bands, mehr Underground Hip Hop und auch Musik, zu der man sonst keinen Zugang hätte. Ich kann nicht begreifen, warum immer nur dieser Fake-Shit gespielt wird. Sie würden das gleiche Geld verdienen, wenn sie Heavy Metal spielen würden, denn Kids kaufen, was immer man ihnen vorsetzt; egal, was es letztlich ist. Das ist eigentlich krank, aber es ist leider so. Als ich selbst noch ein Kid war, gab es kein MTV und wir tauschten Mix-Tapes. Über diese Mix-Tapes lernte ich Musik kennen und viele Bands hätte ich sonst nie kennen gelernt. Die Massenmedien sind vollgestopft mit Informationen, aber gleichzeitig auch stark limitiert. Nimm zum Beispiel das kommerzielle Rock Radio in Amerika. Sie spielen Active-Rock, wie sie es nennen, aber darunter verstehen sie ausschließlich acht Bands: Staind, Limp Bizkit, Disturb, Linkin Park, Incubus und zwei andere. Hört man das eine ganze Stunde, kommen die gleichen Songs in derselben Reihefolge und das ist nicht gut. Dabei sind das noch die besseren Radio-Stationen." Doch auch in den Staaten gibt es glücklicherweise Menschen, die neben dem ganzen Hype die Subkulturen am Leben erhalten und vielleicht ist es an Bands wie BIOHAZARD, eine Brücke zum Underground zu sein. Präsens im erwähnten Rock-Radio wäre da vielleicht ein wichtiger Schritt, auch wenn die Chancen dafür eher gering scheinen: "Es geschehen schon verrückte Sachen, denn das Leben ist einfach bizarr. Es wäre schon witzig, wenn diese ganzen Leute dächten, wir wären eine weitere neue Band, obwohl wir schon so lange dabei sind. Es wäre natürlich schön, BIOHAZARD einem noch größeren Publikum vorzustellen, aber viele sprechen davon, dass dieser ganze Hype um Bands wie Staind oder Papa Roach gerade niedergeht. Diese Band verkauften ihre Platten millionenfach, aber sie haben keine wahren Fans und das ist ihr größtes Problem. Um nichts auf der Welt würde ich das tauschen, was wir haben: loyale Fans, die uns unterstützen und für uns da sind. Das ist wichtiger als sechsmonatiger Ruhm und Dauer-Rotation im Radio."

Der sympathische Frontmann möchte sich abschließend bei allen deutschen Fans für ihre Treue und die jahrelange Unterstützung bedanken und seine letzten Worte waren dabei Versprechen und Aufforderung zugleich: "See You In The Pit!"


 

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Arne
© 08/2001 whiskey-soda.de
 


Kurzinfos: Biohazard

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- Biohazard

Artikel:
- Biohazard - Die Väter des Crossover & Hardcore sind zurück
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- Biohazard - Brooklyn Hardcore rockt das SO36

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