|
|
|
 |
|
|
|
Das finnische Triple eröffnete Timo Rautainen & Trio Niskalaukaus, die sich aufmachten, das Hauptstadtpublikum mit den deutschen Versionen ihrer klassischen Metal-Songs ins Schunkeln zu versetzen. So richtig warm wurden die Besucher zwar mit dem Material nicht, doch weh taten die Nordländer keinesfalls.
Besser machten es die Melodic Speed Metal-Lieblinge von Sonata Arctica, die zwar mit einem etwas punkigen Look die Bühne betraten (Sänger Tony Kakko´s Hose war hart an der Grenze des guten Geschmacks...), dafür aber auf musikalischer Linie vollends überzeugten. Mit "Reckoning Night" legten die finnischen Jungspunde los, "Missplaced" setzte das erste Geschwindigkeitshighlight, dem sich der erste Bandklassiker "Kingdom For A Heart" anschloss. "Victoria´s Secret" von "Winterhearts Guild" schloss den ersten Rundumschlag durch das Schaffenswerk des Fünfers.
Besonders überzeugend war die sympathische Ausstrahlung der Band, die ihren Spaß am Auftritt vor tausenden Fans in selbige fließen ließ. Das riesige Backcover prangte in der typischen Fantasy-Optik im Hintergrund, perfekt in Szene gesetzt durch einen opulenten Lichteinsatz. Davor hatten die Protagonisten alles fest im Griff, ihre schnellen, Doublebass-lastigen Stücke, eingängigen Melodien und massiven Chöre taten ihr Übriges, das Publikum in den Bann zu ziehen. Schade nur, dass Jani Liimatainens Gitarrenarbeit etwas unterging, hier wäre etwas Sechssaitige mehr perfekt gewesen. "Broken", "Replica", "Black Sheep", "Don´t Say A Word” und "The Cage” rundeten einen optimalen Vorgeschmack auf den Hauptakt ab. Als einziges Manko wäre das Auslassen der richtig schnellen Stücken wie "Weballery", "Land Of The Free" oder "San Sebastian" in der Songauswahl anzuführen. Aber dennoch: Absolut überzeugend!
|
|
|
 |
|
|
Nightwish setzten auf ein bombastisch-monumentales Intro der Größe von "Lord Of The Rings", "Dark Chest Of Wonders" beeindruckte durch ein erstes wuchtiges Achtungszeichen in Sachen harsches Riffing und übergroßen Orchestereinsatz, "Planet Hell" zeigte einmal mehr die neue Ausrichtung der finnischen Überflieger, die mit den Rammstein-artigen Gitarren und Bassist Marcos Knarzgesang schon die ersten Fragezeichen der Top Of The Pops-Fans im Publikum auf die Gesichter zauberten. Ruhige Töne lieferte "Deep Silent Complete", das mit massiven Nebeleinsatz als auch mit atmosphärischen Lichteinsatz daherkam. Bereits zum Beginn ließen Nightwish einiges aus der Pyro-Kiste, oft wallten Flammenwände im Hintergrund bis zur Decke auf oder zündeten Bomben. So macht Metal Spaß!
"The Phantom Of The Opera" schloss sich an, "Sleeping Sun" erstrahlte mit fantastischen Lichteffekten, bei denen rot-gelbe Lichtkegel die edel gekleidete Tarja Turunen umschlossen. Einen Überraschungseffekt gab das Megadeth-Cober von "Symphony Of Destruction", das durch Marcos dramatischen Gesang sehr "Once"-lastig klang. Stark! "End Of Hope" und "Bless The Child" blickten auf das "Century Child"-Album und die schwierige Phase der Band zurück, von der nun nichts mehr zu spüren ist und die Stücke äußerst massiv herüber kommen ließ. Absoluter Höhepunkt war "Wishmaster", nicht wegen des Songs, der zwar grandios herüber kam, sondern eher, weil Fotograf Belzebübchen den Haarpropeller anwarf und a) endlich für Luft sorgte und ich ihn im Sommer engagieren werde und b) für zahlreiche schockierte Blicke sorgte ob seiner ekstatischen Bewegungen und zu guter Letzt einen kleinen Achtjährigen neben uns veranlasste, für handgestoppte 5,8 Sekunden ihm den Scheibenwischer zu zeigen, bis sein Altrock-Vater den dreisten Zwerg zur Toleranz mahnte... Haha!
|
|
 |
|
|
|
"Slaying The Dreamer" setzte noch mal nach, bis dann endlich "Nemo" für all die Fans ertönte, die nur für ein Song auf ein Konzert gehen. Sogar der kesse Zwerg neben uns verarbeitete mit dem Hit sein traumatisches Erlebnis und zur Versöhnung aller markierte ein künstlicher Wasserfall zwischen Band und Bühne von der Decke das optische Highlight des Abends zum Ende des regulären Sets, auf den ein Regenbogen projeziert wurde. Alle dachten, dass dies nicht mehr zu steigern ginge, doch zogen die Mannen um Keyboarder Tuomas Holopainen noch einen mächtigen Trumpf aus dem Ärmel: Das bombastische, zehnminütige "Ghost Love Score" eröffnete die Zugabe, die Gänsehaut im Publikum verursachte und auf der Bühne allen Beteiligten Möglichkeit zum Posen im ganz großen Stil gab (ob es am finnischen Bier lag, das nun konsumiert wurde??). Doch auch effektmäßig war noch nicht alles gegeben, bei "Wish I Had An Angel" ballerten diverse Konfetti-Kanonen aus wirklich allen Rohren, die die ersten Reihen in einen wahrlich nordischen Schneesturm aus Papier versetzte. Zwar moserten einige über die etwas mainstreamlastigen Effekte, doch passte für meinen Geschmack hier alles zusammen, denn große Musik braucht eine große Show und die haben Nightwish in allen Bereichen geliefert. Und wenn der Chef Tuomas Holopainen auch sagt, dass die Band noch höher hinaus will und noch mehr auf Orchester setzen will, dann ist die Dimension dieser Show wirklich gerechtfertigt. Was bleibt, war ein finnischer Abend der Extraklasse.
|