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Abwärts - Live in Berlin

Die legendäre Band in ausgetauschter Besatzung wusste am Freitag, den 29.10. ein wahres anarchistisches Feuer im gut besetzten Columbia-Club zu entfachen.


Nach jahrelanger Abstinenz veröffentlichte die Combo um Mastermind Frank Z im August 2004 ihr Album Nuprop, was laut Eigenaussage für "Neue Propaganda" steht. "Nuprop" ist ein Meilenstein auf dem Weg zu den Wurzeln der Band, zurück zu hartem Punk, Maschinensound und heftigen Gitarrenattacken. Und kein Unbekannter wurde für die richtige Saitenlage verpflichtet.

Rodrigo Gonzales, vielen sicherlich auch einfach nur als Rod von den Ärzten bekannt, hat das Album nicht nur in seinem Berliner Studio produziert, sondern auch eigens Hand angelegt. Seit 1991 spielte er gelegentlich bei ABWÄRTS Gitarre und half auch Destination Zero, dem Nebenprojekt von Elf (Gitarrist bei ABWÄRTS und Slime), bei der Aufnahme mehrerer Longplayer. Frank Z und Rod kennen sich schon seit den 80ern und haben sich nie wirklich aus den Augen verloren. Rod spielte auch bei Franz Z. Soloalbum "Alcohol, Tobacco & Firearms" (1998) die Leadgitarre ein.

Bei den Ärzten meist nur am Bass zu hören, kann das Musikgenie zeigen, wie vielseitig und vor allem schnell Rod die Saiten anschlägt. Die Power und Aggressivität erinnert an die guten, alten Tage von Depp Jones, die Band, in der Rod während der "Pause" der Ärzte zusammen mit Bela spielte. Die fetten Riffs, die er bei ABWÄRTS Songs todessicher zu platzieren weiß, bieten sicherlich angemessene Abwechslung zu den Gute-Laune-Hymnen der Ärzte. Aber genug der Huldigungen an einen begnadeten Gitarristen. Schließlich sind die anderen Bandmitglieder auch keine Unbekannten. So trommelte Martin Dog Kessler bereits bei den H-Blockx und Bassist Zabel ist dem ein oder anderen sicherlich auch von Bands wie Ramonez 77, Razors oder Bronx Boys ein Begriff.

 

Die Geschichte um ABWÄRTS ist aber viel älter, als so mancher Fan, der ihre Konzerte besucht. Starten wir einen Rückblick. 1979 fand der erste Gig in Hamburg statt. Aus einer Unzufriedenheit gegen Staat und Kontrollmacht erschien im Folgesommer die "Computerstaat". Die Single konnte sich mehrere Monate auf Platz 1 der deutschen Independent Single Charts etablieren. Einem Album namens "Amokkoma", das das Gefühl der kalten BRD-Realität ausdrückte, sollten insgesamt weiteren acht Longplayern folgen.
Politisch nicht immer ganz unumstritten, vereinen ABWÄRTS technoiden Punkbeat mit experimentellen Arrangements. Und daran hat sich nichts geändert. Noch heute stehen politisch zielgerichtete Themen um Massenpsychosen und Zukunftsangst absolut im Vordergrund. Frank Z kann es sich auch nicht mit fortschreitendem Alter nehmen lassen, die ein oder andere politische Message geschickt zu verbreiten.

Das Konzert im Columbia Club eröffneten an diesem Abend BOMB TEXAS, eine astreine Rock´N´Roll Band aus Kreuzberg. Sie trieben erste Schweißtropfen in die Gesichter des gelegentlich pogenden Publikums und konnten sicherlich mit einem Cover des Turbonegro Klassikers "Demin Demon" einige Pluspunkte sammeln. Danach wagten SPITTING FROM TALL BUILDINGS den Sprung auf die Bühne. Mit einer Mischung aus Punk, Emo und Hardcore gaben sie einen eindrucksvollen Support. Einziges Defizit, die Stimme der Sängerin Bonnie Riot schien an diesem Abend etwas zu dominant für zarte Ohren. Entweder sie wurde schlecht abgemischt, oder die Frau treibt wirklich die Schmerzen in die Ohren. Aber am besten überzeugt man sich selbst. Und sicherlich wird es dazu noch mehr als genug Möglichkeiten geben, die Formation live zu erleben. Schließlich spielten sie dieses Jahr auf einigen Festivals und waren mit Bands wie MC LUSKY und SLUT auf Tour.

Gegen 22.30 Uhr war es dann soweit. Worauf so mancher Fan fast über ein Jahrzent warten musste, war zum greifen na und ohne großes Intro legten die Helden der etwas anderen Arbeit los. Von ihrem aktuellen Album wurden bis auf "Traumhochzeit" und "Dead Presidents" alle Stücke ohne Ausnahme gespielt. Aber sie ließen es sich auch nicht nehmen, ihren "Evergreens" aus alten Tagen neues Leben einzuhauchen. Gerade bei Songs wie "Computerstaat", "Zonenzombie" und "Alkohol" gab es in der Menge kein Halten. Von "Herzlich willkommen im Irrenhaus" (1993) und dem letzten offiziellen Abwärts Album "V8" (1995) wurde erstaunlicherweise kein Song gespielt. Im Hinblick auf die politische Lage und den Zuwachs rechter Parteien in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen bei den letzten Wahlen erlebte der Song „Hallo ich heiß Adolf" (Comic-Krieg, 1991) in gewisser Weise eine leider traurige Renaissance. Frank Z. eine sehr feine Nase für politische Stimmungen und hält in seiner Musik gerne den Leuten den Spiegel schonungslos vor die Augen. Die aktuelle Single "Terrorbeat" ist ein gutes Beispiel für Frank Z’s unverkennliche Art. Der Song spiegelt die Breitmachung von Angst in westlich orientierten Gesellschaften vor neuen Terroranschlägen und die damit verbundene Lähmung wieder. Nach ca. 1 1/2stündiger Spielzeit verließen die Jungs unter Zugaberufen die Bühne und kamen für 2 weitere Songs zurück.
Fazit: Ein wirklich spaßiges und absolut gelungenes Lebenszeichen einer Band, deren Mundwerk wohl niemals totzukriegen ist. Und das ist gut so!


 

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Jack_D
© 11/2004 whiskey-soda.de
 


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